Foto: KI-generiert Adobe Stock

Leo XIV. – die „Ideologie“ der KI

Warum muss sich Religion mit einer bloß maschinellen Intelligenz auseinandersetzen? Weil auch eine Künstliche Intelligenz (KI) Wertvorstellungen transportiert, konkret Geld, Kontrolle, Dominanz. Dieser Ideologie setzt Papst Leo XIV. ein Menschenbild entgegen: Würde der Person, Freiheit, Rechtssicherheit, Arbeitsplatz für jeden, Sorge für die Familie.

Dieser Angelpunkt der Enzyklika "Magnifica humanitas – über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" betrifft alle im Ursprungssinn von „katholisch – für alle“.
Nicht viel Neues findet der Kommentator der FAZ vom 29.5. in den 91 Seiten der Enzyklika. Muss er auch nicht. Das Neue ist gerade, dass der Papst die Augen, auch meine, für eine Fehlentwicklung öffnet: die Totalkontrolle der Bürger durch die kapitalistischen Oligarchen, die verstärkte Armutsentwicklung, neue Formen der Sklavenarbeit und den fehlenden Schutz der Kinder vor Missbrauch und Mobbing. Da KI nicht haftbar gemacht werden kann, z.B. für Falschmeldungen, Missbrauch von Kindern, ist ein rechtsfreier Raum entstanden. Intelligenz, auch wenn sie maschinell ist, besetzt die Köpfe. Die Schwäche der Bildungssysteme macht es ihr leicht.

Strategien der Bewusstseinslenkung

Wenn alle Welt mit ihren Fragen ChatGPT adressiert, dann bekommt sie in der Antwort die Weltsicht mitgeliefert, die die Auswahl und die Formulierungen der Antwort bestimmt. Das mag für ChatGPT nicht so offensichtlich sein. Deutlicher ist es für Russland. Denn der Ukrainekrieg hört deshalb nicht auf, weil die Russen den Staatsmedien vertrauen. Die sagen ihnen, dass Russland jeden Krieg gewinnt. So die Einschätzung aus Litauen. Also können sich nicht nur das Militär, sondern die Russen insgesamt nicht mehr als Großmacht fühlen, wenn sie nicht als Sieger nach Hause kommen. Den Ideologien, die mit den digitalen Medien noch einmal gezielter die Köpfe infiltrieren, setzt der Papst die Aufgabe entgegen, andere Werte in die digitalen Systeme einzubauen:

„Würde der Person, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Option für die Armen, die Sorge für unser gemeinsames Haus, Frieden … durch verantwortungsvolle Planung, Abwägung der Auswirkungen für Mensch und Gesellschaft, Einbeziehung der Schwächsten, eine breite Vermittlung digitaler Kompetenz sowie durch eine auf Gerechtigkeit und Frieden ausgerichtete Forschung und Industrie.“ Nr. 14

Die Besitzergreifung der Gehirne bemerken wir nicht

Unser Umgang mit den KI-gesteuerten Social Media und Chatbots lässt uns die immanente Ideologie deshalb nicht erkennen, weil der Algorithmus uns mit unseren Vorlieben, wie wir die Welt gerne hätten, kennt und uns das auf den Bildschirm bringt, was wir gerne hören und womit wir uns wohlfühlen. Die von den Programmierern eingebaute Ideologie sortiert die Nachrichten und Posts aus, die ich nicht lesen soll.
Das ist der Angelpunkt der Enzyklika "Magnifica humanitas": KI unterschiebt uns eine bestimmte Sicht der Welt. Das war schon bei Google so. Nicht wir, sondern Google hat entschieden, welche zehn Links auf der ersten Seite erscheinen. Da der Algorithmus geheim gehalten wird, manipuliert uns bereits eine Suchmaschine. Deshalb fordert der Papst Transparenz.

Von selbst bewirkt eine Technik nichts Menschenfreundliches

Transparent sind uns allerdings die Motive, die die Entwicklung von KI so intensiv nach vorn treiben. Es geht im Westen um die kapitalistischen Werte „Gewinn und Marktmacht“, in China und Russland um politische Macht. Da die künstliche Intelligenz Zugang zu den Köpfen gewinnt, darin besteht ja ihre Intelligenz, setzt der Papst diesem das christliche Menschenbild und die katholische Soziallehre entgegen. Es ist nicht Aufgabe einer Kirche, die sich selbst überholende Technik mit weiteren Neuigkeiten zu bestücken, sondern die Werte ins Gespräch zu bringen, für die sie steht, auch wenn sie, wie der Papst ausdrücklich einräumt, sich nicht an sie hält. Papst Leo nennt Missbrauch und Sklaverei.

Das Wertemodell, das in die neue Technik implantiert werden muss

Die Lektüre reaktiviert das Wertbewusstsein und baut an der katholischen Soziallehre weiter, indem sie die Fragen aufgreift, die durch die neuen Technologien die Person, ihre Würde, ihre Freiheit, ihren Arbeitsplatz, ihre Familie, den Ressourcenverbrauch benennt. Die Enzyklika "Magnifica humanitas" stellt die nicht neue, aber dennoch notwendige, Frage:
 
Was bringt das für den Menschen? Das ist keine Absage an die technische Entwicklung. Papst Leo XIV. sieht darin – anders als sein Vorgänger Papst Franziskus – sogar eine Teilhabe an Gottes Schöpfungskraft. Es geht dem Pontifex vielmehr um die Gestaltung dieser neuen technischen Instrumente, sodass diese den Menschen dienen, und nicht umgekehrt. Diese Anfrage wird nicht primär an die Technik adressiert, sondern an diejenigen, die über diese Technik verfügen, ob an die Fabrikbesitzer bei Leo XIII. oder die Techkonzerne bei Leo XIV. Von den Benachteiligten aus wird gefragt, welche Entwicklungspotenziale fruchtbar gemacht werden können und müssen. 

In diesem Sinne arbeiten wir beim Verein publicatio an weiteren Beiträgen, um die einzelnen Themenbereiche und Fragen herumzustellen:

  • Kultur ist der Gegenpol zu KI
  • Bildung, nicht KI, sucht Wahrheit-       
  • Macht versteckt sich hinter Algorithmen 
  • Accountability – wer entscheidet und ist verantwortlic?
  • die KI kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Arbeitsplätze stabilisieren Familie
  • Der Schutz der Kinder

Zur Lektüre der Enzyklika "Magnifica humanitas"

Die Enzyklika ist in ihrem ersten Teil ein Abriss der Katholischen Soziallehre. Deren Wertesystem wird fortgeschrieben und dient zugleich als Basis, um die neuen Entwicklungen ethisch und in Bezug auf die einzelne Person wie die Gesellschaft einzuordnen. Papst Leo stellt die Sachverhalte in verständlicher Sprache dar. 

Die Lektüre bleibt trotzdem fordernd, weil die Themen und Probleme klar benannt werden. Es sind nicht wenige und sie finden keine einfache Lösung. Das ganze digitale Universum ist von Menschen gemacht. Sie halten entscheidende Sachverhalte, konkret Algorithmen, geheim, sammeln jeden Tag Daten über jeden von uns, lassen schwere Schädigungen von Kindern zu und fördern durch mangelnde Kontrolle die Desinformation. Sie geben den Reichen die fast totale Herrschaft über die öffentliche Meinungsbildung und vergrößern den Abstand zwischen Arm und Reich.

Link: Der Text der Enzyklika ist in voller Länge auf der Vatikan-Website in deutscher Sprache verfügbar: https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html und kann zudem als Broschüre kostenlos vorbestellt werden:
https://www.dbk-shop.de/de/publikationen/verlautbarungen-apostolischen-stuhls/enzyklika-magnifica-humanitas-papst-leo-xiv-schutz-menschen-zeitalter-kuenstlichen-intelligenz.

Die Vorstellung der Enzyklika am Pfingstmontag stellt die einzelnen Themenfelder in ihrer Bedeutung vor. Der Beitrag von Christian Schnaubelt bei explizit.net motiviert zur Lektüre

Magnifica humanitas

Hinweis: Die Portale explizit.net und kath.de von publicatio werden in mehreren Beiträgen über das Thema Künstliche Intelligenz im Monatsthema Mai/Juni 2026 hier berichten. 


Kategorie: Digitalisiert

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