Wenn ich mit meinem Rad durch die Felder fahre, sehe ich noch viele orangefarbene Hokkaido Kürbisse liegen. Sie leuchten von Weitem, als würde sich die Sonne darin spiegeln. Späte, grüne Tomaten hängen in den Gemüsegärten noch an den Stauden, warten auf weitere warme Sonnentage. Die Äpfel- und Pflaumen sind geerntet, auch das meiste Gemüse. Viele Pflanzen und Blumenstauden haben die letzten Regentage genutzt, um noch einmal richtig durchzustarten. Sie treiben einfach neues Grün und neue Blüten, als wollen sie sagen. Wir haben noch viel unverbrauchte Energie.
Ich genieße dieses Licht, die Pracht der warmen Farben und die Fülle. Wie reich beschenkt sind wir doch, selbst nach diesem trockenen Sommer. Da muss ich einfach Danke sagen. Erntedank - ich lege ein paar Vorräte, wie Marmelade und Kimchie an, sichere den Geschmack des Sommers für die kalte Jahreszeit.
Pilzzeit
Als Pilzfan war die Suche in den letzten Wochen meist ergebnislos. Mehrmals bin ich durch die Wälder gestreift – nichts-nichts-nichts. Überhaupt keine Pilze. Als hätte der Wald sie verschluckt. Der Waldboden war trocken, die Bäume haben sich schon früh von überflüssigen Blättern befreit, um in diesem heißen Sommer zu überleben. Zentimeterhoch liegt schon so früh das braune Laub. Ich hatte die Sorge, dass die Trockenheit das Myzel, das unterirdische Geflecht, über das die Pilze sich mit den Bäumen verständigen, geschwächt oder sogar vernichtet hat. Auch ist der November für die Pilzsuche eigentlich zu spät, aber dieses Jahr ist es anders. Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Ein paar Steinpilze und zwei große weiße Glucken waren dann doch im Rucksack. Wie widerstandsfähig ist doch unsere Natur.
Jetzt, im November, treffe ich auf einem Waldspaziergang eine ganze Fliegenpilzfamilie. Sie leuchtet mir mit ihren roten Hüten und den weißen Punkten vom Wegesrand entgegen. Sie sehen aus wie Glücksboten. Das Myzel hatte die Kraft, in der Trockenheit unter der Erde auszuharren, sich auszubreiten und jetzt in den letzten warmen Herbsttagen sich noch einmal kraftvoll zu zeigen. Ein wunderschönes Bild für eine Familie. Dicht gedrängt stehen sie beieinander, die Kleinen wie die Großen, miteinander verwurzelt, haben sie den Trockenheitsstress überwunden. Sie wärmen, schützen und nähren sich gegenseitig. Sie haben durch diesen Zusammenhalt überlebt, unsichtbar für meine Augen. Sie haben ihre Lebenskraft nicht verloren, trotz unwirtlicher Bedingungen.
Bestandsaufnahme im Herbst
Auf meinem Spaziergang denke ich darüber nach, dass auch ich im Herbst meines Lebens angekommen bin. Ich kann mir ein paar Fragen stellen. Wie sieht es bei mir aus? Habe ich ein tragendes Geflecht, mit dem ich Trockenzeiten überleben kann? Geben mir meine Wurzeln halt? Was ist in den letzten Monaten gewachsen? Wofür kann ich dankbar sein? Was ist vielleicht auch vertrocknet. Was habe ich nicht gepflegt und was nehme ich in den kalten Winter mit? Was kommt auf den Kompost?
Im Herbst kann ich am besten entdecken, wie Wachsen und Vergehen ineinandergreifen.
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