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Wie wir wieder zu guten Deutschen wurden

Der Autor Josef Joffe schlägt in seinem Buch „Der gute Deutsche“ einen großen politischen Bogen über das Deutschland nach der Katastrophe des Dritten Reiches. Er zeigt, wie Deutschland wieder zu internationaler Akzeptanz geführt wurde.

Wie konnte es gelingen, dass aus einem verbrecherischen, mörderischen Volk sich ein Deutschland entwickelte, das heute mit großer Achtung in der Welt steht? Josef Joffe zeigt auf, wie durch Adenauers Taktik im Umgang mit den Alliierten das verhasste Deutschland neu beginnen konnte. Er beschreibt wie  die Anpassung an den Willen der Besatzungsmächte zu Akzeptanz und neuer Achtung führte. Die Aussage Adenauers "der 8. Mai 1945 ist kein Tag der Unterwerfung sondern ein Tag der Befreiung" bezeichnet seine Haltung gegenüber den Besatzungsmächten. 

Unter Adenauer wird Deutschland zu einer solide verankerten Demokratie. Durch den Marschallplan und mit der weiteren Unterstützung durch die Amerikaner konnte sich Deutschland relativ schnell erholen. Es gab ein neues Wirtschaftswunder. Josef Joffe orientiert sich an den Kanzlern von Adenauer bis Merkel, beschreibt die Fähigkeiten der Einzelnen, deren Einfluss auf die Entwicklung Deutschlands wie auch auf die Weltpolitik. Die Notwendigkeit der politischen Wechsel und Positionen werden deutlich. Das heutige Image von Deutschland ist nicht auf einen Politiker zurückzuführen, sondern auf die vielen, die mit ganz unterschiedlichen Begabungen und ihrem diplomatischen Verhalten ihre Amtszeit für den Wiederaufbau, auch für die Wiederbewaffnung von Deutschland nutzten.

„Nie wieder“ ist der Slogan, der Deutschland weiter vorteilhaft ermöglichte, sich aus allen Kriegen nach 1945 herauszuhalten und seine Energie in den Wiederaufbau zu stecken. Gleichzeitig war das nur möglich, weil die anderen Mächte für die Sicherheit Deutschlands einstanden. 

Joffe beschreibt die innerdeutsche Entwicklung, den Umgang mit dem jüdischen Volk, seine Auswirkungen und Perspektiven. Auch lässt er nicht außen vor, den Antiamerikanismus verschiedener Lager zu beschreiben.

Das Buch zeichnet eine 70-jährige Geschichte im Schnelldurchlauf auf. Der Leser braucht relativ viel politisches Hintergrundwissen, um allem folgen zu können. Die jüngere Generation, die das politische Geschehen nur aus dem Geschichtsunterricht oder Erzählungen kennt, wird sich vermutlich mit diesem Beitrag etwas schwer tun. Für sie wie für andere bietet das Literaturverzeichnis im Anhang eine gute Möglichkeit, sich mit der deutschen Geschichte weiter auseinanderzusetzen.

Für mich selbst war das Buch deshalb anregend und erhellend, weil es mir den Blick für manche Zusammenhänge eröffnet hat. 

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Kategorie: Gelesen

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