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Wie kann ich mich auf das Sterben vorbereiten?

Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen - so das Bundesverfassungsgericht.

 

 

Bevor ich über das Sterben schreibe, ein paar Worte zum Leben:
Als Säugling werde ich in diese Welt hineingeboren. Niemand hat mich gefragt, ob ich das will. Ich komme aus dem dunklen Mutterleib in diese Welt. Ich bin erst einmal hilflos angewiesen auf Menschen, die mir wohlgesonnen sind, mich versorgen und mich in meiner Entwicklung unterstützen. Das was ich mitbringe, ist nämlich dazu da, dass es sich entwickelt, ich wie auch jeder Mensch soll zu einer einzigartigen Person werden, die dazu beiträgt, dass sich nicht nur ich selbst, sondern die Welt mit diesen Begabungen weiterentwickelt.

Der Mensch ist Geschenk

Jeder Mensch ist einzigartig, ein Unikat und deshalb ist jeder auch ein Geschenk an diese Welt. Mit zunehmendem Alter spüre ich, dass ich mit diesem Geschenk immer noch etwas Sinnvolles anfangen kann, etwas, das mir Zufriedenheit in meinem Leben ermöglicht, für andere eine Unterstützung bedeutet und meinem Leben Sinn verleiht. Meine Begabungen, meine Kompetenzen, die mich ausmachen, habe ich nicht nur von meinen Eltern und der Umwelt. Es ist eine größere Kraft, die mich begleitet, die mich in dieser Welt vor allem will. Ich bin gewollt. Mit diesem Status erwerbe ich auch die Verantwortung, mich in dieser Welt zu engagieren. Meine Kompetenzen sind, wie die jedes Menschen, in dieser Gesellschaft bis ins hohe Alter gefragt. Mit ihnen kann ich andere auch noch im Rentenalter, im Ehrenamt unterstützen. Wenn ich meine Berufung finde, kann ich das spüren, denn da geht bei machen Tätigkeiten einfach das Herz auf. Ich kann auch sagen, ich brenne für etwas.

Zurückblicken

Jetzt im Alter übernehme ich immer noch Aufgaben, weniger als früher. Das was noch geht. In meinen freien Zeiten schaue ich manchmal zurück auf das, was ich im Leben geschaffen habe, was mir gelungen ist, wo ich gefehlt, wo ich Andere verletzt habe. Manchmal schreibe ich dazu etwas. Das hilft mir, so manche Situation noch einmal genauer anzuschauen.
Auf welche Freude kann ich blicken, wann war ich so richtig glücklich? Wieviel Schmerz musste ich erleiden, wieviel Demütigung und Verletzung habe ich erlebt?
Ich frage mich auch, welche Schuld möglicherweise von meiner Seite noch offen ist. Muss ich noch jemandem verzeihen, vergeben, damit ich gut alt werden kann und in Ruhe auf meinen Tod zugehe? Auf dem Sterbebett nicht kämpfen muss, sondern hoffentlich in Ruhe hinübergleite.

Antworten finden

Es fällt mir nicht leicht, zu allen diesen Fragen eine Antwort zu finden. Mmanchmal bin ich geneigt, etwas zu beschönigen oder schlechter zu beurteilen als es war. Mit einem solchen Resümee kann ich mich aber von so manchem versöhnt verabschieden. Der Rückblick ist das Eine, der Blick in die Zukunft ist ein Blick auf den endgültigen Abschied.

Warum diese lange Einleitung, wenn es doch um das selbstbestimmte Sterben geht? Am Lebensende spielt es eine große Rolle, wie ich mein Leben gelebt habe, wie zufrieden und ausgeglichen ich in die letzte Phase meines Lebens gehe und wie bewusst ich mir bin, dass es auf das Ende zuläuft. Kann ich mich mit diesem endgültigen Ende anfreunden? Ja sagen?

Blick in die Zukunft

Wenn ich den Blick in die Zukunft, auf die bevorstehenden letzten Jahre lenke, wird es eng. Es sind nicht mehr so viele Jahre, die mir bleiben. Diese Jahre steuern auf das Sterben, den Tod zu. Ich will mich darauf vorbereiten. Mit dieser Vorbereitung sind Ängste verbunden. Ängste, wie das Sterben geht. Ängste vor Schmerzen, vor Einsamkeit, vor dem was beim Sterben auf mich zukommt. Am liebsten wäre mir ja ich könnte einfach einschlafen und so in ein anderes Leben hinüberwechseln. Das wünschen sich Viele.

Ein neues Leben?

Ich möchte ja so gerne glauben, dass es dieses Jenseits gibt, in dem alles anders ist. Ein Jenseits, in dem es keine Sorgen, Nöte, Schmerzen und Tränen gibt. Als gläubige Christin, bin ich auch überzeugt davon. Dann gibt es auch wieder Momente des Zweifelns. Aber, wenn es kein Jenseits geben sollte, was würde dann das Leben hier für einen Sinn ergeben? All diese Mühen und Anstrengungen nur für das Diesseits? Das wäre zu billig und gleichzeitig zu anstrengend. Da könnte man sich ja schon in den Zeiten, wo es im eigenen Leben Tiefpunkte gibt, wo ich in depressiven Stimmungen hängen bleibe, das Leben nehmen.

Das Lebensgeschenk wertschätzen

Ich gehe davon aus, dass ich nicht einfach das Geschenk meines Lebens vernichten kann. Es würde die Wertschätzung fehlen, denjenigen beleidigen, der mich so viele Jahre durch dieses Leben begleitet hat. Ich würde mich auch würdelos machen. Wenn es allerdings zunehmend „normal und akzeptabel“ in unserer Gesellschaft wird, das Leben deshalb mit einem Cocktail zu beenden, weil die Rente für die nächste Generation nicht mehr auszureichen scheint, werden viele unter einen psychischen Druck gesetzt. den eigenen Tod zu beschleunigen.,
Wer sich mit seinem Sterben wirklich auseinandersetzen will, Antworten sucht, trifft auf viele Fragen.

Fragen über Fragen

Was ist, wenn ich Pflegefall werde? Wie kann ich heute schon Vorbereitungen treffen, nicht einsam zu sein, wenn es soweit ist? Menschen noch die letzten Tage meines Lebens mit mir teilen, nicht nur die Kinder und Enkel, die weit weg wohnen.
Wie gut bin ich finanziell abgesichert, dass ich mir ein paar Jahre Pflege leisten kann, ohne meine Kinder in die Pflicht nehmen zu müssen?
Wie will ich einmal sterben? Kann ich bis zum letzten Atemzug aushalten?
Was muss ich alles organisieren, wenn ich dement werden sollte?

Fragen, die neue Fragen nach sich ziehen:
Alle diese Fragen, die in mir auftauchen, dienen letztlich dazu, dass ich mit diesem Leben einmal zufrieden abschließen kann, was mir hoffentlich gelingt.

Patientenverfügung ergänzen

Vor ein paar Tagen habe ich meine Patientenverfügung überarbeitet und einen neuen Passus eingetragen.

„Wenn ein Zustand eingetreten ist, in dem ich mich nicht mehr selbst artikulieren kann, in dem ich auch keine Aussicht auf Heilung habe, und Essen und Flüssigkeitszufuhr nur noch der Verlängerung meines Lebens dienen, wünsche ich die Beendigung von Essen und Trinken.“

Ich möchte dann aufhören zu essen und zu trinken.
Wichtig ist, dass ich darüber noch mit meinen Kindern ins Gespräch komme, damit auch sie sich darauf einstellen können und mich unterstützen.

Für mich ist der Entzug von Essen und Trinken eine akzeptable Form für selbstbestimmtes Sterben.
Aktive Sterbehilfe lehne ich für mich ab, weil der Sterbeprozess sowohl für den Sterbenden, als auch für die Angehörigen vollkommen außer Acht gelassen wird.
Selbstbestimmter Freitod irgendwann im Leben hat nochmal eine andere Qualität, die eine Anzahl an Problemen bei den Hinterbliebenen zurücklassen. Das muss in einem eigenen Artikel Thema werden.


Kategorie: Entdecken

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