Einzug mit meiner Person
Mit dem Neustart ist viel verbunden, denn ich bin hier nicht nur mit meinem ganzen Hausstand, meinen Lieblingsmöbeln, dem schönen Geschirr, den Bildern an der Wand, den vielen CD‘s eingezogen, sondern auch mit meiner ganz persönlichen Geschichte, mit meinem ganzen Leben, das sich hier vollenden kann. Da ich bald 80 bin, wird es die letzte Lebensphase sein aber auch die Lebenszeit, in der ich nichts mehr beweisen muss. Ich kann auf Vieles was in mir gewachsen ist, sich in meinem Leben verwirklicht hat oder ich auch mit anderen bewirken konnte, zurückblicken. Ich kann mich an dem was gelungen ist freuen, dafür auch dankbar sein. Mitgenommen habe ich allerdings auch die Situationen aus meinem Leben, die nicht so gut gelaufen sind, wo ich versagt, etwas unterlassen, nicht genügt oder andere verletzt habe, Sie brauchen noch Versöhnung, damit sie befriedet werden. Ich arbeite daran, den Groll, die Verletzungen, die auch bei mir entstanden sind, nicht unversöhnt bis ans Ende meiner Tage aufzuheben.
Wie in einem Dorf
An manchen Tagen wundere ich mich selbst, wie schnell ich hier Kontakt bekomme und interessante Menschen kennenlerne. Denn niemand zieht hier mit seinem Freundeskreis ein, zu dem man bei Umzügen von Stadt zu Stadt oft nur noch sporadisch Kontakt findet. Alle kommen genau wie ich alleine oder mit ihrem Ehepartner. Deshalb freuen sich die meisten auf Begegnung, sind offen für neue Kontakte, so dass ich mich erstaunlich schnell dazugehörig fühle. Es ist hier wie in einem kleinen Dorf. Es ist alles da, was man notwendigerweise braucht. Weil alles im Haus ist, kann ich es auch einfach nutzen. Aber nicht nur für meine körperliche Fitness und mein leibliches Wohl ist gesorgt, sondern auch für meinen Geist gibt es viele Veranstaltungen und Aktivitäten, mit denen ich meine Tage strukturieren kann. Ich habe einen großen Freiraum vorgefunden, so dass ich mein Leben selbstständig organisiere. Dass alles im Haus gut geregelt ist, hält mir den Rücken frei, um Pläne zu schmieden und neues in Angriff zu nehmen. Sicherheit erlebe ich auch durch meine Kinder, die mich aktiv unterstützen und mich bei diesem so endgültigen Schritt begleiten.
Innere Bewegung
Erstaunt bin ich aber manchmal, wie viele unterschiedliche Gefühle und Gedanken mich für mein zukünftiges Leben bewegen, obwohl ich hier ziemlich entspannt lebe und mich gut aufgenommen fühle. Da gibt es schon mal Ängste, Unsicherheiten und Fragen. Werde ich mich hier wirklich beheimaten? Oder mache ich mir etwas vor? Wird es tatsächlich ein glückliches Alter werden? Wie gehe ich mit dem Verlust einer gut gewachsenen Nachbarschaft um? Was kann ich tun, um den Kontakt zu meinen weiter weg entfernten FreundInnen zu halten, wenn wir alle nicht mehr fahren können? Solche Fragen bewegen sich noch in mir. Die nächsten Jahre werden darauf die Antwort finden. Es gibt allerdings auch Vorfreude auf einen interessanten Neuanfang, auf neue Menschen, neue Begegnungen, einen neuen Ort. Aufregend ist das alles, gleichzeitig anregend. Mit diesem Umzug habe ich nämlich meine Komfortzone, meine Gewohnheiten, die bisherigen Sicherheiten verlassen, um mich auf unbekanntes Terrain einzulassen. Spannend, denn es wird mir neue Perspektiven eröffnen und mein Leben bereichern.
Keine Einbuße
Der Umzug bedeutet nicht, wie manche Menschen denken „Ende“, „Schluss“, jetzt ist das Leben nichts mehr wert. Es ist ein Startschuss zu einem lebendigen selbstgestalteten Leben in Gemeinschaft, in viel größerer Sicherheit und mit Lebensqualität im Alter– aber auch mit Raum für Ruhe und Rückzug. Etwas was mir ganz wichtig ist: „es riecht hier im Haus nicht nach alt werden.“
Kontakte nach außen
Anknüpfungspunkte außerhalb des Hauses finde ich als Hospizbegleiterin im sehr gut organisierten Hospizverein, der mich mit offenen Armen empfangen hat, als gehörte ich schon immer dazu. Die Begleitung der Nachwuchs - Einsatzkräfte in der Notfallseelsorge macht mir Freude und auch die Kontakte zu meinen Freundinnen sind noch lebendig.
Start ins Neue Jahr
Das Jahr 2026 lockt mich mit dem Neustart auf mehreren Ebenen. Ich bin jetzt gut da, habe Zeit und spüre mehr als noch vor Jahren, wie wichtig die Familie ist. Gespräche mit der Enkelgeneration lassen mich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, weil ich in vielen Gesprächen auf junge Erwachsene mit hohem Wertbewusstsein gestoßen bin. Erstaunt war ich auch, wie stark das Interesse auch hier bei den Senioren an dieser Generation Z ist. Das macht das Thema, an dem ich seit einiger Zeit arbeite noch interessanter, so dass es mich 2026 noch eine ganze Weile begleiten wird. Außerdem wartet ein neues Grundstücksprojekt darauf, dass ich es zum Garten gestalte.
Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!