Das Leben hat eigene Spielregeln

Fit, energiegeladen, zukunftsorientiert und mit vielen guten Plänen im Kopf hat das Jahr 2026 für mich begonnen. Wie blauäugig von mir zu glauben, dass sich alles so erfüllen wird, wie ich es mir vorgestellt habe.

Eine Erkrankung nach der anderen

Jetzt ist es April und in den vergangenen Monaten werde ich erst von einer Grippe erwischt, die mich über zwei Wochen lahmlegt. Nach einer kleinen Erholungsphase beginnen Schmerzen im Darm, die mit Antibiotika behandelt werden. Geschwächt von der Grippe und den Medikamenten will ich ein paar Tage ausspannen, mich in Holland erholen. Ein Tag nach meiner Ankunft treten erneut Schmerzen auf. Ich muss die Urlaubstage abbrechen. Nachdem mich die Notfallambulanz in Bonn auf die Innere Abteilung einweist, fühle ich mich zwar an einem sicheren Ort, aber gleichzeitig hilflos den Prozessen in meinem Körper ausgeliefert. Ich werde wieder mit Antibiotikum und Schmerzmitteln behandelt. Es ist ein Gefühl von Ausgeliefertsein, nicht mehr selbst über mich bestimmen zu können. Mich ganz auf andere verlassen zu müssen. Nicht verstehen, was in meinem Körper passiert. Vertrauen zu haben, dass die Ärzte und Schwestern alles richtig machen. Ich habe Schmerzen und fühle mich total schwach.  10 Tage vergehen, bis sich meine Blutwerte wieder im normalen Bereich befinden.Ich werde entlassen mit einem OP Termin in 14 Tagen.

Acht Stunden Operation

Dann, nach einer 8 stündigen OP, 2 Tagen auf der Intensivstation, einem künstlichen Darmausgang und gefühlt unendlich schwach, beginnt mein Körper seinen Heilungsprozess. Die schwere OP ist gelungen. Ich bin erst einmal dankbar für diese kompetenten Ärzte und Pflegerinnen, die ihre Kraft und ihre Kompetenz für mich eingesetzt haben. In mir ist aber auch ein großes Gefühlschaos. Welche Perspektive habe ich? Wie wird sich das alles entwickeln? Kann ich mein normales Leben wiedergewinnen und auch meine Zukunftsträume noch verwirklichen? Kann ich noch Sport machen und Schwimmen gehen? Fragen, die mich am Tag und in der Nacht beschäftigen. So manche Tränen fließen über meine Wangen, ich suche nach einem Hoffnungsschimmer, nach Zukunft, nach Lebendigkeit. Stattdessen scheint in mir alles zusammenzubrechen. Als Bewegungstyp, der immer etwas vorhat, wirft mich die Situation in ein tiefes Loch von Hilflosigkeit.

Andere geben mir Kraft

Ich brauche Kraft, um mich positiv zu stimmen. Aber woher nehmen? Denn diese positive Energie fehlt mir gerade in diesem Zustand. Erst als ich meinen Kopf einschalte, die Realität akzeptiere, meine Kinder mich liebevoll unterstützen, die Ärzte mir Perspektiven aufzeigen, kommt mein Inneres ein bisschen zur Ruhe. „Es ist jetzt wie es ist und wird irgendwie weitergehen.“ So beruhige ich mich langsam. Ich spüre zunehmend, dass ich nicht alleine durch dieses Dunkle gehen muss. Da ist auch viel Energie von guten Menschen, die mich auf dieser Odyssee mit ihren Gebeten, ihrem Gedenken und Kerzen, die sie für meine Genesung angezündet haben, begleiten. Diese Zuwendung, das Mitfühlen, die geistige und auch die spürbar spirituelle Unterstützung ermutigen mich, meine mir noch verbliebenen Kräfte zu meiner Gesundung positiv einzusetzen.
Ich brauche sie auch, denn kein Tag ist wie der andere. Mit der gelungenen Operation ist noch lange nicht alles vorbei. Mein ganzer Körper ist durch die vielen Medikamente ziemlich durcheinander, so dass so manches Blutbild aus den Fugen gerät.

Angewiesensein

Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis ich wieder in meinen „alten Zustand“ zurückkehren kann. Eine Erfahrung, die mich demütig macht, von mir viel Geduld erfordert. Ich kann jedoch meiner positiven Weltsicht zutrauen, dass es besser wird. Diese Ausnahmesituation zeigt mir, dass das Leben seinen eigenen Spielregeln folgt, auf die ich nur begrenzt Einfluss nehmen kann. Ich spüre, dass ich angewiesen bin. Angewiesen auf die Kompetenz von Ärzten und Pflegerinnen, von Menschen, die mich mit ihrer Energie innerlich unterstützen und von einem guten Geist, der mich durch diese Wirren begleitet. Ich muss und will einfach Danke sagen, dass ich mit dieser Begleitung so gut bis jetzt durchgekommen bin.


Kategorie: Verstehen

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