Hier werden die Gedanken und Überlegungen einer Gesprächsrunde in der Frankfurter Ignatiusgemeinde wiedergegeben. Frankfurt katholisch hat ein eigenes Profil, weltoffen wie die Stadt, einem nüchternen Christentum verpflichtet. Nüchtern ist auch die Einsicht, für sein Leben die Verantwortung zu übernehmen.
Gutes hinbekommen
Nicht nur Ich gehe mit dem Bewusstsein durch das Leben, dass ich es bin, der Gutes hinbekommen hat. Aber ich muss sich auch dem Schädlichen stellen, das ich anderen angetan habe. Das kommt nicht erst am Ende meines Lebens über mich, sondern fast jeden Tag. Mir ist bewusst, was ich angestellt habe.
Dieses Bewusstsein für meine Taten entspringt der Freiheit. Wenn ich es mit meinen Entscheidungen bin, der sein eigenes Leben steuert, bin ich auch verantwortlich für meine Taten und auch dafür, wie ich auf andere reagiert habe.
Menschrechte ermöglichen ein würdiges Leben
Bewusst leben heißt weiter, die in den 10 Geboten und in anderen Texten formulierten Regeln zu befolgen. Wie die Menschenrechte ermöglichen sie ein würdiges Leben. Auch wenn sie in der Bibel als Wille Gottes dargestellt werden, sie sind für den Verstand einsichtig. Sie müssen auch vom gleichen Verstand für die jeweilige Epoche weiter entwickelt werden. Mit diesen Einsichten fangen die Fragen aber erst an. Denn was sind die Konsequenzen? Warum ein Endgericht?
Ohne Endgericht kein Leben nach dem Tod
Das von Juden, Christen und Muslimen erwartete Endgericht ist notwendig, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich kann nicht einfach weitermachen, sondern muss das Schlechte hinter mir lassen. Was aber passiert mit denen, die mit ihren Untaten konfrontiert werden.?
Hier setzt eine Argumentation von Immanuel Kant an, die sich schon bei Paulus findet: Wenn es kein Endgericht gibt, dann wäre es gleichgültig, ob ich gut oder böse war. Kant folgert: Es droht ein Zusammenbruch der moralischen Ordnung, wenn die Überzeugung schwindet, es gebe kein Leben nach dem Tod. Es würde immer weniger Gutes entstehen, weil Gutes zu tun ohne ein Leben nach dem Tod sich nicht lohnt. Aber stuft diese Auffassung die ethische Verpflichtung für das Gute nicht zu einem Belohnungsdenken herab?
Die Menschen, die sich den Werten des Zusammenlebens verpflichtet haben und nicht mit einem Leben nach dem Tod rechnen, zeigen: Ethik funktioniert auch ohne den Belohnungsgedanken. Die Werte überzeugen aus sich selbst. Ihre Umsetzung entspricht der Würde des Menschen. Es ist keine Frage: Die Verantwortung, die ich für mein Leben übernehme, braucht das Leben nach dem Tod. Ich kann mir selbst Rechenschaft für mein Leben geben. Es war mein Leben und ich bin dann nicht mehr da.
Die Erwartung auf ein neues Leben hat weitere Motive
Woher kommt dann die Überzeugung der Religionen, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Hinduismus und Buddhismus erwarten ein Eingehen in das große Ganze, in das sich das Individuum auflöst. Für die westlichen Religionen geht die Person in eine andere Wirklichkeit, die nicht mehr durch räumliche Entfernung noch durch zeitliches Nacheinander bestimmt wird. Es gibt Menschen, die dieser Wirklicht nahegekommen sind. Es wurde von einer Sterbenden berichtet, die mehrfach ihre Mutter und andere Verwandte gesehen hat, die sie eingeladen haben, zu ihnen zu kommen.
Gott hat keine Hölle vorgesehen
Es blieb dann noch die Frage nach der Hölle. Es ist mit der christlichen Vorstellung nicht vereinbar, dass Gott in seinem Haus so etwas wie eine Hölle eingerichtet hat. Dann hätte er von Anfang an damit gerechnet, dass seine Schöpfung große Mängel hat. Das führt zu zwei weiteren Fragen: muss Gott sich dafür rechtfertigen, dass er nicht wenigstens eingreift, wenn unschuldige Menschen gefoltert und gemobbt werden. Müsste er den Kriegstreibern nicht die Waffen aus der Hand nehmen? Diese Frage wird unter dem Begriff Theodizee, die Rechtfertigung Gottes angesichts der Übel in der Welt, verhandelt. Was bedeutet es dann, dass Gott eingreift, nicht strafend mit dem Schwert, sondern erlösend. Die Kriege und Anderes haben diese Fragen dringlich gemacht. Weitere Überlegungen aaus dem Frankfurter Westend folgen.
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