Sintflut-Menschen suchen Zugang zur Arche, Hans Baldung Grien. Foto: hinsehen.net, E.B.

COVID-19 überholt den Menschen

Was passiert gerade mit uns? Etwas, das aus sich nicht lebensfähig ist, braucht unsere Zellen, damit es leben kann. COVID-19 will leben- mit erstaunlicher Energie. Welche Konsequenzen werden wir ziehen. Auf die Pestepidemien war Beschleunigung des Lebens die Antwort.

Obwohl diese biologische Konstellation ganz jung ist, hat das Corona-Virus sich schon auf der ganzen Welt ausgebreitet. Wir Menschen haben Millionen Jahre gebraucht, um vom Eis bis in die Wüste wohnhaft zu werden. Wir mussten dafür mit der Natur fertig werden, Fische fangen und Seehunde jagen lernen, in der Wüste Wasserstellen finden, Kamele zu Haustieren machen. Kaum eine andere Tierart ist so anpassungsfähig. COVID-19 braucht sich nur bei uns aufzusetzen, wir nehmen es im Flugzeug mit. Da, wo Menschen sind, kann es sich ausbreiten.

Wir sind Teil der Biosphäre 

Das Virus ist so flexibel wie wir Menschen. Aber es ist auch auf uns angewiesen. Eine Amsel oder ein Hund scheinen keine geeigneten Wirtstiere. Wir Menschen haben offensichtlich etwas, das das COVID-19 braucht, um sich bei uns einzunisten. Das Schnipsel, das sich in unsere Zellen einnisten kann, bleibt ja nicht wie ein Sandkorn untätig, sondern verbindet sich mit lebendige Funktionen, um das biologische Umfeld so zu nutzen, dass es sich zu vermehren kann. Es muss seine Moleküle so organisieren, dass sie an Zellfunktionen andocken können. Das passiert in mir. Habe ich genug Kräfte, um mit diesem Eindringling fertig zu werden?

So viel Energie wie ein Atomkern?

Wie der Atomkern ist in dem Biosystem Corona eine unvorstellbare Energie wirksam. Der Mensch kann, wenn er die Energie von Uran-Atomkernen freisetzt, die Erden in die Luft sprengen. Die Energie des Atoms wirken im Weltall ständig, z.B. bei Super-Nova-Explosionen und dauerhaft bei der Umwandlung von Wasserstoff in Helium im Kraftwerk Sonne. Das Virus nutzt eine vergleichbare biologische Energie, die in jeder Zelle angelegt ist. Dort wird ständig Information vom Gen-Faden an die Orte transportiert, wo etwas geschehen soll, z.B. neue Eiweiße gebildet werden. Dieses in jede Zelle eingebaut Kopiersystem nutzt COVID-19. Weil nicht ein neuer Körper entstehen soll, sondern nur wieder kurze Molekülketten, können so viele neue Viren so schnell produziert werden. Lässt sich dieser Kopiermechanismus für das Virus in unseren Zellen stören, verliert COVID-19 seine Dynamik.

Der Lebenselan von COVID-19

So winzig das Virus ist und so angewiesen auf uns, dass es überhaupt da sein kann, es will leben. Woher kommt dieser Elan? Es ist ja noch nicht mal eine Zelle, die nach außen abgeschlossen ist und die in ihren Gen-Fäden die tausende Programme mit sich trägt, um die Lebensvollzügen aufrecht zu erhalten. Das Virus nutzt einfach diese Zellen, um sich im Körper auszubreiten. Zusätzlich ist eine Kraft eingebaut, auf andere Wirte überzuspringen und dort auch das Zellsystem zu nutzen, um sich zu vermehren. 
Dieser Winzling setzt tausende von Gehirne in Bewegung, die seinen biologischen Strategien auf die Spur kommen wollen. Eigentlich müsste der Mensch längst diesen Eindringling unschädlich gemacht haben. Denn wie soll das Virus die menschliche Intelligenz überwinden. Ein Virus ist ja viel zu klein, um so etwas wie ein Gehirn haben zu können. Das stellt uns vor die Frage, ob die Evolution selbst darangeht, ihr komplexestes Produkt, den Menschen, auszuschalten. COVID-19 ist nämlich eine Neukonfiguration aus vorausgehenden Viren. Arbeitet eine Kraft gegen uns, die keine Cruise-Missiles und keine superschnellen Wasserraketen braucht, sondern einfach nur ein Virus in die Welt setzt, das dann ganze Arbeit leistet? Früher hätten die Menschen hinter der Krankheit einen Dämon vermutet. Heute kommen die Wissenschaftler sehr viel näher an das winzige Gebilde heran. Es bleibt aber die Frage, woher es diesen Überlebenswillen hat. Wir müssen wohl die Evolution besser verstehen und uns neu in der Biosphäre verorten. Vertrauen können wir weiter auf die Überlegenheit unseres Gehirns, das nicht nur in der Lage ist, den Kopiermechanismus zu verstehen, den das Virus nutzt, sondern diesen auch zu so zu stören, dass COVID-19 ins Leere läuft. Aber was sagt das uns über unsere Lebensgrundlagen. Die hohe Intelligenz, die in dem Winzling steckt, fordert jeden heraus, nicht nur die Virologen

Steht wie nach der Pest eine neue Epoche bevor?

Der kleine Gegner kann weltweit die Wirtschaft lahmlegen. Schauen wir vielleicht zu einseitig auf die Virologen und erwarten von ihnen die Problemlösung? Wenn unser Zusammenleben durch Corona lahmgelegt werden kann, dann müssen doch die Wirtschaftswissenschaften, die Kommunikationsberufe, aber auch Philosophie und Theologie die Herausforderung aufgreifen. Mit den Einsichten der Evolutionstheorie können wir dem näherkommen, wie die Schöpfung von innen her aufgebaut ist und wie sie diese Dynamiken freisetzen kann. Wenn wir die Energie verstehen, mit der einige Moleküle unser Leben völlig umstülpen können, wird sich unsere Einstellung zum Leben, zum Wie unseres Lebens mit Sicherheit ändern. Die Pestepidemien des Späten Mittelalters haben die Vorstellung von Leben verändert. Sie haben dem Menschen bewusstgemacht, wie kurz seine Lebensspanne ist. Daraus haben die Menschen die Konsequenz gezogen, die Abläufe immer weiter zu beschleunigen und damit das Lebenstempo zu erhöhen. Seit der Pest haben wir das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Reitet Corona auf dieser Beschleunigung?

Die Quarantäne, in die wir uns zurückziehen müssen, gibt uns Zeit zum Nachdenken - woher wir kommen, worauf unser Leben aufruht, wie verwundbar unsere Lebensgrundlagen sind, wie wir mit den anderen Lebewesen in Zukunft zusammenleben wollen. Wir können uns auch Zeit nehmen, die Abläufe in der Zelle genauer anzuschauen, z.B. Boten-RNA, mRNA-Messenger RNA

Literatur:
Gronemeyer, Marianne, Das Leben als letzte Gelegenheit. Sicherheitsbedürfnisse und Zeitknappheit, 1996, . Primus-Verlag. Darmstadt. 171 S.


Kategorie: Verstehen

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang