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Warum ist die AFD die neue Arbeiterpartei?

Der Zuwachs der AFD kommt aus der Arbeiterschaft und den jungen Wählern. Ullrich Lehmann zeigt an Beispielen, wie die AFD die Themen aufgreift, die viele Wähler bedrängen: Geringverdienende, die kaum noch Miete und Sozialabgaben bezahlen können und gewalttätige Immigranten aus wenigen Ländern.

Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg erreichte die AFD bei den Arbeitern wesentlich bessere Ergebnisse als SPD und CDU. Warum ist das so? Das Wahlprogramm der AFD gibt das nicht her. Hier herrscht eher der Grundsatz: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht. Mit ihrer Hauptforderung erweckt die AFD den Eindruck, man müsse nur genug Ausländer rausschmeißen, dann gehe es mit Deutschland wieder aufwärts. Auch knallharte Verteilungskonflikte spielen eine große Rolle. So spielt das Unbehagen vieler Arbeitnehmer eine Rolle, dass staatliche Leistungen eher schlechter, dafür aber immer teurer werden.

Normalverdiener nicht wertgeschätzt

Hier ein Fall eines jungen Fachlageristen aus Frankfurt/M, der vertraglich 45 Stunden die Woche in einem kleinen Betrieb für Baustoffe arbeitet. Mir liegt seine Gehaltsabrechnung für den Dezember 2025 vor. Er erhält einen Stundenlohn von 15,50 Euro, was im Dezember 2025 etwa 20 Prozent mehr als der Mindestlohn je Stunde waren. Für die 198 Stunden, die er im Dezember arbeitet hat, erhält er 3069 Euro brutto. Davon zahlt er 313,58 Lohnsteuer, 28,22 Kirchensteuer und weiter 654,47 Euro für die Sozialversicherungen. Netto verbleiben dem jungen Mann also 2072,73 Euro.
Das ist zunächst ganz erheblich mehr, als die 563 €, die eine Alleinstehende im Bürgergeld-im Grundsicherungsbezug hat. Zu beachten ist aber, dass der Bezieher sozialer Leistungen von zahlreichen weiteren Wohltaten profitiert. Die wichtigste wäre eine Wohnung, die zum Beispiel in Frankfurt am Main für 45 Quadratmeter, die ihm zustehen, etwa 600 bis 650€ kalt, plus etwa 150€ Nebenkosten, also insgesamt etwa 800 seines Netto-Gehalts Euro wert sind. Die Wohnung wäre in einer sogenannten einfachen Wohnlage, also in eher sozial problematischen Wohnvierteln zu finden. Das Deutschlandticket kostet den Leistungsbeziehern 31,50€ anstatt 63 Euro dem Arbeitnehmer. Zudem hat der Leistungsbezieher Anrecht auf den Frankfurtpass, der den Besuch der Tafel für kostenlose Nahrungsmittel und ebenso kostenlosen Eintritt in zahlreiche öffentliche Kultureinrichtungen ermöglicht. Im Vergleich hat der Arbeitnehmer zwar immer noch ein höheres Einkommen als der Leistungsbezieher, zumindest solange er keine Familie ernähren muss. Für das, was seinen Lebensunterhalt betrifft, arbeitet er allerdings 45 Stunden. Wenn er dann in Rente geht, wird er kaum mehr haben als Jemand, der nie gearbeitet hat.
Ein Beispiel von vielen: Für den Frankfurter Palmengarten kostet der Eintritt regulär 9 Euro für Rentner 8 Euro, für den Leistungsbezieher jedoch 0 Euro. Es gibt in Deutschland noch viele, die erheblich weniger als unser Fachlagerist verdienen. Für jene gibt es dann kaum einen Einkommensunterschied zu Leistungsbeziehern.

Die Sozialversicherung mindern die geringen Einkommen bis zur Armutsgrenze

Wenn für die Sozialversicherungen immer höhere Beiträge eingezahlt werden müssen und anstehende Kürzungen von Leistungen zu erwarten sind, schwindet das Verständnis für hohe Sozialleistungen an abgelehnte Asylbewerber und Flüchtlinge, in deren Herkunftsländern kein Krieg mehr herrscht. Es ist politisch nicht mehr zu vermitteln, warum diese Menschen fast die gleichen Leistungen erhalten wie Bürger, die hier geboren sind und oftmals bereits in die sozialen Sicherungssysteme eingezahlt haben. Es entsteht in weiten Bevölkerungskreisen daher der Eindruck, Leistung und die Einzahlung in die Sozialsysteme würden sich so nicht mehr lohnen. Das dürfte ein Grund sein, warum die AFD bei Arbeitern so viel Zuspruch findet.  beliebt ist. Die AFD hat aber nicht nur bei „Arbeitern“ sehr gute Ergebnisse, auch bei jungen Menschen unter 29 Jahre ist sie stark. In Rheinland-Pfalz war sie die stärkste Fraktion in dieser Alterskohorte. Dazu passt, dass sich 20 % der jungen Leute in Deutschland vorstellen können auszuwandern, weil sie hier keine ausreichenden Perspektiven sehe. So die Studie der Universität Potsdam mit 2012 Befragten zwischen 14 und 29 Jahren und damit repräsentativ.

Zeitenwende auch auf dem Arbeitsmarkt

Die Zeitenwende gibt es nicht nur politisch und militärisch, es gibt sie auch auf dem Arbeitsmarkt und in den Sozialversicherungen. Die nächsten Jahre sinkt das Erwerbspersonenpotential Deutschlands um 7 Millionen Berufstätige. Es ist völlig unklar, wie diese Situation gemeistert werden kann, zumal ähnliche Probleme auch die anderen industrialisierten Länder haben. Es fehlt dafür die Zuwanderung qualifizierte Fachkräfte, die den Rückgang ausgleicht. Im besten Fall kann künstliche Intelligenz der Wirtschaft helfen, diese Herausforderung zu meistern. Schon jetzt hat Deutschland die älteste Arbeitnehmerschaft im alternden Europa. Dieser Trend wird sich eher noch verstetigen. Seit den Pestepidemien gab es keine im Mittelalter und den Konfessionskriegen ging das Erwerbspersonenpotential derartig zurück wie in diesen Jahren. Eine Umkehr dieses Prozesses ist nicht zu erwarten, weil die Geburtenrate sich seit Jahrzehnten nicht mehr erholt. Die heutigen jungen Arbeitnehmer müssen also damit rechnen, sehr lange arbeiten zu müssen und richten ihr Leben danach aus. Die work-life-balance muss für diese Generationen eine andere sein, als bei den Baby- Boomern. Es ist heute daher durchaus üblich , ein paar Monate Pause zu machen oder die Arbeitszeit zu reduzieren. Auch zugewanderte Arbeitskräfte aus dem Ausland haben oftmals andere Vorstellungen von ihrem Arbeitsleben und können mit dem deutschen Sozialversicherungssystem weniger anfangen, zumal die Sozialversicherungen davon leben, dass nicht jede gesetzlich erlaubte Möglichkeit auch genutzt wird. Die Politik scheint auf diese Entwicklungen nicht vorbereitet zu sein. Das führt zu Unsicherheit in der Bevölkerung und der AFD weitere Wähler zu.

Zuwanderung gelingt, Straftäter bestimmen die Berichterstattung

Die effektivsten Wahlhelfer der AFD sind Islamisten und Alleinreisende junge Männer aus Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten. Die NZZ vom 5.4.2026 zitiert Studien, wonach knapp zwei Drittel dieser jungen Männer straffällig werden. Den Kulturwandel sieht man unter anderem in Freibädern und sogar in eher langweiligen Thermalbädern, die früher eher Rentnern vorbehalten waren. Immer öfter müssen hier Sicherheitsdienste eingesetzt und Ausweiskontrollen an den Eingängen durchgeführt werden. In viele Freibäder in Südbaden gehen heutzutage kaum noch ethnische Deutsche, sondern fast ausschließlich arabisch stämmige Franzosen. Die Deutschen gehen da lieber an die Baggerseen oder zu Seen im Schwarzwald. Schweizer, Österreicher, Norweger und Dänen sind auch Ausländer, spielen aber in diesen. Diskussionen keine Rolle. Ebenfalls wenig oder fast nichts hört man auch von Vietnamesen, Filipinos und indischen Krankenschwestern oder IT-Fachleuten, auch nicht von Iranern, die vor dem Mullah Regime geflohen sind. Generell nutzen Frauen, auch aus muslimischen Ländern, die Möglichkeiten in Deutschland besser, als Männer.
Sehr auffällig sind vor allem Alleinreisende junge, muslimische Männer aus Nordafrika, Syrien und Afghanistan. Sie sind für einen großen Teil der Gewaltkriminalität und Anschläge auf öffentliche Veranstaltungen verantwortlich. Schwerbewachte Weihnachtsmärkte und Straßenfeste sind schwer zu ertragen und eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, die von der Politik adressiert werden sollte, bevor Populisten daraus noch mehr Kapital schlagen. Durch eine ständige Berichterstattung privater und öffentlicher Medien über Clan Aktivitäten und Messerstechereien verfestigt sich der Eindruck eines Kontrollverlustes, der kaum noch rückgängig gemacht werden kann. Zumindest nicht mit den Mitteln, die die etablierte Politik anbieten will. Um es der AFD und noch weiter rechts orientierten Parteien nicht so einfach zu machen, sollten die Verdienste der meisten Zuwanderer besser herausgestellt werden. Straftäter und abgelehnte Asylbewerber müssen schneller abgeschoben und keinesfalls mit den üblichen Sozialleistung versorgt werden.

Link: AfD – Wie andere Parteien sie stark machen

 

 

 

 

 


Kategorie: Analysiert

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