Der Londonern Bürgermeister Sadiq Khan warnt wegen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz im Bankensektor vor einer neuen Ära der Massenarbeitslosigkeit, während andere Kommentatoren davon ausgehen, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz eher schon vorhandene Prozesse verstärkt und die KI nur als Vorwand dient, unliebsame Arbeitskräfte loszuwerden.
Künstliche Intelligenz verändert Arbeit
Der Übergang von der Suchmaschine zu einem Portal für künstliche Intelligenz ist ein gewaltiger Fortschritt, der viele Suchprozesse stark vereinfacht und auch viele Arbeitsplätze überflüssig machen wird. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Übergang, der mit bekannten Mustern von industriellen Innovationen vergleichbar ist Einige Arbeit fällt weg und neue Arbeitsgebiete entstehen. Einige Sektoren werden stärker betroffen sein als andere. Für die Geschwindigkeit dieses Wandlungsprozesses gibt es aber keine historischen Muster. Genaue Aussagen über die weitere Entwicklung lassen sich daher nicht seriös formulieren, auch wenn dies versucht wird, wie etwa Sadiq Khan, der Londoner Bürgermeister, der in der Zeitung The Guardian am 16.1.2026 davon ausgeht, dass sich bis 2030 70 Prozent aller Anforderungen eines normalen Arbeitsverhältnisses durch den Einsatz von KI werden haben. In ganz Großbritannien würden 3 Millionen Arbeitsverhältnisse wegfallen, vor allem im Bankensektor wie auch in der Verwaltung, im Handel und im Bedienen von Maschinen. Das prognostiziert die National Foundation for educational research in einer Untersuchung vom November 2025, die ebenfalls vom Guardian zitiert wird.
Der US-amerikanische Softwareentwickler Anthropic, der hinter dem Claude Catbot steht, sieht in Zukunft menschliche Kollaboration und Bewertung der Suchergebnisse als unverzichtbar für wissensbasierte Tätigkeiten an.
Datensicherheit und deren Überprüfung ist unabdingbar
Einig ist man sich darin, dass die Ergebnisse künstlicher Intelligenz nur so gut sein können wie die Daten, die sie zur Verfügung gestellt bekommt. Datensicherheit und Datenqualität werden immer wichtiger und teurer werden. Sie werden Möglichkeiten für viele neue Berufsfelder eröffnen. Gerade bei Bankgeschäften wird die Datenqualität und die Haftung dafür immer wichtiger werden, es geht nun mal um viel Geld. Schon bisher waren Datenmängel selbst in der Wissenschaft ein großes Problem. Man erinnere sich an die „optimale Staatsschuldenquote von 80 Prozent“, die ein bekannter Wissenschaftler errechnet haben wollte. Die Berechnung war leider völlig falsch, weil eine Formel in Excel falsch gesetzt wurde. Sie wurde unter anderem von einem britischen Finanzminister ohne Korrektur als Argument verwendet. Ein anderes, prominentes Beispiel war die angebliche Reichhaltigkeit an Eisen im Spinat. Hier ist einem Wissenschaftler ein Komma verrutscht. Das kann passieren, hat aber fatale Folgen. Datenqualität wird in einer immer komplexeren Welt.
Neben der Inputkontrolle für künstliche Intelligenz wird aber auch die Ouput-Kontrolle, also die Bewertung der Ergebnisse durch Menschen, wichtig bleiben. Noch kommt die künstliche Intelligenz allzu oft zu Ergebnissen, die nicht sinnvoll verwendet werden können. In vielen Bereichen kann daher die Suche und das Zusammenfassen von Daten durch künstliche Intelligenz unterstützt werden, aber die logische Zuordnung und die Bewertung von Zusammenhängen müssen bis auf weiteres Menschen leisten. Auch Schutz vor kriminellen Machenschaften bei der Datenverwendung wird ein wichtiges Feld, auch für neue Berufe, werden. Man denke nur an Fake News, Identitätsklau oder gar die unsäglichen, KI induzierten Nacktfotos mancher Plattformen.
Nicht alle Sektoren werden gleich betroffen sein
Wie immer, wenn völlig neue Technologien in der Wirtschaft eingesetzt werden, kommt es zu großen Umwälzungen. Das war schon bei der Einführung der Dampfmaschine, des Elektromotors und der Computertechnologie gesehen hat. Einige Bereiche werden durch künstliche Intelligenz kaum betroffen sein, wie etwa Handwerk, Landwirtschaft, Sicherheit, Pflege und sonstige Dienstleistungen an Menschen. Hier wird es wohl unterstützende Softwareprodukte, etwa zur Diagnose geben, aber die Tätigkeiten werden nicht komplett ersetzt.
Selbst im Banksektor muss es nicht so sein, dass mittelfristig die Zahl der Arbeitsplätze stark abnehmen wird. Die Einführung von Personalcomputern hat in den achtziger Jahren viel Arbeit von Menschen ersetzt, aber die Nachfrage nach Bank- und Finanzdienstleistungen hat durch viele neue Produkte und größere Resonanz bei den Kunden deutlich zugenommen, sodass die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor, entgegen allen Prognosen, noch gestiegen ist. Kein Stein bleibt auf dem anderen, bei Programmierern, Dolmetschern und Grafikern werden Arbeitsplätze überflüssig und damit wegfallen.
Generell gilt auch, dass Geld, dass aufgrund des Produktivitätsfortschritts zu fallenden Preisen für bestimmte Produkte führt. Dieses Geld kann für Reisen, Kultur und Freizeitgestaltung ausgegeben werden und damit Arbeitsplätze schafft.
Die Demographische Entwicklung macht Produktivitätsfortschritte nötig
In der Diskussion um künstliche Intelligenz wird kaum angesprochen, ob die alternde Weltbevölkerung ohne KI und die durch ermöglichte höherer Produktivität überhaupt noch Wohlstand für alle oder zumindest für Viele bereitstellen kann. Die demographische Krise ist keine hypothetische Zukunftsgefahr mehr - sie ist bereits Realität. China, Japan, Korea und Deutschland schrumpfen bereits. Die USA wachsen bei einer Geburtenrate von 1,6 Kinder je Frau nur noch durch Migration. Auch in den restlichen Industrieländern, der Türkei, selbst in Südamerika und in manchen Ländern Afrikas sieht es mittlerweile nicht anders aus. Das Arbeitskräftepotential für qualifizierte Tätigkeiten wird weltweit deutlich abnehmen, in Deutschland in den nächsten 15 Jahren um 7 Millionen fehlende Arbeitskräfte. Die Anzahl der zu versorgenden Alten wird dagegen wird zunehmen. Das ist eine Herausforderung, die ohne deutlichen Produktivitätsfortschritt nicht zu bewältigen ist. Selbst wenn qualifizierte Arbeitskräfte zuwandern, wird die Entwicklung nur etwas abgemildert.
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