Wirklich neu an der Implementierung künstlicher Intelligenz in die Wirtschaft wird die Geschwindigkeit sein, mit der dies geschieht
Der Übergang von Suchmaschinen zu einem Portal für kkünstliche Intelligenz ist ein gewaltiger Fortschritt, der viele Suchprozesse sehr stark vereinfacht und bald sehr viele Arbeitsplätze überflüssig machen wird. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Übergang, der mit bekannten Mustern von industriellen Innovationen übereinstimmt: Einige Arbeit fällt weg, und neue Arbeitsgebiete entstehen. Einige Sektoren werden stärker betroffen sein als andere. Für die Geschwindigkeit dieses Wandlungsprozesses gibt es aber keine historischen Muster. Es ist schwierig, genau vorherzusagen, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, glaubt, dass bis 2030 70 % der Arbeitsanforderungen aufgrund von KI verändert werden. In ganz Großbritannien würden 3 Millionen Arbeitsverhältnisse wegfallen, vorrangig im Banksektor, aber auch in der Verwaltung, im Handel und im Bedienen von Maschinen, so die National Foundation „For Educational Research“ in einer Untersuchung vom November 2025, die ebenfalls von The Guardian zitiert wird. Der US-amerikanische Softwareentwickler Anthropic hingegen, der hinter dem Claude Catbot steht, sieht aber auch in Zukunft menschliche Kollaboration und Bewertung der Suchergebnisse als unverzichtbar für wissensbasierte Tätigkeiten an.
Datensicherheit und deren Überprüfung sind unabdingbar
Einig ist man sich auch darin, dass die Ergebnisse künstlicher Intelligenz nur so gut sein können, wie die Daten, die sie zur Verfügung gestellt bekommt. Datensicherheit und Datenqualität werden immer wichtiger und teurer werden und wohl auch Möglichkeiten für viele neue Berufsfelder eröffnen. Gerade bei Bankgeschäften werden die Datenqualität und die Haftung dafür immer wichtiger – es geht nun mal um sehr viel Geld. Schon bisher waren Datenmängel selbst in der Wissenschaft ein großes Problem. Man erinnere sich nur an die „optimale Staatsschuldenquote von 80 Prozent“, die ein bekannter Wissenschaftler errechnet haben wollte. Die Berechnung war leider vollkommen falsch, weil eine Formel in Excel falsch gesetzt wurde. Sie wurde aber unter anderem von einem britischen Finanzminister als Argument in politischen Diskussionen erwähnt. Ein anderes, prominentes Beispiel war die angebliche Reichhaltigkeit an Eisen von Spinat. Hier ist einem Wissenschaftler ein Komma verrutscht. Das kann passieren, hat aber fatale Folgen. Datenqualität würde also in einer immer komplexeren Welt essenziell werden.
Neben der Inputkontrolle für künstliche Intelligenz wird aber auch die Outputkontrolle, also die Bewertung der Ergebnisse durch Menschen, für unabsehbare Zeit wichtig bleiben. Noch kommt die künstliche Intelligenz allzu oft zu Ergebnissen, die nicht sinnvoll verwendet werden können. In vielen Bereichen kann daher die Suche und das Zusammenfassen von Daten durch künstliche Intelligenz unterstützt werden, aber die logische Zuordnung und die Bewertung von Zusammenhängen müssen bis auf Weiteres Menschen leisten.
Auch Schutz vor kriminellen Machenschaften bei der Datenverwendung und beim Datengebrauch wird ein wichtiges Feld, auch für neue Berufe, werden. Man denke nur an Fake News, Identitätsklau oder gar die unsäglichen, KI‑induzierten Nacktfotos mancher Plattformen.
Nicht alle Sektoren werden gleich betroffen sein
Wie immer, wenn gänzlich neue Technologien in der Wirtschaft eingesetzt werden, kommt es zu großen Umwälzungen, wie man sie schon bei der Einführung der Dampfmaschine, des Motors und der Computertechnologie gesehen hat. Einige Bereiche werden durch künstliche Intelligenz kaum betroffen sein, wie Handwerk, Landwirtschaft, Logistik, Sicherheit, Pflege und sonstige Dienstleistungen an Menschen. Hier wird es wohl unterstützende Softwareprodukte, etwa zur Diagnose, geben, aber die Tätigkeiten werden nicht komplett ersetzt.
Selbst im Banksektor muss es nicht so sein, dass mittelfristig die Zahl der Arbeitsplätze stark abnehmen wird. In den Achtzigerjahren wurde viel Arbeit von Menschen durch die Einführung von Personal Computern ersetzt. Allerdings hat die Nachfrage nach Bank- und Finanzdienstleistungen aufgrund vieler neuer Produkte und einer größeren Kundenreaktion stark zugenommen. Daher ist die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor trotz aller Vorhersagen noch gestiegen. Kein Stein auf dem anderen bleibt wohlbei Programmierern, Dolmetschern und Grafikern. Hier werden massenhaft Arbeitsplätze überflüssig werden und wegfallen.
Bei der Einführung von KI wird gespartes Geld durch Produktivitätsfortschritt in der Wirtschaft für Tourismus und Freizeitgestaltung ausgegeben, was die Nachfrage und Arbeitsplätze erhöht.
Die demografische Entwicklung macht Produktivitätsfortschritte nötig
Ein Aspekt, der in der Diskussion um künstliche Intelligenz kaum angesprochen wird, ist die Frage, ob die alternde Weltbevölkerung ohne KI und höhere Produktivität überhaupt noch Wohlstand für alle oder zumindest für viele bereitstellen kann. Die demografische Krise ist keine hypothetische Zukunftsgefahr mehr – sie ist bereits Realität. China, Japan, Korea und Deutschland schrumpfen bereits. Die USA wachsen bei einer Geburtenrate von 1,6 Kindern je Frau nur noch durch Migration. Auch in den restlichen Industrieländern, der Türkei, selbst in Südamerika und in manchen Ländern Afrikas sieht es mittlerweile nicht anders aus. Das Arbeitskräftepotential für qualifizierte Tätigkeiten wird weltweit extrem abnehmen, in Deutschland in den nächsten 15 Jahren um 7 Millionen. Die Anzahl der zu versorgenden Alten wird zunehmen. Das ist eine Aufgabe, die ohne deutlichen Produktivitätsfortschritt nicht zu lösen sein wird, selbst wenn qualifizierte Arbeitskräfte zuwandern und die Entwicklung etwas abmildern.
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