Der Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles Index und der Morningstar IOR US Catholic Principles Index umfassen jeweils 50 mittelgroße und große börsennotierte Unternehmen. Entwickelt wurden die Benchmarks in Zusammenarbeit mit dem US-Datenanbieter Morningstar.
Die ETFs sollen Investitionen in Unternehmen ermöglichen, die anerkannten katholischen Kriterien genügen
Giovanni Boscia, Chief Financial Officer und Leiter Asset Management der IOR betonte: „Benchmarks, die nach katholischen Ethikkriterien konstruiert sind, ermöglichen es uns, unsere Performance-Bewertungs- und Berichtsprozesse noch rigoroser und transparenter zu gestalten.“ Die Indizes seien als weltweite Referenz für katholische Investments konzipiert. Die Indizes sollen als Referenz für Performance-Messung und Reporting von Vermögen dienen, das gemäß der katholischen Soziallehre verwaltet wird, erklärte die IOR in einer Mitteilung. Der Zeitpunkt der Auflage der ETF (Exchange Traded Funds – börsengehandelte Aktienfonds) ist allerdings eher ungünstig, da ethisch motivierte Anlagen zurzeit weniger gefragt sind, als noch vor wenigen Jahren. Das hängt auch mit der allgemein schwierigeren ökonomischen Lage zusammen, die Kundeneher auf höhere Renditen achten lässt. Investitionen in ethisch orientierte Fonds sind immer mit höheren Gebühren verbunden, da eine Auswahl nach ethischen Werten notwendig wird, die entsprechende Informationen über die Firmen und deren Verflechtungen mit anderen Marktteilnehmern erfordert. Diese Informationen sind oftmals schwer herauszufinden und entsprechend teuer.
Markt für Anlagen in ETFs wächst rasant
Aufgrund der weltweiten Krise der Sozialsysteme, gerade im alternden Europa, wächst die Nachfrage nach Anlagen auf dem Kapitalmarkt rasant. ETFs ermöglichen hier,relativ kostengünstig, mit Gebühren von in der Regel deutlich weniger als einem Prozent im Jahr, Zugang zu einer Vielzahl interessanter Unternehmen und auch Volkswirtschaften auf der ganzen Welt zu haben. Langfristig waren bisher immer gute Renditen zu erreichen, die einen beträchtlichen Vermögensaufbau ermöglichen, der für den Ruhestand verwandt werden kann. Der Markt könnte bis Ende der Zwanzigerjahre auf etwa 30 Billionen US-Dollar anwachsen.
Die 1.300.000 Katholiken weltweit sind hier auch eine interessante Zielgruppe, denn zumindest in Westeuropa und Nordamerika gibt es viele Kirchenmitglieder, die Altersvorsorge betreiben müssen und nach entsprechenden Anlagemöglichkeiten suchen. Die Vatikanbank gibt an, den Menschen eine Richtschnur für ethisch motiviertes Investieren nach katholischen Grundsätzen zu ermöglichen. Ob dies der Fall ist und auch durch die Auflage von eigenen ETFs gemacht werden sollte, darüber kann man sich trefflich streiten. Zumindest steht die Vermutung im Raum, dass die Vatikanbank einfach gerne ein größeres Stück von dem zu verteilenden Kuchen auf dem Markt für Kapitalanlagen haben möchte.
Greenwashing, schlechte Datenqualität und andere Probleme
Man muss keine schlechten Absichten unterstellen, um Bedenken gegen die Auflage von kirchlich unterstützten Publikumsfonds zu haben. Zunächst ist das Sammeln und Bewerten von Daten und Informationen sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Die Rendite von ethisch motivierten ETFs wird also immer hinter den ETFs zurückbleiben, die allgemeine Indizes, wie den DAX oder den MSCI Welt nachbilden, ohne einzelne Bestandteile gesondert zu bewerten. Die geringere Rendite wird dann oft mit dem Anbieter in Verbindung gebracht, was zu allerlei Mutmaßungen und Unterstellungen führen wird.
Zudem gibt es oft sogenanntes Greenwashing. Das heißt,Firmen deklarieren nachhaltige Ziele, erfüllen diese aber kaum, oder nur oberflächlich. Es ist dann juristisch schwer zu fassen, ob solche Ziele verbindlich sind oder einfach nur Absichten darstellen, die nicht eingehalten werden müssen. Informationen, ob die Ziele erreicht werden, sind oftmals nur sehr schwer zu prüfen. Datenqualität, Alter der Daten und Vollständigkeit der Informationen sind hier definitiv ein ernst zu nehmendes Thema. In der Regel gibt es auch Diskussionen, wie solche Ziele im Bereich Umwelt, soziale Standards und Unternehmensführung überhaupt quantifiziert und gemessen werden können. Es wird daher immer Diskussionen darüber geben, welche Firmen zur Aufnahme in diese ETFs überhaupt geeignet sind und wie ein Index, an welchem sich die ETFs orientieren, gebildet werden soll. Zurzeit sind Firmen wie META, Amazon, Deutsche Telekom und ASLM Holding in den Indizes enthalten, wobei zumindest bei Amazon und META immer wieder Marktmacht- und Datenschutzdebatten geführt werden.
Die Vatikanbank versucht, diese Probleme zu umgehen, indem sie mit der bekannten und renommierten Firma Morning Star zusammenarbeitet. Allerdings hat auch Morning dieselben Probleme, valide Daten und Bewertungen von Firmen zu beschaffen, und wird ihre Dienste gewiss nicht kostenlos anbieten. Das wird zu einer relativ hohen Kostenbelastung der ETF führen und deren Rendite schmälern. Zudem werden Diskussionen über die Zusammensetzung der Indizes und Probleme der ETFs immer auf die Vatikanbank und damit auf die Kirche zurückwirken. Ob sich der Aufwand und die Risiken, die mit einer solchen Fondsauflage verbunden sind, lohnen, wird sich weisen müssen.
Ulrich Lehmann
Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!