Foto: Kellepics bei Pixabay

Der Tod setzt dem Bösen Grenzen

Mit dem Krieg in der Ukraine ist uns das Böse sehr viel näher gekommen. Es zwingt uns in die Auseinandersetzung. Die Kartage zeigen an einer Person, was aus dem Bösen wird, wenn es tut, was es lange schon vorhatte. Es gibt Parallelen mit der Ukraine, aber auch die Frage, warum das Gute den Tod seiner Protagonisten fordert.

Das Böse richtet sich nicht nur gegen diejenigen, die es zum Feind erklärt, sondern auch gegen sich selbst. Jedoch können seine Taten nicht deshalb erzählt werden, als wären die Probleme gelöst. Es gibt keine Mittel, keinen geistigen Impfstoff, der es ganz zurückdrängen könnte. Auch die christliche Religion ist kein sicheres Bollwerk. Ihr oberster russischer Vertreter heizt den Krieg sogar gegen die eigenen Gläubigen an. Ist Kyrill dem Hohenpriester vergleichbar, der Jesus für todeswürdig erklärt hat?

Das Böse trumpft auf

Wir scheinen dem Bösen unterlegen und müssen uns mit Waffen ausrüsten, um es in Schach zu halten. Die Diskussionen zum Ukrainekrieg bleiben dann auch bei den Waffenlieferungen stehen. Die Drohung mit einem Atomschlag begrenzen die Möglichkeiten, eine Entscheidung durch den massiven Einsatz von Panzern und Raketen herbeizuführen. Aber gibt es tatsächlich nur Waffen? Was ist mit dem Tod. Warum hält die Drohung die jungen Ukrainer nicht davon ab, das Risiko in Kauf nehmen, zu sterben. Und welche Perspektiven ergeben sich aus dem Prozess gegen Jesus und seiner Hinrichtung, sich nicht dem Bösen zu unterwerfen. Wo findet es seine Grenzen??
Die Geschehnisse vor bald 2.000 Jahren, es soll um das Jahr 33 gewesen sein, fokussieren einen Menschen, über den andere das Todesurteil sprechen konnten. Oder er hätte sich der Autorität des Hohenpriesters unterworfen. Nichts Anderes wollte der russische Staatschef mit Unterstützung seines Hohenpriesters von dem ukrainischen Präsidenten. Auch in dieser Auseinandersetzung kann der eine den Tod verfügen. Wer sich nicht unterwirft, setzt sein Leben aufs Spiel. Das deutet darauf hin, dass es um etwas geht, das wichtiger ist als das Leben. Zugleich wird an dem Prozess Jesu deutlich, dass der Mächtige in eine Zwangslage kommt.

Wer den Tod androht, muss ihn verhängen

Ob in dem Versuch, die Ukraine zu unterwerfen oder vor 2.000 Jahren die Autorität des Hohen Rates wiederherzustellen, die Machthaber drohen erst einmal nur mit dem Tod. Unterwirft sich der Bedrohte nicht, setzt er den Anderen unter Druck, seine Drohung wahr zu machen. Damit bringt er den Machthaber an seine Grenze. Weil dieser nicht überzeugen kann, muss er töten. Der Hohe Priester hat mit dem Todesurteil die geistige Autorität des Hohen Rates so geschwächt, dass viele Juden sich dem Messias angeschlossen haben. Jesus hatte einen Neuen Bund bei dem Paschamahl installiert und damit den bis dahin einzigen, von Moses mit Gott geschlossenen Bund, relativiert. Da der Prediger aus Galiläa den Posten des Hohenpriesters nicht angestrebt hatte, ermöglichte er Kaiphas, ihn vor Gericht zu zitieren. Hätte Jesus den Posten des Hohenpriesters angestrebt und hätte Kaiphas ihm sogar Platz gemacht, dann hätte Jesus den Bund, den Moses geschlossen hat, erneuern können. Dazu war die jüdische Oberschicht nicht bereit. Jesus hat deshalb eine neue Gemeinschaft gegründet, 12 Apostel für die 12 Stämme Israels eingesetzt und Petrus zum Hohenpriester gemacht. Er hat jedoch nicht wie Mohammad ein politisches Reich gegründet, nicht gegen den Römischen Kaiser rebelliert und auch nicht gegen Herodes. Das Gremium der Zwölf Apostel war allerdings eine Konkurrenz zum Hohen Rat des jüdischen Volkes. Übertragen auf den Ukrainekrieg, wie immer er ausgeht, intellektuell muss Russland mit der Idee einer anderen Staatsform zurechtkommen. Wie immer in der Geschichte wird die Idee siegen, die mehr Menschen überzeugt.

Es gibt zum russischen System eine Alternative

Im Ukrainekrieg geht es auch um etwas Neues. Die Ukrainer sagen, dass eine Unterwerfung für sie die Rückkehr zum Stalinismus bedeuten würde. Das wird durch russische Stimmen bestätigt. Diese sagen, dass Putin mit seinem Hohen Rat die demokratische Entwicklung in der Ukraine als Gefährdung seiner Machstellung ausschalten will. Das ist keine neue Konstellation. Schon seit dem 16. Jahrhundert hat die damals entstehende Ukraine eine andere politische Idee als Moskau. Hier gilt der Zar als alleiniger Herrscher bis heute als Garant für den Zusammenhalt und die militärische Stärke, während die Ukraine von den Kosaken in Form des Hetmanats als Kollektiv mit einem gewählten und wieder absetzbaren Führer, dem Hetmann, gegründet wurde. Wie die Ukraine das Herrschaftssystem Putins infrage stellt, hat auch Jesus die Machtphilosophie des jüdischen Gremiums unterminiert, indem er dessen Gesetzeskompetenz fraglich gemacht hat. Diese stützte sich auf den Tempel als den einzigen Kultort. Jesus hat ausdrücklich erklärt, dass Gott von jedem Ort aus angebetet werden kann. Das ermöglichte dem Christentum eine Verbreitung über alle damals genutzten Handelswege, Mit der Zerstörung des Tempels übernahm auch das Judentum dieses Konzept, aber die Christen hatten die bessere Theologie für ihre Präsenz wo immer es „Anbeter Gottes“ gibt. In Jerusalem hat Jesus dann noch den Schriftgelehrten die Kompetenz abgesprochen, den Sinn der von Moses niedergelegten Gesetze zu verstehen und ihnen damit abgesprochen, im Namen Gottes sprechen zu können. Er hat jedoch die bestehenden Gesetze nicht wie andere Revolutionäre außer Kraft gesetzt, so dass das Christentum nicht wie der Islam oder das Sowjetsystem aus einem militärischen Sieg hervorgegangen ist. Da die Jünger den Tod Jesu nicht gerächt haben, entwickelte sich die neue Glaubensgemeinschaft nicht aus einer Anarchie heraus, sondern verstand sich als Neuen Weg. Das Bisherige wurde ohne Militäreinsatz entmachtet, das Gute behielt man, nicht zuletzt die Fähigkeit, theologisch zu denken. Auch das anders als der Islam. Weil der Hohe Rat der Katholischen Kirche in Deutschland, der sich als Synodalen Weg bezeichnete, die Institution retten will, ohne mit einer neuen theologischen Idee zu überzeugen, ist diese Kirche eher der jüdischen Oberschicht vergleichbar. Sie muss sich deshalb gegen das Armutsideal des Papstes stellen, weil das Kirchensystem, das sich die deutschen Katholiken in den siebziger Jahren gegeben haben, nur mit viel mehr Geld aufrechterhalten werden kann als den meisten anderen Kirchen in der Welt zur Verfügung steht.

Die Bestimmungsmacht, jemanden hinzurichten oder zu vergiften, entmachtet sich selbst

Aus der Bibel der Juden beweisen die Christen, dass Jesus der den Juden verheißene Messias ist. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Jahwe einen Messias schickt, sondern nur, wie man ihn identifizieren kann. Im Nachhinein zeigt sich, dass Jesus einen neuen Weg zu Gott erschlossen hat, dem Viele folgen. Hätte Kaiphas den Prediger aus Galiläa nicht hinrichten lassen, wäre das Judentum zu einer Weltreligion geworden.
Dasselbe brockt sich Putin ein. Die Ukraine hat zwar keinen Lehrer so wie Südafrika Nelson Mandela, jedoch haben die Ukrainer eine Vorstellung, wie sie ihr Land gestalten, während Russland wie die meisten ehemaligen Sowjetrepubliken ohne eine neue Idee dahindümpelt und sich durch Korruption lähmt. Zudem bringt Putins Hoher Rat sein Geld ins Ausland, lässt es in den vom Westen gesteuerten Geldströmen fließen. Dann sind plötzlich die Yachten konfisziert und die Milliarden für die Nord-Stream 2 verrotten auf dem Meeresgrund. Anders die Ukraine, sie gewinnt nicht nur inneren Zusammenhalt und Staatsbewusstsein, sondern wird auch zum Gegenmodell zu Russland. Früher hörten die Ukrainer russische Unterhaltungsmusik, sprachen zu einem großen Teil Russisch und waren mit dem Nachbarland wirtschaftlich eng verflochten. Während die US-Musik in vielen dieser Länder weiter zu hören ist, verschwindet russische zuerst aus den ukrainischen Kanälen, sicher auch aus denen anderer, bisher von der russischen Kultur geprägten Ländern. Wenn die jungen Menschen dieser Länder sich international auf Englisch verständigen, hat Russland nachhaltig den Krieg verloren. Und warum sollen junge Menschen sich für ein Land entscheiden, das eine ehemalige Sowjetrepublik so zerstört und dazu noch den Krieg so dilettantisch organisiert. Die gut Ausgebildeten, es sind Hunderttausende, die ein neues Russland bauen könnten, haben ihr Land verlassen und arbeiten inzwischen für den Westen.

Aber der Einsatz der Ukraine ist hoch. Für eine wirklich postsowjetische kulturelle und politische Gesellschaft und ein dieser Gesellschaft dienender Staat sterben viele Ukrainer. Was rechtfertigt ihren Tod? Hinrichtungen besiegen keine Idee, auch Drohnen und Raketen nicht. Aber ist das Alles. Dieser Frage ist in einem weiteren Beitrag nachzugehen. Es wird sich wohl zeigen: Sterben macht nur Sinn, wenn die Werte, die das Sterben rechtfertigen, nicht dem Abrieb der Zeit unterworfen sind.

Hier zum Beitrag: Was rechtfertigt den Tod der Soldaten
Karfreitag – das Theodizeeproblem des Christentums
Weitere Beiträge über Das Böse


Kategorie: Verstehen

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang