Religion: Pro und Contra Krieg

Die Kriege in der Rus und im Nahen Osten sind religiös stark eingefärbt. Wir treten in eine neue Phase der Religionsgeschichte ein: Kann Krieg religiös geboten sein oder ist er von Gott nicht gewollt? Auch unter den christlichen Konfessionen gibt es Pro und Contra.

Christen sind anders getrennt als durch die Reformation

Persien, die USA, Russland, Israel - es wirken religiöse Motive in ihren Kriegen. Anders der Papst, er hat eindeutig Stellung bezogen und die Bischöfe, auch der USA, auf seiner Seite. Das war nicht immer so. Er spricht allerdings nicht für die gesamte Christenheit. Der Verteidigungsminister der USA, ein bekennender Christ, nennt sich Kriegsminister. Sozusagen im Auftrag Gottes müssen die Christen die widergöttlichen Mächte besiegen. Auch will Gott, dass die USA auf der Welt bestimmen. Denn die christlichen Religionsflüchtlinge des 17.Jahrhunderts waren keine Asylanten, sondern sind aufgebrochen, um eine Neue Welt zu bauen. Die Verachtung Europas durch Regierungsmitglieder heute hat hier ihre Wurzeln. Europa ist verrottet, Gott ist mit den Pilgrim Fathers nach Amerika weitergezogen. Zu diesem neuen Staatenbund gehören auch Kanada und die lateinamerikanischen Länder. Wenn die USA ihren Unabhängigkeitstag feiern, dann doch die Trennung von Europa. Dass wird ihnen zu teuer geworden sind, kann man sogar verstehen.

Religion bedeutet immer noch Land zu besitzen

Mit Israel ist auch Jahwe in ein gelobtes Land gezogen. Dieses musste erobert werden. David, der große Held, hat den Zwölfstämmebund konsolidiert, indem er die Philister u.a. Feinde besiegt hat. Auch hat er sein Königreich mit den Siegen ausgeweitet. Warum ist das heute nicht mehr Gottes Wille?
Es ist auf jeden Fall Allahs Wille. Der Gründer war ein Kämpfer, seine Nachfolger wurden zu Eroberern. Es ist zuerst ein religiöses Ziel, dass die Scharia gilt. Es wird zu einem politischen, weil der Staat die Mittel hat, um einem Gesetz Geltung zu verschaffen. Schon Mohammed war in Medina und dann in Mekka der politische Führer und über viele Generationen hinweg der regierende Kalif. Kalifat heißt bis heute, dass der religiöse Führer auch der politische ist. Im Iran hat sich gezeigt, dass man dieses Konzept nicht einfach wegbomben kann. 
Solange Religion mit Herrschaft über Land verbunden ist, bleibt sie kriegsbereit. Solange der Vatikan ein Staat war, musste der Papst bei einer größeren Macht Schutz suchen und damit Partei gegen andere Staaten ergreifen. Solange die Orthodoxe Kirche das Gebiet, welches die Wikinger “die Rus” nannten, unter einem Patriarchen zusammengehalten hat, konnte das Großfürstentum Moskau diesen Raum politisch besetzen. Ein Zar, ein Patriarch. Indem der Patriarch in diesen Jahren für den Zaren Partei ergreift, löst er die eine Kirche der beiden Russlands und der Ukraine auf. 

Jesus wollte kein politisches Amt

Weil der Papst inzwischen Jesus auch darin nachfolgt, dass er zur Durchsetzung seiner Botschaft keinen politischen Posten anstrebt, kann er glaubwürdig den Frieden als Idee Gottes predigen. Auch nur dann können die Christen damit rechnen, dass sie in ihrem Staat Bürgerrechtler genießen. Das setzt auch voraus, dass die Bischöfe sich als Bürger ihres Landes und nicht als Agenten eines Kolonial- oder Wirtschaftsmacht verstehen. Der Papst kann für die Christen nichts Besseres tun, als für den Frieden einzutreten. Das ist glücklicherweise keine Utopie geblieben.


Kategorie: Verstehen

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