Vor dem Bahnhof von Dijon, Foto: hinsehen.net-E.B.

heimatlos

Das meiste Hab und Gut, das Flüchtlinge und Migranten zurücklassen, kann wieder erworben werden. Für immer aber bleibt etwas Einzigartiges zurück: die Heimat, der Ort, die Gegend, in der man in die Welt gekommen ist, in der man bleibende, lebenslang wirkende Erlebnisse und Erfahrungen gemacht hat,

            Heimatlos 

Wir ohne Heimat irren so verloren
und sinnlos durch der Fremde Labyrinth. 
Die Eingebornen plaudern vor den Toren
vertraut im abendlichen Sommerwind.

Er macht den Fenstervorhang flüchtig wehen 
und läßt uns in die lang entbehrte Ruh
des sichren Friedens einer Stube sehen 
und schließt sie vor uns grausam wieder zu.

Die herrenlosen Katzen in den Gassen,
die Bettler, nächtigen im nassen Gras,
sind nicht so ausgestoßen und verlassen
wie jeder, der ein Heimatglück besaß.

und hat es ohne Schuld verloren 
und irrt jetzt durch der Fremde Labyrinth.
Die Eingebornen träumen vor den Toren
und wissen nicht, daß wir ihr Schatten sind.

Max Herrmann-Neiße

Wer die Heimat verlassen muss, wird heimatlos, wird orientierungslos. „heimarlos”, wohl dem Höhepunkt der deutschen Exil-Lyrik - mit der Warnung an die Beheimateten „daß es ihnen auch einmal so ergehen könnte“.


Kategorie: Entdecken

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