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Der Geist der größeren Weite

Die ganze Welt auf einem kleinen Bildschirm. Fast jede technische Entwicklung, die Wahl einer Regierung, ein Waffengang wirken sich auf fast alle Länder aus. Das Spektrum der Möglichkeiten ist enorm. Wie steuert man sein Lebensschiff durch diese vernetzte Welt? Indem man den guen Geist heraushört

Mir ist sehr viel möglich. Denn ich bin in entscheidenden Fragen nicht vorherbestimmt. Die Zivilisation, die der Mensch entwickelt hat, ermöglicht für viele, Bildung und Ausbildung sowie Berufs- wie Partnerwahl. Je mehr Möglichkeiten, desto größer das Spektrum, in dem Freiheit sich verwirklichen kann. Inzwischen ist die Zahl der Möglichkeiten so groß, dass ich sie mit dem Verstand nicht mehr alle erfassen kann. Die Ausgangssituation hat sich entscheidend verändert. Es gibt nicht mehr wie vor 80 Jahren nur eine Sicht auf das Leben, die in einer Region oder einem Land von allen geteilt wird. Jetzt stehen auch alle Religionen und Weltanschauungen zur Auswahl. Sie alle legen mir einen anderen Kurs durch das Leben nahe. Eine globalisierte Welt bringt viele Religionen und Weltanschauungen ins Gespräch und auf den Bildschirm. Noch schwieriger ist es, das Lebensschiff durch die Umbrüche zu steuern. Das war früher einfacher, als es noch keine Weltwirtschaftskrisen und keine Weltkriege gab und ein Krieg auf einem Kontinent kaum eine Auswirkung auf das Leben hier hatte. Die vielen Ideen und Weltdeutungen bleiben nicht einfach nebeneinander liegen.

Die Dynamik ist von verschiedenen Geistern getrieben

Es treffen nicht nur Ereignisse und Entwicklungen jeden Weltbürger, sondern jeweils ein Geist, der sie vorantreibt. Diese „Geister“ verursachen Wellen, die mich einmal in die Richtung treiben und morgen schon in eine andere. Das ist nicht so neu, sondern hat auch in früheren Umbruchszeiten die Orientierung fast unmöglich gemacht. Das gilt nicht zuletzt für die Religionen. Nicht nur unter den Christen hat es immer wieder Spaltungen gegeben. In diesen Jahren ist das neue Thema die Gewalt, nicht nur im Islam, sondern auch zwischen den christlichen Kirchen. Es ist schon ein Fortschritt, dass nicht jede Religion in Kriegen Partei ergreift. Da sich eine Religion einer höheren Macht unterstellt, läuft das Thema Gewalt auf die Frage zu: Befiehlt und erlaubt nicht Gott den Einsatz von Waffen, will er vielleicht sogar, dass diese eingesetzt werden? Damit würde das Ziel eines militärischen Eingreifens zu einem Auftrag Gottes. In diesen Monaten wird die Spaltung unter den Christen deutlich. Deshalb müssen nicht nur die religiösen Führer, sondern jeder sich der Frage stellen, ob Gott tatsächlich befiehlt, andere Menschen in seinem Namen umzubringen. 

An der Frage der Gewalt wird erkennbar, dass es Kriterien gibt, Religionen, Konfessionen, Weltanschauungen zu unterscheiden. Dafür braucht es erst einmal nicht Beweise, inwieweit die inhaltlichen Aussagen akzeptiert werden können oder müssen. Es sind Kriterien, die sich aus Beobachtungen des Weltlaufs ableiten. Weitere können für die Urteilsfindung herangezogen werden.

Globalisierung und Geist

Wir gehören zu den Säugetieren und hier unter die Gattung der Affen. Von allen Arten sind wir die Einzige, die sich über die ganze Erde ausgebreitet hat, von den Eis- bis zu den Sandwüsten. Die Epoche, in der die Menschen sich nur in begrenzten Gebieten, niedergelassen haben, ist durch die Globalisierung abgelöst. Mit Flugzeug und Internet sind inzwischen alle Orte miteinander verknüpft. Das erfordert globales Denken und einen Geist, der jeder Pflanze, jedem Tier jedem Volk einen Platz einräumt.

Globalisierung gilt auch für die Religionen

Es kann sein, dass die Religion ihre Gläubigen im Kleinen festhält, anstatt sie auf das Umfassendere einzustimmen. Das ist aber die eigentliche Aufgabe der Religion. Sie soll mich in das Größere führen, damit ich mich als Teil des Umfassenden fühle. Dass ich nicht im Klein-Klein stecken bleibe, sondern spüre, dass ich in dem Größeren willkommen bin. Das leisten auch Musik, Theater, Film und Fotographie und die intensive Begegnung mit der Natur. Deshalb gehören alle Bereiche zusammen. Ich bin bereits Teilhaber an diesem Größeren, wenn ich jetzt schon zuhöre, lese, anschaue, an religiösen Riten teilnehme, über die größeren Zusammenhänge nachdenke. Ich kann dann auch meine Tätigkeiten und mein Engagement in diesen größeren Rahmen stellen. Ich musste mich im Konkreten bewähren, habe zugleich aber durch meinen Einsatz dem Gemeinwohl gedient. Aus diesem Größeren zu leben, nennen wir Weisheit. Das bestimmt sogar das Beten. Ich kann für meine Gesundheit, meine Angehörigen, meinen Erfolg bitten, aber auch für die Anliegen anderer, für ein gelingendes Zusammenleben, für Frieden. 

Kreativität - befreit für die Zukunft

Das Weltall und noch mehr das Leben sind auf Entwicklung angelegt. Je größer der Horizont, der sich mir eröffnet, desto mehr Möglichkeiten. Wenn Schöpfung als Evolution verstanden wird, dann gibt es keinen Grund, in dem zu bleiben, was erreicht ist. Neues ist möglich und notwendig. Notwendig ist ein kreativer Neuanfang, wenn ein Krieg oder eine Überschwemmung Vieles zerstört hat. Kreativität ist gefragt, denn das Neue sollte besser konstruiert und gebaut sein als das, was zerstört wurde. Auch das Zerstörerische erfordert Kreativität, um es zu überwinden und die Ideen zu entwickeln, nicht nur wiederherzustellen, sondern Neues zu entwickeln. Eine Religion, die sich der Gestaltung der Zukunft entzieht, versperrt sich auch dem Geist Gottes, der nach vorne drängt.

Die Freiheit ist eine Kraft

Sie drängt mich, die Welt zu erkunden, etwas zu gestalten, für meinen Lebensweg die Richtung zu wählen. Sie bleibt erst einmal nur eine treibende Kraft. Das, was sie erkunden und entscheiden will, muss ich zuerst suchen. Ansonsten übernehme ich das, was mir vorgegeben wird. Wenn ich meine Freiheit nicht nutze, ermögliche ich Anderen, mich für ihr Interesse einzuspannen. Deshalb ist die Freiheit mit Kraft ausgestattet, das Eigene nicht nur wollen, sondern es auch in die Tat umsetzen zu können, z.B. eine Ausbildung, ein Studium mit allen Hindernissen und Prüfungen zu absolvieren. Bildung vergrößert das Spektrum der möglichen Berufs- und Lebenswege. Weil wir durch die Zeit begrenzt werden und uns nur für wenige Felder die notwendige Kompetenz aneignen können, werden wir zu Entscheidungen gedrängt. Je mehr ich von der Welt verstanden haben, je gründlicher ich meine Beobachtungen und Erfahrungen ausgewertet und durchdacht habe, desto stärker werde ich in meiner Freiheit. Die Vernunft sagt mir, auch im Blick auf den Tod zu entscheiden, nämlich wo ich am Ende meiner Tage ankommen will. Nicht in Angst, sondern in dem Bewusstsein, dass ich mit dem, wofür ich meine Zeit aufgewendet habe, zu einer Person geworden bin. Denn im Sterben kann ich nur den mitnehmen, der ich geworden bin.

zukunftsorientiert

Das Weltall ist auf Entwicklung angelegt, wir sind eine Stufe dieses Prozesses. Auch wir als Personen sind auf Entwicklung angelegt. Diese Entwicklungsperspektive sehen wir bei den Naturwissenschaften und der aus ihren Erkenntnissen ermöglichten, ebenso in den Entwicklungen der Medizin. Zugleich hat der Mensch Energien entdeckt, mit denen er alles Leben auslöschen kann. Er überlebt nur, wenn er diese Waffe nicht zündet und überhaupt an die Stelle des gegenseitigen Tötens Entwicklung setzt – Bildung, Abbau der Armut, Frieden mit den anderen Lebewesen, Zusammenleben.

Freude
Freude kommt nicht aus uns selbst, sondern von Anderen. Wir müssen uns nur davon berühren lassen. Sie ist dann tiefergehende Freude, wenn sie, wenigstens für eine Zeitspanne das Fragen überflüssig macht. Denn dann erlebe ich mich im Einklang mit allem. Das wird im Vergleich mit Zufriedenheit deutlich. Für diese können wir selber sorgen – wenn wir klug vorgehen, das Notwendige tun, mit Anderen in Frieden leben. Zufriedenheit lässt mich ein ausgeglichenes Leben führen. Für die Freude muss ich mich auf den Weg machen. Vergleichbar dem Bergsteigen kann mir der Gipfel einen grandiosen Ausblick schenken. Die Freude lässt mich die Mühen vergessen. Anders, wenn ich im Regen ankomme. Da bin ich zwar froh, endlich angekommen zu sein. Das ist aber nur ein Anflug von Freude. Wenn ich freudig empfangen werde, weil die Anderen sich Sorgen um mich gemacht haben, schenkt mir das Freude. Auch ich kann anderen Freude bringen. Die Zen-Meditation erwartet die Erfahrung des Ganzen, mit allem verbunden zu sein. Satori wird diese Erfahrung genannt. Sie kann mich erfassen, wenn ich mein Inneres leer meditiert habe.

Die Überlegungen zeigen, dass sich aus den Beobachtungen und Erfahrungen Kriterien entwickeln, die das Leben auf einem produktiven Pfad halten und mir sogar Freude schenken. Bezieht man sie auf die Religionen und Weltanschauungen, dann werden sie diesen in ihrer Praxis nicht wie selbstverständlich gerecht. Das erfordert mein eigenes Urteil. Da jede Weltanschauung Missstände entwickelt und zulässt, führt das zu der Frage, ob fehlende Kreativität, Freudlosigkeit, die Tendenz, Probleme mit Gewalt zu lösen, sich der Entwicklung zu verschließen in der Konzeption angelegt sind. Hieraus folgt ein weiteres Kriterium: Wenn die Konzeption den Kriterien gerecht wird, aber nicht umgesetzt wird, kann die Konzeption nicht stimmen. Auf Jesus geht das Kriterium zurück: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“ Vom Geist Gottes kommt nicht nur die Anregung, sondern auch eine besondere Kraft.

Link:
Der Geist verbindet mit Gott

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Kategorie: Entdecken

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