„Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.“ Selig, nicht „Du musst“. Das “Selig” ist kein leeres Versprechen. Andere wollen dazu gehören, die Schweiz wie die EU mussten die Kantone und Staaten nicht erobern. Ob Vereine, Gewerkschaften, Kirchen- sie müssen nicht mit Zwang arbeiten. Es gilt auch für mich. „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.“ Wenn ich einen Konflikt lösen kann, aus einer alten Feindschaft herausfinde, dann erlebe ich eine neue Leichtigkeit.
Sonntagsreden
Das klingt so einfach. Es ist leicht, das an Sonntagen bei Feiern oder in Predigten zu beschwören. darüber zu sprechen. Die Worte klingen in Festsälen und Kirchen vertraut. Jedoch selbst die Religionen haben die andere Welt des Misstrauens, der Feindschaft, der Gewalt. Die Brudervölkern Russland und Ukraine gehörten derselben Kirche an; ein Patriarch hatte seine erste Kathedrale in Kiew. Als die Mongolen die Stadt 1240 zerstörten, wurde Moskau zum neuen Zentrum der Rus. Ähnlich verhält es sich in Palästina. Muslime und Juden beten gleichermaßen zu dem Gott, der sich Abraham offenbarte. Der Geist, der „Selig sind die Friedensstifter“ verheißt, herrscht auch dort nicht.
Es gibt ein Feld der Waffen
Der Unterschied zwischen den Predigten und dem Feld, welches die Waffen beherrschen, zeigt, dass wir in zwei Welten leben. In der einen werden Altenheime und Kirchen gebaut, in der anderen werden sie zerstört. Es sind die gleichen Menschen, die gleichen Gebäude, verschieden ist der Geist, der in der jeweiligen Welt bestimmt. Denn das „Selig ..“ können wir nicht machen. Ich kann zwar Freien stiften, dass ein „Selig ….“ daraus entspringt, macht der Geist. Denn das Frieden stiften erfordert eine hohe Konzentration. Weil das Risiko besteht, dass der Konflikt sich nur noch verschärft, wenn ich Beide an einen Tisch hole, lassen wir ihn lieber ruhen. Dann genügt allerding nur ein kleiner Vorfall und der Krieg bricht wieder aus. Ausbrechen heißt ja, er war da und wollte wieder aktiv werden. Wir können es täglich beobachten, auch an uns selber.
Der Mechanismus, der die Konflikte am Laufen hält
Im Großen wie im Kleinen ist es der gleiche Mechanismus. Ich werde schlecht behandelt, jemand drängt sich vor, ein anderer bricht eine Vereinbarung, jemand kann mich erpressen und tut es auch. Wenn mir das passiert, ändert sich in mir der Geist. Ich überlege spontan, was ich dagegen tun kann. Das läuft von selbst auf Rachegefühle hinaus. Damit ich die Gefühle aus Enttäuschung, verletzt sein, Wut loswerde, mache ich dann auch das, wohin mich diese Gefühle treiben. Ich rede schlecht von dem Anderen, versuche, „ihm ein Bein zu stellen“, wenn es die Umgebung erlaubt, setze ich Gewalt ein oder übe „Blutrache“. Dann folgt ein Irrtum, der die kleinen und großen Kriege am Laufen hält. Ich denke nämlich, dass das Leben normal weiter geht. Es ist ja jetzt wieder ausgeglichen. Mir wurde etwas angetan, dann dem anderen das zurückgezahlt. Jetzt stimmt die Rechnung wieder und wir können da weitermachen, wo der Krieg angefangen hat. Leider ist es aber nicht so. Denn meine Rache wirkt weiter. Der Andere wird wieder überlegen, wie er mir schaden kann. Das nennen wir dann Erbsünde. Wir sind in diese Gefühlswelt hineingeboren und n Zukunft jedes Kind, das geboren wird. Das fing schon mit den Söhnen von Adam und Eva an. Wer kennt es nicht aus seiner Familie. Es entsteht leicht das Gefühl, benachteiligt zu sein. Der Andere wird mehr geliebt als ich, sie ist attraktiver als ich, er bekommt bessere Noten als ich. Das Gefühl, benachteiligt zu sein, kann ein ganzes Leben lang zwischen Geschwistern bestehen bleiben. Und zwischen Ländern: Ist nicht die Ukraine das geliebte Kind des Westens und Russland der böse Bube. Nicht umsonst sagt der Machthaber, dass Russland gegen die NATO kämpft. Weil wir aus diesem Gegeneinander nicht herauskommen, gibt es wohl das Fegfeuer, damit diese Gefühle verbrannt werden. Ein Konfliktgespräch ist ja auch wie ein Fegfeuer. Sonst würden wir ja eines führen, denn wir wissen eigentlich, dass wie nachher das „Selig“ fühlen werden.
Ein Schritt mehr ist notwendig
Ich kann mich noch so sehr anstrengen, so wie Kain. Abel ist charmanter, er hat Glück im Leben. Eine höhere Macht verwehrt mir den Erfolg. Ich muss das Leben so akzeptieren, wie es ist, sonst werde ich wie Kain handeln. Dann kommt Jesus und sagt: „Selig seid ihr, wenn ihr vergeben könnt, wenn ihr nicht nach Rache trachtet, wenn ihr den Alkoholiker nicht abschreibt, wenn ihr dem Sohn, der bei einer Prüfung durchgefallen ist, eure Liebe nicht entzieht.“
Jesus sagt nicht: Ihr müsst verzeihen. Denn das Müssen funktioniert nicht. Ich selbst bin es, der sich dazu durchgerungen hat. Weil ich nicht beim Anderen neue Rachegefühle auslösen will. Friede entsteht nicht durch Befehl.
Diesen Frieden gibt es, wenn ich in die Region des Geistes überwechsle, der mich befähigt, auf Gewalt zu verzichten. Denn erst dieser Geist, der Geist Gottes, lässt mich verstehen, warum ich selig werde, wenn ich mich nicht räche. Der Andere wird damit noch nicht einfach selig. Er muss anerkennen, dass mich das Verzeihen einiges gekostet hat. Wenn er das für selbstverständlich erachtet, dann wird er nicht aufhören, andere klein zu machen, damit er groß erscheint. Die Bergpredigt braucht einen Geist, damit sie erst einmal verstanden wird. Papst Leo spricht von einem „unbewaffneten und entwaffnenden“ Frieden. Er zitiert Augustinus „Wenn ihr andere zum Frieden führen wollt, möget ihr ihn erst selbst in euch haben und in ihm gefestigt sein. Um andere zu entflammen, muss sein Licht in euch brennen.“
De Bergpredigt findet sich bei Matthäus Kap. 5
Leo XIV. zum Weltfriedenstag 1.1.2026
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