Ukraine Schwarzmeerküste Foto: hinsehen.net E.B.

Abschied

Abschied – um zu fliehen oder ein besseres Leben zu finden. Abschied von Geflüchteten und Migranten. Es ist eine existenzielle Erfahrung.

                  Abschied

Wo werd ich heute in einer Woche sein?
Werde ich hungern, werde ich frieren?
In der fremden Stadt in den Hurenquartieren
Wein trinken bei rotem Ampelschein?

Wird ein Grammophon mir die Melodie,
die uns gestern so beglückte, bescheren?
Werd ich sehnsuchtskrank nach dir mich verzehren,
meine Hand auf der Dirne nacktem Knie?

Streift ein Regen von fremden Häusern das Kleid,
daß sie uns bekannten Häusern gleichen?
Macht mich zum Clown ein Klingelzeichen:
ich scherze, zerrieben von Herzeleid.

Wo wirst du heut in einer Woche sein?
Wirst du hungern, wirst du frieren?
Du denkst an mich; fürchtest, mich zu verlieren.
Du bist allein. Ich bin allein.

Max Herrmann- Neiße fragt in seinem Gedicht “Abschied” sehr konkret, wo er in einer Woche sein wird und stellt dazu Vermutungen an. Ebenso fragt er danach, wie es der Geliebten in einer Woche gehen wird. Er benennt das Fazit: “Du bist allein. Ich bin allein”
Trostloser Abschied, trostloser Schluß einer Liebe. Ende.

Mit diesem Gedicht bezieht er sich auf das Gedicht “WO?” von Heinrich Heine, Er kannte dessen Gedichte in- und auswendig, weil er in seinen lyrischen Anfängen seinen Gedichten immer Verse von Heine vorangestellt hat, Heine aber findet einen anderen Schluss:

“Wo wird einst des Wandermüden  
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?
Werd ich wo in einer Wüste,
eingeschaltet von fremder Hand
oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?
Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir”.


Kategorie: Entdecken

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