St. Moritz Augsburg, Foto: hinsehen.net E.B.

Ostern heißt „leiblich“

Was wird aus unserem Körper? In einer körperbetonten Kultur mit Fitnessstudios, Schönheitssalons, Kliniken und Sportwettkämpfen eine naheliegende Frage. Verspricht Ostern eine leibliche Weiterexistenz?

Unser Körper zeigt uns, dass er da ist. Je älter wir werden, desto mehr spüren wir ihn und sitzen deshalb viele Stunden in Wartezimmern. Er ist nur für eine begrenzte Zeitspanne konstruiert. Dann, so die Christen, soll es einen neuen Zustand geben. Aber spricht der Tod nicht eine andere Sprache?

Der Mensch ist Geist in Körper

Bereits unsere germanischen Vorfahren waren körperorientiert, aber nur bis zum Tod. Der Mensch lebte in ihren Augen nicht in einer anderen Welt weiter, sondern nur im Gedächtnis der Menschen. Kriegshelden konnten sicher sein, dass sie nicht vergessen werden. Als die christlichen Missionare von einem Leben nach dem Tod sprachen, war das wohl ein Grund, die christliche Deutung des Menschen zu übernehmen. Wenn es eine leibliche Auferstehung gibt, dann muss es einen neuen Körper geben. Denn der Mensch ist da, wo sein Körper ist. Deshalb fahren wir ja zu Geburtstagsfeiern, wenn uns das Geburtstagskind wichtig ist. Damit wir in der himmlischen Existenz, also in der anderen Wirklichkeit, in die wir hinübergehen, wiedererkannt werden können, braucht es wohl einen Leib. Oder trifft die asiatische Vorstellung zu, dass wir in einem Nirwana aufgehen und damit unsere Personsein verlieren? 

Person ist Leib und Seele

Die Christen wurden mit einer Vorstellung vom Menschen konfrontiert, als ihre Missionare die jüdisch geprägte Kultur verließen, um die Botschaft von der leiblichen Auferstehung des Messias in die Welt zu tragen. Die von den Griechen entwickelte Vorstellung setzte den Geist, also die Seele, an die erste Stelle. Sie sah den Leib als Gefängnis der Seele. Der Körper verunklart den Geist, der mit dem Tod in die Helligkeit des himmlischen Lichtes zurückkehrt. Diese Vorstellung wurde sogar von christlichen Theologen auf Jesus übertragen. Er ist an Ostern aus der Verstrickung des Körperlichen in die Klarheit des Göttlichen zurückgekehrt. Denn derjenige, der mit Jesus angeredet wurde, sei nur der Körper des göttlichen Sohnes gewesen, der keine menschliche Seele hat. Der Körper Jesu wäre dann nur eine Verkleidung des göttlichen Sohnes. Diese griechische Sicht liegt sogar näher als die einer Auferstehung des Leibes. Denn je gebrechlicher der Mensch wird, desto mehr wird der Körper zu einer Last. Die griechische Vorstellung wurde von den Christen insofern aufgegriffen, als sie ebenso die Seele an die erste Stelle setzten, jedoch weiterentwickelten.

Der Leib Jesu bleibt entscheidend

Die griechische Sicht des Menschen war nicht mit dem Sterben Jesu und seinem durch Qualen aufgezwungenen Tod, vereinbar. Wenn der Körper keine Bedeutung hat, dann auch nicht die Hinrichtung Jesu. Es gilt eine andere Erwartung. Denn wenn der Körper so zugerichtet wurde, dann muss er rehabilitiert werden. Deshalb ist die Auferstehung Jesu nicht die Loslösung der Seele vom Körper, sondern die Fortführung seiner leiblichen Existenz in einem neuen, nicht mehr quälbaren Körper. Nicht nur seine Jünger und die Frauen erkannten ihn mit ihren Augen, als er am Osterabend zu seinen verschreckten Anhängern kam.

Begegnung mit Verstorbenen

Eine solche Begegnung wird nicht von Jesus allein berichtet. Angehörige, denen ihre verstorbenen Verwandten begegnet sind, konnten diese überhaupt nur wiedererkennen, weil diese ihnen leibhaftig begegneten. Der Neurochirurg Eben Alexander beschreibt die Begegnung mit einer Frau, die ihn, als er im Koma lag, in einer anderen Wirklichkeit empfing. Erst später erfuhr er, dass er seiner leiblichen Schwester begegnet war. Er hatte sie nicht kennenlernen können, weil er in einer anderen Familie aufgewachsen war. Erst nach seiner schweren Erkrankung hatte er Kontakt zu seinen Geschwistern gesucht. Auf einem Foto, das ihm die andere Schwester gesandt hatte, erkannte er die Frau wieder, die er im Koma gesehen hatte. Diese Erfahrungen setzen keine intensive Religiosität voraus. Ich habe inzwischen 10 Menschen getroffen, die eine Nahtoderfahrung hatten oder Verstorbenen begegnet sind. Die wenigsten waren vorher fromm gewesen.   

Die Person stirbt nicht, wenn ihr Körper zerfällt

Person, also das, was wir als „Ich“ erfahren, meint das, was Körper und Geist zusammenführt. Wir haben eine Seele und einen Körper. Bei den Griechen waren Seele und Person identisch. Wenn Jesus sowohl Mensch wie Sohn Gottes ist, muss man von zwei Subjekten sprechen. Das wurde unter dem Stichwort “Zwei Söhne” verhandelt. Der Sohn Marias und der Sohn des himmlischen Vaters. Weil man Jesus nicht als eine Multiple Persönlichkeit erkennen konnte, wurde deutlich, dass er ganz Mensch und ganz Gottes Sohn in einer Person ist, „unvermischt” und zugleich „ungetrennt”, wie es das Konzil von Chalcedon 451 nach vielen Diskussionen formulierte. Mit der Vorstellung unserer Person, die Leib und Seele „hat“, sagen wir, wenn wir vom Sterben  sprechen, “ich muss sterben” und nicht, “ich vergehe”. 

Unser Ich ist nicht nur Teil des Gehirns

Eine Erkenntnis der Hirnforschung weist darauf hin, dass dieses Ich anders zu sehen ist als z.B. unsere Sprachfähigkeit. Es gibt nämlich keine Hirnregion, in der das Ich-Bewusstsein lokalisiert werden kann, so wie z.B. das Langzeitgedächtnis in den Schläfenlappen. Das wird meist als Manko erklärt, weil dieses Ich-Bewusstsein wie eine Illusion erscheint. Es würde für unser, von den Naturwissenschaften geprägtes Denken erst real, wenn es in bestimmten Neuronen lokalisiert werden kann. Es ist aber da, sogar nachts in den Träumen bin ich der Beobachtende und Handelnde. Wenn es jedoch nicht von einzelnen Neuronen hergestellt wird, muss es auch nicht erlöschen, wenn die Neuronen zerfallen. Darauf deuten auch die Berichte von Menschen hin, die von oben auf ihren Körper blickten, der auf dem Operationstisch liegt. Diese Erfahrungen sind erst einmal nur Hinweise. Ein Bericht eines Arztes mit einer Nahtoderfahrung beinhaltet etwas, das für andere überprüfbar wurde, also keine Halluzination war. Er war als Jugendlicher mit seinem Moped unter einen Lastwagen geraten. Als er wiederbelebt war, hielt man Ausschau nach dem Moped. Es war vom Unfallort aus nicht zu sehen. Der Wiederbelebte konnte sagen, dass es in einem Graben liegt, weil er es von oben gesehen hatte. Das schwebende Ich kann ohne seinen Körper sehen. Es muss allerdings etwas Körperliches haben, wenn es Gegenstände wahrnehmen kann. Es spricht also mehr dafür, dass wir als Person mit einem Körper weiter existieren als dagegen. 


Kategorie: Analysiert

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