Unser Immunsystem gegen das Böses kann wie das gegen die Viren gestärkt werden. Dafür ist jedes Jahr die Fastenzeit vorgesehen. Sie muss nicht vor Ostern liegen und auch nicht 6 Wochen dauern. Meist werden wir unerwartet hineingestoßen. Ich wurde betrogen. ich wurde verlassen, gemobbt, ein Krieg bricht aus. Ich muss sehen, wie ich überlebe, ohne zu verzweifeln.
Das Immunsystem der Seele
- Mein seelisches Immunsystem sind zuerst die Menschen, mit denen ich mein Leben teile. Kann ich mich auf sie verlassen? Sind sie in der Lage, unter großem äußeren Druck an mir festzuhalten?
- Mein Beziehungsnetz ist dann nicht belastbar, wenn ein Konflikt schwelt. Ein solcher wirkt wie eine Entzündung, die über Wochen und Monate in mir arbeitet. Jesus sagt mit seiner realistischen Einschätzung auf die Frage, wievielmal ich dem Anderen verzeihen muss: siebenmal siebzigmal.
- Eine weitere Schwächung meines seelischen Immunsystems ist ein zu großer Verbrauch. Körperlich sind es Essen und Trinken. Auch meine Seele wird kraftlos, wenn ich für mich zu viel beanspruche, zu viel Lob und Anerkennung, zu viel Erfolg, zu viel Macht.
- Um nicht vom Bösen angefressen zu werden, helfen seelische Vitamine, umsichtig sein, mitbekommen, wie es den Anderen geht, die Wogen glätten, wenn ein Streit eskaliert.
Es gibt noch ein weiteres Feld, das mich zu Bösem drängen kann: Meine Stärken haben eine Rückseite:
Die Schattenseite in mir
Ich kann mich nicht nur körperlich ruinieren. Wenn ich den Anderen immer voraussein will, überfordert das nicht nur mein Gehirn. Suche ich immer nur meinen Vorteil, will niemand mit mir noch etwas zu tun haben. Wenn Geiz mich im Griff hat, werde ich für andere unerträglich. Im Neuen Testament wird eine Haltung nicht nur einmal als besonders abträglich hingestellt: Sich besser einschätzen als die Anderen. Wer sich den Pharisäern zurechnete, ist wohl in diese Falle getappt. Ich kann genauso wie diese zu den falschen Leuten gehören, die es besser wissen, die immer recht haben. Noch abträglicher ist die ständige Kritik. Wenn es mal wirklich schlimm wird, gibt es keine Hoffnung, dass es mal mit dem Schlimmen aufhört, denn es gab ja vorher auch nichts Gutes.
Wir nennen Stolz, Wollust, Geiz und andere Stränge in der Seele ”Laster”. Sie sind tatsächlich Lasten, zuerst einmal nicht für mich, sondern ich bürde mein Verhalten den Anderen auf. Irgendwann werfen sie diese Bürde ab und ich stehe alleine da. Zu den Lastern gibt es eine tröstliche Nachricht: Ich habe nur eines dieser Laster. Die andere Nachricht: Dieser Strang bleibt mir. Denn er ist die Rückseite meiner Stärke. Da ich meine Stärke brauche, um zu überleben, verschwindet die Gefahr nicht, dass in mir etwas zum Laster wird. Deshalb muss ich mit diesem Strang sorgfältig umgehen. Wie es in unserem Körper eine schwache Stele gibt, auch in der Seele. Diese sollte ich genauso wenig peitschen wie die in meinem Körper. Um die Laster bestimmten Stärken zuzuordnen, brauchte es nicht die Psychologie. Eine Charakterologie wurde schon sehr früh in Asien entwickelt. Sie beschreibt neun Muster, die jeweils die Kehrseite einer Stärke zeigen. Zugleich gibt diese Charakterologie für jedes der 9 Muster eine Richtung, wie sich die jeweilige Stärke so ausbalancieren lässt, so dass der Schatten nicht zu dunkel wird. Männer wie Frauen sind in gleicher Weise betroffen, erst das gesellschaftliche Umfeld führt meist dazu, dass Männer mit ihrem Schatten anders umgehen als Frauen.
1. Die Perfektionisten: Wer leicht wütend wird, weil etwas nicht perfekt ist, kann diese Schwäche mindern, indem er auch einmal nachsichtig ist, nicht zuletzt mit sich selbst. und nachsichtig mit sich selbst umgeht.
2. Die Hilfsbereiten: Sie sind zu stolz ist, Hilfe anzunehmen, überwinden ihren Stolz, indem er sich mit sich selbst auseinandersetzt und etwas für sich selbst tut, nicht nur für andere.
3. Die Erfolgreichen haben die Lüge als Laster, denn sie möchten groß rauskommen und Anerkennung finden. Sie überwinden die Neigung zur Lüge, indem sie Anweisungen befolgen und sich an den Werten der Gruppe, des Teams orientieren.
4. Die Individualisten werden neidisch wird. Sie sollten nicht in diesem Gefühl verharren, sondern aktiv werden, Ordnung schaffen und anderen Gutes tun.
5. Die Beobachter sind geizig mit dem, was sie beobachtet und gelesen haben. Wer geizig ist, auch wenn er etwas über sich preisgibt, kann seinen Geiz überwinden, indem er sein Wissen nicht anhäuft, sondern es nutzt und anderen hilft.
6. Die Loyalen tragen Angst als ihren Schatten mit sich. Sie verkriechen sich bei Herausforderungen und warten auf einen Helden. Sie können die Angst überwinden, wenn sie das große Ganze betrachten und selbst etwas beitragen.
7. Die Unterhaltsamen neigen zu Maßlosigkeit und suchen das Vergnügen. Sie können ihren Schatten mäßigen, indem sie sich einer Sache gründlich widmen.
8. Die Bestimmer verbinden mi ihrem Machen und einflussnehmen Lust. Sie sollten sich nicht in Fantasien flüchten oder Videos ansehen. Er verlieren dieses Verlangen, wenn sie Anderen hilfsbereit begegnen und sich für sie interessieren.
9. Die Ausgleichenden wahren Distanz und werden leicht zu Zuschauern. Um ihren Schatten auszugleichen, müssen die aktiv werden, Verantwortung übernehmen und sich zeigen.
Zur Diagnose des Bösen zweigen die 9 Charaktermuster, dass es für jeden dieser Charaktere einen Anknüpfungspunkt gibt, womit Böses sich entwickeln kann. Die Schatten selbst sind nicht böse, sie verführen jedoch dazu, böse zu werden.
Zur weiteren Klärung, was mein Muster sein könnte und wie es funktioniert, gibt es unter dem Stichwort „Enneagramm“ viele Erklärungen und Hinweise im Internet.
Dieser Text ist ohne jede Nutzung eines Chatbots verfasst.
© Eckhard Bieger S.J.
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