Das Grüne Boot braucht ein Segel, vom Pusten allein fährt es nicht. Foto: hinsehen.net E.B.

Die Grünen scheitern an zu viel Moral

Von den Grünen hatten sich deren Wähler erwartet, dass sie wohl überlegt ihre Versprechen umsetzen. Die Wähler der anderen Regierungsparteien waren nicht gegen Ökologie. Warum nach immerhin zwei Jahren das Durcheinander mit dem Heizungsgesetz? Dem guten Willen fehlen die guten Ideen. Wer sich moralisch überlegen fühlt, spart an Gehirnschmalz. Wie fatal das ist, hätten die Grünen an den Kirchen ablesen können.

Wer sich moralisch überlegen fühlt, macht viele Fehler. Die Katholische Kirche hat das ausreichend vorgeführt. Das "Wir sind die Besseren" ist mit der Grund, warum der Missbrauch immer noch wie alter Müll herumliegt und die Menschen um alles, was nach katholisch riecht, einen Bogen machen lässt. Die Grünen haben nicht nur eine ähnliche Überheblichkeit entwickelt, sondern wollten mit dem Veggieday den Verzicht auf Fleisch, wieder einführen. Die Kirchen hatten dafür den Freitag zum Tag mit Fischgerichten durchgesetzt. Das war nicht mehr nur Moral, sondern Lebensstil. Auch anders heizen würde in einen neuen Lebensstil passen, man müsste dafür aber das Segel ausfalten und in den richtigen Wind setzen. Moral erzeugt nur Gegenwind.

Forderungen müssen in den Alltag passen

Wie gut fühlt man sich, wenn man Aszese predigen kann. Man hat es mal wieder gesagt und weiß sich im richtigen Lager. Zum fleischlosen Freitag: Als die Kirchen diesen propagierten, gab es an Wochentagen in den meisten Haushalten kein Fleisch und der Hering war so preisgünstig, dass sich jeder Fisch leisten konnte. Fisch gehörte wie selbstverständlich in den Wochenrhythmus. Die Situation war ganz anders, als die Grünen 2013, einfach so, nicht für CO2-Reduzierung eintraten, sondern für etwas, das als zusätzlicher Verzicht zu erbringen war, donnerstags kein Fleisch. Die Grünen hätten gerne ein Gesetz gemacht. Das wäre auch ohne so einen Hammer gegangen. Die Veganer haben das ohne moralisches Sich-Aufplustern in den modernen Lebensstil integriert, so wie man weiße Turnschuhe trägt. Aber das reicht nicht, es muss auch die Werbung für Zucker verboten werden.

Gesetze zu machen, ist lustvoll

Offensichtlich muss man, wenn man Gesetze machen darf, die Menschen überfordern, indem man die Moralschraube noch eine Umdrehung tiefer in das alltägliche Leben dreht. Noch mehr Grün. Die Katholische Kirche hat das bis zur Enzyklika Humanae Vitae 1968 auf dem Gebiet des Sexuellen gemacht, die Grünen eben bei allem, was grün ist. Die Enzyklika zur Empfängnisregelung hat sehr schöne Worte über Partnerschaft und Familie gefunden, aber das, was das Eheleben vereinfacht hat, die Pille, verboten. Der sexuelle Missbrauch durch die Elitetruppe der Institution hat ihr dann die noch verbliebene Legitimation, Verbindliches über die Gestaltung der Sexualität zu sagen, genommen. Geht es den Grünen mit dem Heizungsgesetz jetzt so wie der Katholischen Kirche mit der Pillenenzyklika? Der Einbruch könnte nicht so empfindlich werden, weil die große Mehrheit im Parlament wie in der Bevölkerung die Notwendigkeit sieht, die bisherige Heizung durch eine neue Technik zu ersetzen.

„Es geht nicht“ durch „es geht“ ersetzen

Wie die Katholische Kirche bei der Pille erklärt hat "geht nicht", so das Heizungsgesetz: "Kein Gas mehr". Aber wie dann? Die Forderung lässt sich leicht als ökologisch geboten mit dem Gefühl formulieren, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Dieses schöne Gefühl ist der Katholischen Kirche in Deutschland genommen. Die Grünen verspielen es gerade.
Könnte man von der viel älteren Kirche lernen, wie es auch anders geht?

  1.       Es wären die handwerklich gut gemachten Sachen, so die Regeln, die der Gründer der Benediktiner nach vielen Versuchen herausgefunden hat und die sogar für Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzende anwendbar sind.
  2. Die Exerzitien des Ignatius von Loyola sind auch nicht einfach ein genialer Wurf, sondern aus vielen Beobachtungen entwickelt. Sie haben neuen Zuspruch nicht durch "Modernisierung" erhalten, sondern durch Zurückgehen auf die von Ignatius gefundene Form. Sie werden wie anfangs heute nicht mehr durch Vorträge vor Gruppen gesteuert, sondern jeder wird einzeln begleitet, so das man nicht mehr von Exerzitienmeistern, sondern von Exerzitienbegleitern spricht. Modern ist allerdings, dass das auch Frauen zugetraut wird.

  3. Die beste Erfindung ist das Kirchenjahr, auch handwerklich schrittweise entwickelt. Alle Themen des Menschen werden durchgegangen, Tod im November, neues Leben an Ostern, Kindheit an Weihnachten, Geist an Pfingsten, die Heiligen repräsentieren die verschiedenen Charaktermuster.

Übertragen auf das Heizungsgesetz hätte der Einbruch vermieden werden können, wenn in den Ländern und Kommunen von grünen Politikern schon länger kleinere Regelungen ausprobiert worden wären. Dann hätte es nicht zwei Jahre Bundesregierung gebraucht, um dann noch kurz vor der Sommerpause das Parlament mit 300 Seiten Regelungen zu befassen. Das Regelbüchlein des Benedikt wie das Exerzitienbüchlein des Ignatius sind so konzentriert verfasst, dass die Abgeordneten sie noch hätten durchlesen können. Über den Inhalt dieser Büchlein muss man keine Gesetze erlassen, sie funktionieren einfach so. In gleicher Weise könnte längst eine CO2-frei Heizungstechnik zum Lebensstil der Deutschen gehören. Politische Kunst wäre es, wenn der SUV nicht mehr chic wäre, sondern die neue Heizung im Keller.


Kategorie: Analysiert

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Zum Seitenanfang