Zurzeit scheint alles gut zu laufen für Herrn Präsident Trump und seine MAGA-Bewegung. Die eingenommenen Zölle haben sich von 2024 auf 2025 um 150 Prozent auf etwa 200 Milliarden US-Dollar erhöht. Auch außenpolitisch scheint es gut zu laufen, für den Gazastreifen gibt es einen Deal, in die Verhandlungen über ein Ende des Ukrainekrieges scheint Bewegung zu kommen und eben erst wurde der Machthaber in Venezuela, Nicolás Maduro, gefangen genommen. Herr Trump, so scheint es, hat es allen ordentlich gezeigt, wer hier auf dieser Welt das Sagen hat.
Die US-Zölle wirken ökonomisch, wie im Lehrbuch beschrieben
Bereits in den ersten Semestern lernt jeder Student der Wirtschaftswissenschaften die Wirkung von Zöllen auf das Warenangebot kennen. Die Zölle wirken wie Steuern, verschieben die Angebotskurve nach „oben“, das heißt, für jede angebotene Menge wird ein höherer Preis fällig. Das Angebot und die Nachfrage nach Waren werden sich in einem neuen Gleichgewicht zu einem höheren Preis und einer geringeren Menge ausgleichen. Das nennt man in den Wirtschaftswissenschaften einen Wohlfahrtsverlust: Die Konsumenten müssen für weniger Waren mehr bezahlen. Diese Entwicklung zeigt auch die Höhe der Inflationsrate in den USA, die hartnäckig zwischen 2,7 und 3 Prozent pendelt. Wobei Konsumenten mit unterschiedlichen Einkommen auch unterschiedlich von der Inflation getroffen werden. Nachdem es bei einigen Wahlen, wie in New York, Niederlagen für Trumps MAGA-Bewegung gab, wurden Zölle auf Orangensaft und Kaffee doch wieder herabgesetzt. Die Entwicklung der Inflation dürfte in den USA aber noch lange nicht abgeschlossen sein. Alte Verträge laufen aus und müssen neu verhandelt werden. Zölle treffen neben Konsumwaren eben auch Vorprodukte, die in Geräten verbaut werden oder als Ausgangsstoffe für andere Produkte nötig sind. Das wird mittelfristig deren Preise in die Höhe treiben.
Zudem werden die Produkte, die aus dem Ausland in die USA importiert werden, noch auf Maschinen produziert, die die Hersteller bereits im Einsatz haben. Das nennt man in der Betriebswirtschaft versunkene Kosten. Solange mit den alten Maschinen noch ein positiver Deckungsbeitrag für diese alten Kosten erwirtschaftet wird, lohnt sich die Produktion noch. Ob Neuinvestitionen sich für die Hersteller noch lohnen, wenn neue Maschinen angeschafft und bezahlt werden müssen, ist eine vollkommen andere Kalkulation und wird sich erst noch zeigen müssen.
Auch die inländischen Hersteller in den USA, die eigentlich einen Vorteil haben sollten, werden wohl zumindest langfristig nicht wirklich glücklich werden. Zum einen sind sie gezwungen, für Vorprodukte und bestimmte Rohstoffe höhere Preise zu zahlen. Zum anderen können nur Unternehmen auf dem Weltmarkt in der gegenwärtigen Wettbewerbssituation gefragte Nischenprodukte produzieren oder ihre Produktion erweitern, ohne dabei höhere Kosten zu tragen. Das nennt man Skalenerträge, eine Verdopplung der Produktion führt beispielsweise nicht zu einer Verdopplung der Kosten. Diesen Effekt können in aller Regel nur riesige Firmen voll ausnutzen, die den gesamten Weltmarkt bespielen.
Die Wirkung der US-Zölle auf den Welthandel ist bedrückend
Eine der schlimmsten Wirkungen der US-Zölle ist die zunehmende Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Wegen der erratischen, gänzlich unberechenbaren Herangehensweise von Herrn Trump und seinem Team kommt es in der Weltwirtschaft regelmäßig zu Turbulenzen und Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Kalkulationen von Unternehmen und auch politische Zielsetzungen in der Wirtschaftspolitik von Staaten oder auch der Europäischen Union werden dadurch enorm erschwert.
Aufgrund niedrigerer Zölle in der Europäischen Union und der damit einhergehenden Möglichkeit, höhere Preise als in den Vereinigten Staaten zu erzielen, lenkt China nunmehr Güter, die ursprünglich für den US-amerikanischen Markt bestimmt waren, in die Europäische Union um. Das sorgt in der europäischen Wirtschaft nun für Probleme, die sich einer verstärkten Konkurrenz von künstlich verbilligten chinesischen Waren ausgesetzt sieht.
Die Zollsätze sagen auch immer etwas über die Macht eines Landes aus. Warum erhöht die EU eigentlich nicht auch ihre Zölle gegenüber den USA?
Der Grund ist hier in der militärischen Abhängigkeit Europas von den Vereinigten Staaten zu suchen. Normalerweise hätte die EU ein besseres Ergebnis in den Verhandlungen über Zölle erzielen müssen, weil auch sie einen großen Wirtschaftsraum bildet und zudem zahlreiche Arbeitsplätze in den USA anbietet. Deutschland etwa hat viele Produktionsstätten mit gut bezahlten Industriejobs in den USA aufgebaut, während viele der Arbeitsplätze, die von US-Firmen in Europa angeboten werden, eher im niedrig bezahlten Dienstleistungsbereich zum Beispiel bei Amazon und McDonald’s zu suchen sind. Auch die Leistungsbilanz mit den USA, die neben Waren auch Dienstleistungen umfasst, ist nahezu ausgeglichen. Solange Europa nicht aus eigener Kraft eine glaubwürdige Verteidigung organisieren kann, muss im wirtschaftlichen Bereich so manche Kröte geschluckt werden.
Leider setzen die USA unter Trump sehr auf kurzfristige Effekte, anstatt längerfristige Entwicklungen genügend zu berücksichtigen. Es wäre durchaus eine Option, wie von der EU und auch dem ehemaligen Trumpberater Musk vorgeschlagen, eine nordatlantische Freihandelszone mit EU und EFTA (Kanada, USA, Mexiko) zu bilden. Das wären über eine Milliarde Menschen und die weltweit mit Abstand größte Wirtschafts- und Wissenschafts- und auch Militärmacht gewesen.
Stattdessen wird wieder die Monroe-Doktrin ausgegraben und von Imperien geredet, die erhebliche Beherrschungskosten verursachen werden. Wenn die USA wirklich Grönland besetzen sollten, wie es derzeit in der Diskussion ist, wird es schwierig zu erklären, warum sich andere Länder an irgendwelche Abkommen und Verträge halten sollten, wenn sie nicht mit Waffengewalt dazu gezwungen werden können. Das sind keine guten Aussichten für die Wirtschaft, die auf Rechtssicherheit angewiesen ist. Ein schlechter Deal für die Welt, auch für die USA.
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