Rotenburg Stadttor Foto: hinsehen.net E.B.

Heilige Kriege

Kriege sind wieder fromm geworden. Es sind nicht mehr Gebietsgewinne für eine überlegene Rasse oder eine Doktrin, die das Paradies herbeizuführen verspricht. Gott selbst schickt seine Truppen in einen heiligen Kampf. Kein massiver Widerspruch der Religionsführer - wenn der Papst und der Patriarch in Istanbul nicht wären.

Es muss ein gutes Gefühl sein, im Namen Gottes den Gegner zu unterwerfen. Man macht nichts falsch, wenn man die slawische Welt vor dem dekadent, von Homosexualität zerfressenen Westen schützt, die Führungsriege eines Staates aus dem Weg räumt, die jetzt erst recht Atombomben produziert, um sich unangreifbar zu machen. Wenn die Unterwerfung mit einem massiven, ersten Angriff nicht gelingt, müssen die eigenen Söhne und Töchter ihr Studium, ihre Ausbildung, oft auch ihre Kinder verlassen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurückzukehren. Könnte dieser Rückschlag nicht beim Moskauer Patriarchen oder den Predigern in den USA zu der Frage führen, warum Gott den Angriff nicht gelingen lässt? Kämpft etwa der Gott der Russen gegen den Gott der NATO. Noch absurder sind die Konfessionskriege, der zwischen Sunniten und Schiiten um die Vorherrschaft im Nahen Osten oder der zwischen dem orthodoxen Russland und der orthodoxen Ukraine. 

Religiöse Agitation verschärft die Kämpfe

So absurd das alles ist, zehntausende Menschen müssen für diese Ideen sterben. So wie in der Zeit der Konfessionskriege verschärft die Religion das gegenseitige Töten. Der Kriegsminister der USA legitimiert den Einsatz seiner Bomber mit dem Ruf „Deus vult“, mit dem Papst Urban II. 1095 die jungen Ritter in den Kreuzzug zur Eroberung Jerusalems schickte. Er gehört zu religiösen Fundamentalisten, deren Vorstellung von einem Krieg besreibt der Amerika-Kenner Godehard Brüntrup S.J. so:

„Es gibt bei den radikalen fundamentalistischen Christen in den USA religiöse Gründe, Israel zu unterstützen. Sie glauben, dass Christus nur zurückkommen kann, wenn vorher die Verheißungen an das Volk Israel erfüllt wurden. Dazu gehört, den von den Römern im Jahr 70 zerstörten Tempel wieder aufzubauen. Auf dem Tempelberg steht allerdings eine muslimische Moschee. Manche Fundamentalisten hoffen, dass sich die Konflikte so weit zuspitzen, bis diese Moschee zerstört wird. Dann kann nach diesem apokalyptischen Glauben Christus zurückkehren und die Endzeit ausbrechen. Das ist ein unreflektiertes, irrationales und philosophisch nicht durch die Aufklärung gegangenes Christentum.“

Warum Gott keine Kriege wollen kann

Eine kurze theologische Reflexion würde die Seligpreisung der Friedensstifter in der Bergpredigt als die grundlegende Botschaft der Religion bestätigen: Wenn Gott den Menschen als Bild seiner Gegenwart geschaffen hat, dann doch nicht dafür, dass er diese Geschöpfe in die gegenseitige Vernichtung schickt. Die Aussage im Schöpfungsbericht „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn“ besagt: Der Mensch wurde der Schöpfung als Staue gegenübergestellt. Männlich und weiblich erschuf er si umbringen. Ist der wunderbare Körper mit seinen Billionen Zellen dafür gemacht, um ihn mit Patronen oder Sprengstoff zu zerstören? 

Erstaunlich ist das Schweigen der religiösen Führer

Einige scheinen einen göttlichen Auftrag für ihre Soldaten zu erkennen. Die meisten werden auf Druck der Kriegsherren den Mund zu halten. Um die Stimme der Religion zu erheben, müssten sie unabhängig, nicht erpressbar sein. Nur der orthodoxe Patriarch Bartholomäus in Istanbul-Konstantinopel und Leo XIV der lateinischen Kirche in Rom können die Lehre Jesu unverfälscht zur Geltung bringen. Zumal die Trennung von Religion und politischem Amt auf Jesus zurückgeht. Er ließ sich nicht zum König krönen, als die Menschen ihn nach der Brotvermehrung auf den Königsthron setzen wollten. Sie konnten eigentlich von dem Messias erwarten, dass er sie wie sein Vorfahre David von den Feinden, konkret von der römischen Besatzungsmacht, befreit. Seine Jünger rechneten bis zum Karfreitag damit, dass sie in seiner Regierung wichtige Posten übertragen bekommen. Dieser Wunsch wird in diesen Tagen reaktiviert. Als die Wahl des Nachfolgers von Papst Franziskus anstand, sagte Donald Tramp: "Ich wäre gerne Papst. Das wäre meine erste Wahl." Da ein anderer Amerikaner gewählt wurde, stilisierte er sich als Messias und erklärte damit, dass der Papst ihm zu gehorchen habe. Dafür musste er nur die Fotomontage des Messias „Trump“ in Umlauf bringen und erklären, er habe die Wahl von Robert Francis Prevost Zum Papst, also seinem Stellvertreter veranlasst.

Dass Religion sich unabhängig von politischen Ämtern erst entfalten kann, zeigen Russland und der Iran. Region mit Politik ist eine toxische Mischung. Die Unabhängigkeit ihres höchsten Patriarchen ist für die Orthodoxen Kirche erst dadurch zustande gekommen, dass die Muslime das byzantinischen Reich erobert und Konstantinopel 1453 eingenommen haben. In dem untergegangenen christlichen Staat stand der Patriarch in voller Abhängigkeit vom Kaiser. Manche, wie Chrysostomos wurden durch politische Intrigen mehrfach ins Exil geschickt. Die Patriarchen der lateinischen Kirche konnten das erst auf einem langen Weg erreichen. 1076 nahm Papst Gregor VII. dem Deutschen Kaiser die Macht, die Bischöfe seines Reiches auszuwählen. Benedikt XV. während des Ersten Weltkriegs verstand sich als una hängiger Friedensvermittler, seine Nachfolger haben sich seitdem keiner der Kriegsparteien solidarisiert. Hoffentlich ist der Weg des Islam kürzer.

Link:
Godehard Brüntrup: Das Ende der päpstlichen Zurückhaltung  


Kategorie: Analysiert

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