Es scheinen fast alle Fluchtwege von Algorithmen bewacht. Ich werde auch meiner Sprachmittel beraubt. Auch kann ich nicht so viel Wissen in meinem Gedächtnis speichern. Selbst wenn es die Kapazität hätte, bräuchte es Jahrhunderte, um Wissen, was über Bibliotheken und Homepages zugänglich ist, aufzunehmen.
Wenn ich höre und lese, wie Professoren die Nutzung ChatGPT in Prüfungen verhindern wollen, scheint mir das sehr kurzsichtig gedacht. Wir stehen erst am Anfang einer neuen Technik. Ob das morgen noch greift, was man heute als die Lösung des Problems darstellt? Es reicht doch ein Knopf im Ohr, der mir vorsagt, was ich auf die Frage eines Prüfers antworten soll. Zudem kennt der Algorithmus die Fragen, die der Professor gewöhnlich stellt. Deshalb müssen die Universitäten Prüfmodelle entwickeln, die ein Chatbot erst gar nicht verstehen kann.
Ich muss auf mein Autoren-Gen vertrauen
Dieses Gen hat mir schon länger eine Spürnase geschenkt, die herausfindet, was es Neues und Interessantes gibt. Es muss auch jetzt eine Spur geben, der ich folgen kann – in zwei Richtungen, nach vorne oder rückwärts. Meist gehe ich nach vorne. Ich will ja etwas recherchieren, einen Gedanken weiterentwickeln, etwas Neues schreiben. Was dabei herauskommen wird, kann ich nur in Umrissen abschätzen. Eine Vorstellung brauche ich auch, wenn ich aufbreche, um jemanden zu treffen. Selbst wenn ich die Person nicht kenne, mache ich mir ein Bild von ihr. Ich habe von ihr gehört, hatte einen ersten Kontakt, zumindest mit der Sekretärin, habe vielleicht ein Foto gesehen und im Internet nachgeschaut. Es ist erst einmal nur ein Umriss, der sich erst in der Begegnung füllt. Es kann keine Seite voraussagen, wie das Treffen verlaufen wird, denn die beiden Personen bauen erst die Wirklichkeit, über die berichtet werden kann. Das ermöglicht Zeitung und Fernsehen, jeden Tag von Konferenzen zu berichten.
Ein Chatbot schaut nicht nach vorne
Die KI geht die Spur zurück. Das Chatbot hat alles gespeichert, was es über Zurückliegendes zu wissen gibt. Wenn ich mit ihm zurückgehe, wende ich mich immer intensiver dem Vergangenem zu, um genauer zu wissen, was passiert ist und was die Motive waren. Einige Berufe haben sich das zur Aufgabe gemacht, sie graben untergangene Städte aus, beschäftigen sich mit Folianten und Inschriften. Weil so Vieles aufgehoben wurde, kann ChatGPT unbegrenzt Altes auswerfen. Es kann mich verführen, der Dynamik ins Zurück zu verfallen. Denn die Spur zurück entwickelt eine eigene Dynamik. Diese zieht mich weiter in die Vergangenheit. Denn es gibt immer ein Vorher, das ich noch kennenlernen müsste. Je mehr ich allerdings über die Vergangenheit weiß, desto weniger Kapazität habe ich für die Zukunft. Denn für den Aufbruch nach vorne brauche ich Energie. Die gewinne ich selten aus der Vergangenheit. Zudem muss ich mich für die Gegenwart interessieren. Denn das Vergangene gibt mir selten die Handlungskompetenz für das, was ich Neues machen kann. Wie ich das bauen, hinbekommen kann, was ich vorhabe und was gebraucht wird, bestimmt die Gegenwart. Diese ist immer eine andere als die Vergangene, denn das, was gemacht, wird, was geschieht, was schiefgelaufen ist, hat die Welt verändert, aus der sich die Chatbots hauptsächlich bedienen. de nächste Generation übernimmt die Welt, die ihre Eltern und Großeltern gestaltet haben. Ich muss jetzt handeln. Dafür brauche ich nicht so viel Wissen aus der Vergangenheit. .
Tugenden sind entscheidender
Um mein Autoren-Gen durch die Chatbots nicht lähmen zu lassen, kommt es nicht zuerst auf Wissen über Vergangenes an. Das kann ich den Algorithmen lassen. Für mein Fachgebiet kann ich mir ein umfassendes Modell bauen, in das ich die einzelnen Informationen einbaue. Ich habe dann nicht nur Einzelheiten im Kopf, sondern ein Überblicksmodell, aus dem ich ganz anders ein Problem wie auch ein Projekt beurteilen kann. Die Algorithmen können einen solchen nur zitieren, nicht selbst errechnen, denn sie “denken” nur von Wort zu Wort.
Womit ich mich unterscheiden kann:
Ich sollte als Autor, Autorin transparent werden, damit ChatGPT mich da nicht überholt, wenn Nutzer wissen wollen, was ich denke, z.B. zu KI denke Der Algorithmus kann auch meine Einstellungen und Zielvorstellungen aus meinen Artikeln herauslesen. Das jedoch in einer Sprache, die das Individuum versachlicht. Das macht die Texte nur mäßig lesenswert. Die Nutzer wollen den Autor kennenlernen, wie er bzw. sie zu ihren Einschätzungen und Analysen gekommen sind. Sie wollen nachvollziehen, was ich online gestellt habe. Deshalb sollte ich mehr aus meiner individuellen Perspektive schreiben und die Leser auf dem Gedankenweg mitnehmen.
Da es nicht um Wissen, sondern um Handeln geht, sind Tugenden, die dem Handeln Orientierung geben hilfreich. Sie gelten für jeden Lebensbereich und machen mich in meiner Autorenschaft unabhängiger. Aus dieser Unabhängigkeit heraus werde ich als Autor, als Autorin interessanter. Schon die Antike hat dafür die vier Kardinaltugenden formuliert.
- Klugheit, die möglichst alle Aspekte berücksichtigt
- Gerechtigkeitssinn, der die Anderen im Blick behält
- Mut, um sich nicht von Bedenkenträgern und Konkurrenten von seinen Überlegungen und Vorhaben abbringen zu lassen., Als vierte hilft
- Mäßigung, das Risiko klein zu halten; Erholungspausen einzulegen, kein Zwölfstundentag, kein überhöhtes Geltungsbedürfnis.
Ein Fünftes ist gefragt: Solidarität, um das Urheberrecht an meinen Texten, Fotos, Vdieos, Kompositionen durchzusetzen. Denn faktisch enteignen uns ChatGPT und die anderen Chatbots. Ohne eine Gewerkschaft, die unsere Interessen durchsetzt, werden wir aus der Umklammerung nicht herauskommen.
Unser Hirn funktioniert anders als ChatGPT, es richtet den Blick nach vorne. Was vorne passieren wird, kann ich nur in Umrissen erahnen. Das finde ich nicht mit einem Blick rückwärts. S. dazu den Beitrag Die Intelligenz von KI – was ist der Unterschied?
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