Was ist Urlaub?

Es ist Sommer, viele machen sich auf, verreisen, fahren in die Ferien, treten eine Urlaubsreise an. Es ist das Bedürfnis, weg vom Alltag zu sein, den Pflichten zu entfliehen. Und auf der anderen Seite ist es die Sehnsucht nach Entspannung und Erholung. Manche wollen etwas erleben oder Fremdes kennenlernen. Dass die Möglichkeit, eine Reise zu machen, Luxus ist, könnte zu der Überlegung führen, diese Zeit für seine Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen.

Thomas Holtbernd

Berufliche Routinen, Zwänge im Alltag, Familienstress und andere normale Widrigkeiten lassen es kaum zu, dass man Zeit findet, an sich zu denken, sein Leben zu überprüfen, eigene Stärken und Schwächen zu bedenken und seine Lebenspotenziale als auch Ziele zu überprüfen. Es ist erstaunlich, wie schnell man nach einem Urlaub wieder in den Alltagtrott gerät. Die ersten Tage nahm man noch wahr, wie unmenschlich oder einfach nur schlecht die Arbeitsatmosphäre oder Arbeitsbedingungen sind. Die Gewohnheiten sind schnell wieder da, der kritische Blick auf sein berufliches Umfeld weicht den täglichen Anforderungen, das Gefühl, in den üblichen Stress geraten zu sein, führt zum Gedanken an den nächsten Urlaub. Die Arbeit wird zur langen Phase zwischen den Urlaubsreisen. Und der Urlaub selbst wird mehr und mehr allein mit Erholung verbunden.

unterwegs zu sich selbst foto: hinsehen.net

Was wäre, wenn?

Die Vorstellung, dass es keine Auszeiten wie den Urlaub geben könnte, ist uns relativ fremd, auch wenn wir wissen, dass sich viele Menschen Reisen nicht leisten können. Das Reisen als Massentourismus ist ein relativ neues Phänomen. Für relativ wenig Geld lassen sich ferne Länder bereisen. Waren vor einigen Jahrzehnten Italien oder Spanien quasi Fernreisen, so sind durch die billigen Flüge weit entfernte Länder in kurzer Zeit zu erreichen. Für viele Urlauber scheint es reizvoll zu sein, all inclusive zu buchen. Es ist für alles gesorgt, man muss sich um nichts kümmern. Man fühlt sich gut, weil man sich diesen Luxus gönnen kann. Der Gedanke daran, dass die finanziellen Möglichkeiten für eine solche Reise mal nicht bestehen könnten, wird verdrängt und die Suche nach Schnäppchen hatte ja gezeigt, wie günstig man ja doch buchen kann. Für viele wäre es eine schreckliche Vorstellung, wenn es nur noch Arbeit und Alltag gäbe.

Nachhaltiges Reisen

Hat man sich klar gemacht, dass Urlaubswünsche häufig und zu großen Teilen das Resultat einer Unzufriedenheit über den beruflichen Alltag und die Stresszustände in unseren Städten sind, müsste man sich fragen, wie man seine Ferien bei einer großen Zufriedenheit planen würde. Der Urlaub wäre keine Belohnung oder Entschädigung für die Last, die man im Allgemeinen zu tragen hat. Das Reisen wäre auch nicht davon geleitet, sich es endlich mal gutgehen zu lassen. Der Urlaub könnte mehr verstanden werden als Möglichkeit, sich durch neue Reize zu entfalten und in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Die Planungen für die Reise wären von anderen Gesichtspunkten geprägt. Ausgangspunkt der Überlegungen wäre nicht der Urlaubsort, sondern eine Selbsterforschung: Wo stehe ich gerade? Welche Potenziale habe ich? In welchen Bereichen möchte ich mich weiterentwickeln? Und welche Aktivitäten oder Orte könnten mir dabei helfen? Der Urlaub wäre dann keine Erholung, obwohl er das auch sein kann, der Urlaub wäre ein Fortschritt in meinem Leben. Rückblickend würde mich keine Trauer ergreifen, weil die schöne Zeit vorbei ist. Da ich mir bewusst gemacht habe, was ich persönlich gewinnen will, kann ich immer auf das schauen, was sich positiv bei mir entwickelt hat. Ich bedaure nicht, dass der Urlaub leider vorbei ist, sondern freue mich darauf, gereifter die Anforderungen des Lebens anpacken zu können. Ein solches Reisen wäre tatsächlich nachhaltig.

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