Trinität, Dreifaltigkeit Gottes und der Islam

Am Sonntag nach Pfingsten feiern die Christen, ob evangelisch oder katholisch den Dreifaltigkeitssonntag, Trinitatis das lateinische Wort. Gott ist einer und lebt doch in drei Personen. Der Islam lehnt diese Vorstellung ab. Wenn Gott, dann muss er einzig sein. Das Drei-Hasen-Fenster im Kreuzgang des Paderborner Dom ist der Versuch einer Darstellung, die Dreizahl und Einheit verbindet.

Eckhard Bieger S.J.

Tatsächlich ist die Dreifaltigkeit erst durch Jesus als Glaubensthema in die Geschichte gekommen. Wir wissen erst davon, seit Jesus seine Beziehung zu Gott zum Ausdruck gebracht hat. Er nennt sich Sohn des Vaters. Deshalb ist das „Vaterunser“ das zentrale Gebet des Christentums geworden, während der Muslim betet: „Allah Akbar – Gott ist der Größte.“ Eigentlich ist die Aussage des Koran viel logischer: „Gott kann nur einer sein.“

Der Islam hat keinen Zugang zur christlichen Gottesverehrung

Für den Islam ist eine solche Gottesvorstellung undenkbar. Gott kann nur einer sein. Deshalb ist die Bestreitung der Tauhid, der Einzigartigkeit Gottes, eine Sünde, die nicht vergeben werden kann.
„Allah vergibt gewiss nicht, dass man Ihm (etwas) beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will. Wer Allah (etwas) beigesellt, der hat fürwahr eine gewaltige Sünde ersonnen.” Sure 4, 48  „Schirk“ ist die Sünde, dass Gott eine seiner Kreaturen beigesellt wird.
Für Muhammed war jede Spekulation über das Wesen Gottes eine Blasphemie. Gott ist der Einzige. Über das Leben in Gott müssen wir schweigen. Von Gott gibt es keine Philosophie und auch keine Theologie, sondern nur die Anbetung: es gibt keine Gottheit außer Gott! Der Koran lehnt jede Vorstellung von Gottessohnschaft ab: In Sure 9 heißt es:
„Die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. Das ist das Wort ihres Mundes. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie irregeleitet!
Sie haben sich ihre Schriftgelehrten und Mönche zu Herren genommen neben Allah und den Messias, den Sohn der Maria. Und doch war ihnen geboten, allein den Einigen Gott anzubeten. Es ist kein Gott außer Ihm. Allzu heilig ist Er für das, was sie (Ihm) zur Seite stellen!“
Sie möchten gern Allahs Licht auslöschen mit ihrem Munde; jedoch Allah will nichts anderes, als Sein Licht vollkommen machen, mag es den Ungläubigen auch zuwider sein.“ Verse 30-31
Der Koran beschuldigt Christen, dass sie in ihre Religion zu weit gehen, dass sie übertreiben und das von Gott sagen, was sie nicht sagen dürfen. Sure 4,171 f nimmt zu Jesus direkt Stellung:
„O Volk der Schrift, übertreibt nicht in eurem Glauben und saget von Allah nichts als die Wahrheit. Der Messias, Jesus, Sohn der Maria, war nur ein Gesandter Allahs und eine frohe Botschaft von Ihm, die Er niedersandte zu Maria, und eine Gnade von Ihm. Glaubet also an Allah und Seine Gesandten, und saget nicht: «Drei.» Lasset ab – ist besser für euch. Allah ist nur ein Einziger Gott. Fern ist es von Seiner Heiligkeit, dass Er einen Sohn haben sollte. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist; und Allah genügt als Beschützer.
Der muslimische Theologe und Mystiker al-Ghazaly, 1058 – 1111 sagt, dass Christen so sehr von  Wiederspiegelung des Göttlichen in Jesus beeindruckt waren, dass sie angefangen haben den Spiegel anzubeten statt das wahre Licht.

Jesus nur Geschöpf – auch eine Position im Christentum 

Wenn die Christen allein der Logik des Monotheismus folgen, dann kommen sie zu demselben Ergebnis wie der Koran. Diese Konsequenz wurde von dem Priester Arius vertreten. Er sagte von Jesus, dass er zwar der Schöpfung vorausgegangen ist, aber nicht Gott gleich, sondern nur als Geschöpf zu sehen ist. Das Konzil von Nicäa hat im Jahr 325 diese Sicht Jesu abgelehnt. Entscheidend ist im letzten das, was Jesus sagt, auch wenn es erst einmal nicht verständlich erscheint. Es hat dann bis zum Konzil von Chalcedon 451 gedauert, bis die Christen einigermaßen verstanden hatten, dass Jesus Mensch ist, mit einer menschlichen Seele, dieser Mensch aber in Person der Sohn Gottes ist.

Die Personen der Dreifaltigkeit, Sohn, Vater und der Geist in Gestalt einer Taube krönen Maria, Foto: hinsehen.net

Gott muss in sich Beziehung sein

Aber kann sich eine Vorstellung von Gott wie die Dreifaltigkeit über Jahrhunderte halten, wenn sie der Vernunft zu widersprechen scheint? Für die Christen war die Erlösung der Angelpunkt, um sich über Jesus als Sohn Gottes klar zu werden. Denn wenn Jesus nur ein Geschöpf wäre, kann er dann wirklich Befreiung von der Schuld bewirken? Das kann doch nur Gott. Deshalb sind die Konzilien bei den Aussagen der Evangelien geblieben: Jesus ist Sohn Gottes. Mit der Herabkunft des Geistes an Pfingsten wurde deutlich, dass Jesus weiter wirksam bleibt und im eucharistischen Mahl wirklich präsent ist. Der Geist als innere Realität der Kirche weist auf Jesus nicht nur als historische Person hin, sondern als den, der da ist und der wirkt. Gott will Beziehung zu den Menschen, im Wirken des Geistes erfährt das jede Generation neu, der Geist lenkt die Glaubenden auf Jesus hin. Es wurde auch langsam deutlich, dass Gott, der in sich Beziehung ist, eher der Schöpfer sein kann.

Philosophische Plausibilität der Dreifaltigkeit

Die Philosophie, die im Glauben der Muslime zuende gedacht, hieße ja, dass außer Gott nichts sein kann. Denn dann wäre Gott nicht alles in allem, das Nicht-Göttliche würde Gott infrage stellen. Aber wie kann dann Anderes, von Gott Verschiedenes sein? Muss nicht am Ende alles „Gott sein“? Gott wollte doch die geschaffenen Dinge und nicht zuletzt den Menschen als eigenständige Wesen. Und betont nicht gerade der Islam, den unüberbrückbaren Abstand zwischen Gott und allem Geschaffenen? Wenn Gott nur in sich ruhen würde, warum sollte er sich für Anderes öffnen. Er würde ja seine Vollkommenheit, die in dem „Ich-sich-Ruhen“ zu sehen ist, verlieren? Aber Gott wollte doch die geschaffenen Dinge und nicht zuletzt den Menschen als eigenständige Wesen. Schöpfung heißt ja, dass etwas anderes, etwas von Gott Verschiedenes in die Existenz gerufen wird. Wenn der Kosmos und in ihm der Mensch von Gott geschaffen ist, dann bleibt Gott dem Geschaffenen zugleich sehr nahe, denn ohne den Willen Gottes gäbe es das Geschaffene ja nicht.

Der Logos – Schöpferwort Gottes

Wenn Gott aber in sich nur einzig und einer ist, wie dann Beziehung zu anderem. Die Konsequenz ist im christlichen Arianismus wie im Islam die gleiche: Gott muss gegenüber dem Nicht-Göttlichen sozusagen abgeschirmt werden, denn das Nicht-Göttliche widerspricht ja der Vollkommenheit Gottes. Wenn Gott aber in sich Beziehung ist, dann stellt die Schöpfung ihn nicht infrage, sondern zeigt seine Vollkommenheit. Er muss sich gegenüber anderem nicht abgrenzen.
In der christlichen Sicht wird Jesus bereits in den biblischen Texten als Mittler nicht nur der Erlösung gesehen, sondern bereits in der Schöpfung: „Durch ihn ist alles geschaffen.“ Gott ist seiner Schöpfung und nicht zuletzt den Menschen nahe, weil sie in Jesus sind und der Vater in Jesus alles geschaffen hat. Das ist der Grundgedanke des mittelalterlichen Theologen Meister Eckart und später des Philosophen Hegel. Und würde Gott, wenn er durch das Nicht-Göttliche infrage gestellt wird, einen Kosmos schaffen, in dem alles auf Beziehung angelegt ist. Die fernste Milchstraße ist über Licht und Gravitationswellen mit allem anderen verbunden. Auch der Mensch ist nicht ohne Beziehung. Er kann erst er selbst werden, wenn er in der Sprachgemeinschaft sprechend Mitglied geworden ist. Beziehung und nicht Abgrenzung ist die Grundstruktur der Wirklichkeit.

Zur Entwicklung der christlichen Gotteslehre in den ersten Jahrhunderten

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