Ein Leben für die Eisenbahn – Carl v. Etzel

Der bekannteste Weg nach Italien führt über den Brenner. Dort gibt es ein Denkmal, das dem Ingenieur und Architekten Carl von Etzel gewidmet ist. In diesem Jahr feiert die Eisenbahn ein Jubiläum, denn die Brennerbahn gibt es seit 150 Jahren und ihr Erbauer heißt Carl von Etzel. Die Umwälzungen, die der Bau solcher Eisenbahnlinien hervorgerufen hat, sind heute, da man mit dem ICE durch die Lande rast, kaum noch bewusst.

Thomas Holtbernd

 

Carl v. Etzel, Foto: Tyrolia

Nach der Erfindung der Dampflok begann in Europa und Amerika ein mächtiges Bestreben, die Entfernungen zu „verkürzen“ und ein breites Netz von Eisenbahnlinien zu schaffen. Der Bau des neuen Hauptbahnhofs in Leipzig erscheint dagegen als ein kleines Vorhaben. Auch der Bau des Berliner Flughafens wäre nur eine wenig bedeutende Baustelle in dem ganzen Vorhaben. Als ein Mann wie Carl von Etzel mit dem Bauen begann, gab es keine Beispiele für die Baumaßnahmen, die nötig waren. Die Ingenieure mussten sich mit dem Unterbau für die Schienen beschäftigen, waren gezwungen, die Auswirkungen der Lokomotiven auf die Schienen zu bedenken. Sie trafen Entscheidungen, ob Brücken oder Tunnel gebaut werden sollten. Steigungen mussten kalkuliert werden, entsprechende Lokomotiven gesucht und gekauft werden. Aber nicht nur das Schienennetz war zu bauen, zahlreiche Bahnhöfe, Wärterhäuschen, Lagerhallen, Werkstätten standen zur Planung und zum Bau an. Die Projekte waren riesig, ein gewaltiger Aufwand war vonnöten. Und dabei gilt es zu bedenken, dass es noch keine Schreibmaschinen oder Computer gab, man schrieb noch fein säuberlich mit der Hand.

Die Arbeiter

Um diese Megabaustellen bewältigen zu können, waren Scharen von Arbeitern notwendig. Für den Bau der Brennerbahn kamen Gastarbeiter aus Slowenien und Kroatien, es gab Sprachprobleme und die Kriegswirren führten zu Entlassungen. 1866 waren 10.797 Männer auf der Baustelle tätig. Beim Tunnelbau kam es zu Unfällen und viele Arbeiter ließen ihr Leben. In Tirol entstand so auch 1865 die erste Arbeiterseelsorge. Carl von Etzel erwies sich bei seinen Projekten fast als Sozialreformer. Er organisierte Betriebsausflüge, sorgte für eine Krankenkasse, kümmerte sich um Hospitäler, setzte Urlaub für die Mitarbeiter durch wie auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, er schaffte Wohnraum für die „Eisenbahner“, er verhinderte „Trinkerkarrieren“, weil nicht der ganze Lohn ausgezahlt wurde, sondern Spareinlagen getätigt wurden.

Das Gesamtkunstwerk

Es ist erstaunlich, dass so ein Mann wie Carl von Etzel nicht nur das Wohlbefinden der Arbeiter im Blick hatte, sondern sich auch um scheinbare Nebensächlichkeiten kümmerte. So beschrieb er, wie die Böschungen entlang der Gleise zu bepflanzen seien. Es ist vielleicht dadurch erklärbar, dass Carl von Etzel ein künstlerisch orientierter Bauingenieur und Architekt war. Ihm war das gesamte Erscheinungsbild wichtig, so plante er nicht nur einzelne Bahnhofsgebäude als eine Einheit, sondern betrachtete die gesamte Eisenbahnlinie als ein „Gesamtkunstwerk“. Dabei hatte er auch noch im Blick, dass Kosten gespart würden und der Bau nicht seinem Ego dienten sollten. Ebenso dachte Carl von Etzel daran, Brücke so zu bauen, dass nachträglich Holzteile durch Eisen ersetzt werden konnten.

Das alles und noch viel mehr…

In dem Buch von Angela Jursitzka und Helmut Pawelka wird das Leben von Carl von Etzel nachgezeichnet. Sehr detailliert werden die Ingenieursleistungen nachgezeichnet, das künstlerische Genie wird deutlich und die soziale Seite dieses Mannes wird deutlich. Nebenbei erfährt der Leser / die Leserin viel über die geschichtlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, das Leben in der Zeit von vor 150 Jahren und bekommt ein Gefühl für die großartigen Leistungen der Eisenbahnbauer und speziell Carl von Etzel.

Angela Jursitzka, Helmut Pawelka, 2017. Carl von Etzel. Ein Leben für die Eisenbahn. Innsbruck-Wien: Tyrolia-Verlag. 27,95 Euro

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