Bleibt etwas von mir nach dem Tod?

Wenn man sich vorstellt, dass wir zu über 80% aus Wasser bestehen, wie kommt in das Wasser so etwas wie Mienenspiel? Irgendetwas in uns, was Empfindungen hat, bringt dies an die Oberfläche unseres Gesichtes.

Waldsee

Mimik als Ausdruck des Gefühls

Nur wenige Menschen können ihre Mimik so beherrschen, dass wir nicht direkt am Gesicht ablesen können, was in der Seele vorgeht. Wer genauer hinschaut, bemerkt dann doch ein Zucken, ausgelöst durch ein Gefühl, eine emotionale Reaktion. Wenn das Gesicht, das ja auch überwiegend aus Wasser besteht, etwas Ausdruck verleiht, was im Menschen ist, dann muss es ein organisierendes Prinzip geben, das die Moleküle des Gesichts so formt, dass sie Empfindungen ausdrücken. Derjenige, der mit seinem Gesicht seinem Innenleben Ausdruck verleiht, weiß, was er fühlt. Die anderen können es in seinem Gesicht „lesen“. Wir lokalisieren dieses organisierende Zentrum im Gehirn.

Ist mit dem Zerfall des Gehirns eigentlich alles klar?

Ohne das Hirn und das Wachbewusstsein, ist ein Mensch nicht als Person ansprechbar, so dass er uns als sprachfähiges und entscheidungsfähiges Subjekt entgegentreten kann. Ohne Gehirn keine Sprache und damit nichts Geistiges mehr im Menschen. Allerdings sehen wir Menschen, die bewusstlos sind oder im Koma liegen noch als Personen an, auch wenn sie so nicht mehr zu reagieren scheinen. Können wir zu einem Bewusstlosen noch Kontakt aufnehmen, ist das nicht mehr möglich, wenn jemand gestorben ist. Die Schlussfolgerung kann dann aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaften nur sein: Mit der Zerfall des Gehirns ist auch die Person aufgelöst. Ist jedoch das im anderen nicht mehr da, was die Moleküle zu einer Gesichtssprache formen konnte?

Die Person, das Ich sind nicht materiell

Wenn wir jemanden als Du oder Sie ansprechen, dann wenden wir uns nicht an ein Gehirn, sondern an eine Person. Diese Person hat etwas, das mehr ist als Hirnströme, die zu bestimmten Gesichtszügen führen. Noch ausdrucksfähiger sind wir mit der Sprache. Sind die Worte des anderen einfach verschwunden, wenn er nicht mehr da ist. Wenn sie nicht aufgeschrieben oder auf einem Tonträger festgehalten sind, scheinen sie nur „Schall und Rauch“.

Was wird aus dem Ich

Der andere erkennt sich als ein eigenständiges Ich. Bereits als Kind bezieht der Mensch sich auf sich selbst und wird früh sprachfähig. Zwar gibt es für die Sprachfähigkeit Hirnregionen, jedoch kommt ein Kind nur in die Sprache hinein, wenn es mit anderen Menschen zu tun hat. Es lernt dann die Sprache seiner Umwelt und verwendet diese als eigenständige Person. Mit dem Erwerb der Sprache wachsen ihm noch andere Fähigkeiten zu, die sich bereits im Fragealter äußern. Der Mensch kann dann über zutreffend oder falsch, über Wahrheit befinden. Schließlich entsteht ein Gewissen und über Jahre lernt der junge Mensch in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen, die  Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen. Das alles, auch die Sprache, braucht den Leib, um sich mitzuteilen.

Die Seele braucht einen Körper

Ist mit dem Zerfall des Gehirns bereits gesagt ist, was aus der Person wird? Oder kann man das Materielle noch einen Schritt weiter denken. Personen sind in dieser Welt immer an einen Leib gebunden. Das deutet darauf hin, dass das Geistige eines Menschen sich nicht über den ganzen Raum ausbreitet, sondern nur da angetroffen werden kann, wo sein Leib ist. Es liegt nahe, das Geistige im Menschen in Beziehung zu seinem Leib zu sehen. Da die Seele das bezeichnet, was unsere Wassermoleküle zu lebendigem Ausdruck formt, dann bleibt doch wahrscheinlich dieser Bezug in der Seele bestehen, wenn der Körper zerfällt. Das Zerfallen des Körpers lässt auch nicht einfach darauf schließen, dass die Seele ebenso zerfällt.  Es ist also wohl nicht so, dass die Seele beim Tod den Leib zurücklässt. So dachten es sich die Griechen. Es ist wahrscheinlich auch nicht so, dass die Seele sich in eine Weltseele auflöst, sondern die Person bleibt – mit einem Bezug zu etwas Leiblichen.

Eckhard Bieger S.J.

Dass man sehr wohl vernünftig über Gott und ein Leben nach dem Tod sprechen kann, zeigt Holm Tetens, s. dazu die Besprechung Theismus versus Naturalismus 

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