Transhumanismus – Der Weg zur Perfektionierung

Cyborgs, Implantate und Aufputschmittel. Dem Thema Transhumanismus ging die Tagung vom 04. bis 07. April 2017 im Franz-Hitze-Haus in Münster auf den Grund. Wo sind die Grenzen des Transhumanismus und welche Konsequenzen hat der Eingriff in den menschlichen Körper? Darüber unterhielten sich Theologen, Philosophen und Naturwissenschaftler.

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Bild: freshidea – Fotolia.com

Ewig Leben?

Wer möchte nicht ewig leben? Der Transhumanismus folgt der Idee, durch modernste Technik über die Grenzen des menschlichen Daseins hinauszuwachsen. Aber wenn der Mensch seine Limitierungen überwindet, wird er dann zu Gott? Dieser Frage gingen Forscher aus unterschiedlichen Fachbereichen in einer Tagung im Franz-Hitze-Haus nach.

Entscheidend am Tranhumanismus ist es, Leid und Schmerz zu lindern. So rückt er als Thema vor allem im gesundheitlichen Bereich immer näher. „Der Transhumanismus teilt mit dem Christentum die Empathie mit dem leidenden, alternden und letztendlich sterblichen Menschen.“, sagt Professor Hansmann aus der Universität in Bayreuth.
Schon heute sind wir dazu imstande, mit diversen Aufputschmittel unsere Leistung zu steigern. Geschädigte Organe können wir durch Transplantate aus einem 3D Drucker ersetzen, um Leiden zu lindern.

Der Mensch nimmt die Evolution selbst in die Hand

Der Mensch wird sich verändern, so die These des Transhumanismus. Benedikt Göcke von der Universität Bochum bekräftigt das, indem er sagt: „Es kann eine neue Spezies entstehen“. Aufgrund unterschiedlicher Augmentierungen könnte der Mensch eine drastische Verbesserung seiner körperlichen Konstitution bewerkstelligen. Der Neurowissenschaftler Christian Klaes sieht darin ein Dilemma: „Wenn ich ein Auto nehme und alle Teile austausche, ist es noch das ursprüngliche Auto?“.

Dabei stellt sich die ethische Frage, ob der Mensch tatsächlich das Recht hat, seinen Körper zu erweitern? Ronald Cole-Turner, Professor für Theologie an der Universität von Pittsburgh (USA), sagt, dass die körperlichen Erweiterungen und Verbesserungen von Gott gegeben sind, da es dem Menschen möglich ist, sie selbst zu erschaffen. Deswegen dürfe der Mensch diese Erweiterungen nutzen, weil sie ein Geschenk Gottes seien.

Das alltägliche human enhancement

Human enhancement, die Erweiterung körpereigener Fähigkeiten, fängt täglich beim Kaffee am Morgen an. So ist diese Praxis schon lange in unserem Alltag angekommen. Deshalb sei es notwendig sich darüber zu unterhalten, sagt Benedikt Göcke.

Genveränderungen mit der Genschere CRISPR-casp9 sind keine Seltenheit mehr, so Stefan Sorgner aus der John Cabot Universität in Rom. Ebenso sammelt der Staat Kuwait genetische Daten von Einreisenden, zum Zwecke der Terrorbekämpfung. Jedoch entsteht dadurch eine Gefahr: Sobald ein Unbefugter Zutritt zu diesem Genpool erlangt, könnten sämtliche persönliche Gendaten in Umlauf geraten.

Pessismus gegen Optimismus

Stefan Sorgner behauptet, dass der Transhumanismus nicht durchgängig negativ bewertet werden dürfe. Der Mensch habe durch die Technisierung Freiheiten dazugewonnen. Während damals der Mensch seine Kleidung mit eigenen Händen waschen musste, kann er jetzt die Waschmaschine anschalten. Die Zeit, die er einst für die Reinigung der Wäsche benötigte, kann in die Arbeit oder Freizeit investiert werden. Doch obwohl viele Aufgaben durch die Technisierung vereinfacht oder abgeschafft werden können, kann der Mensch niemals unsterblich werden. Bereits Heidegger erwähnt, dass der Mensch immer dem zeitlichen Verfall unterworfen sei: Wenn der Mensch seine Sterblichkeit verliere, verliere er seine Menschlichkeit.

Trotzdem besteht Angst vor dem Transhumanismus. So wie die Atombombe eine Bedrohung für die Menschheit darstellt, kann auch der Transhumanismus eine Gefahr bedeuten. Beispielsweise durch die Möglichkeit, Menschen zu kontrollieren. Jedoch müsse abgewogen werden, ob anfängliche Probleme nicht größeren Nutzen nach sich ziehen. Im Falle der Atombombe könnte diese eines Tages genutzt werden, um einen Kometen, der die Erde bedroht, zu zerstören, so Christian Klaes. Ebenso meint er, dass die Entwicklung von Artificial Intelligence, Deep Learning und human enhancement nicht soweit voranschreiten wird, dass sie den Menschen ebenbürdig ersetzen können. Das zeigen bereits heutige Forschungen im Bereich des human enhancement, die sich größtenteils auf den Ersatz von Extremitäten beschränken.

Alexander Radej

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