Leere oder Nichts?

Wenn eine große Aufgabe erfüllt ist, das Glück über das Erreichte gefeiert wurde, dann kommt oft die große Leere. Lange Zeit hat man nur ein Ziel vor Augen gehabt und dann ist da nichts mehr. Einige nennen dieses Phänomen Managerdepression. Es ist keine Traurigkeit, es ist auch keine Melancholie, es ist einfach nur eine unerträgliche Leere. Wenn ein solcher Zustand länger andauert, kann sich das Gefühl von Leere auch in ein diffuses Gefühl von Nichts wandeln. Was aber unterscheidet Leere und Nichts?

Thomas Holtbernd

Wer sich nie mit Haut und Haaren für eine Sache begeistert hat, kennt diesen Zustand nicht, dass die Augen ins Unergründliche schauen, der Körper wie gelähmt ist, die Gedanken wie ausgeschaltet sind und doch alles irgendwie Gedanke ist. Es ist wie der Kater nach einer durchzechten Nacht. Unser normales bürgerliches Leben plätschert dahin, wir wünschen uns Höhepunkte und doch scheint uns eine Angst zu beschleichen vor dem, was nach dem Rausch kommt. Mit Drogen helfen viele Menschen nach, die Hemmungen sind weg und das Erlebte scheint intensiver zu sein. Die Droge hilft jedoch auch, das Danach sofort wieder zu einem Mittendrin zu machen, bevor der Kater in seiner ganzen Härte zuschlägt.

Die Leere

Die Vorstellung von Leere ist gefüllt mit dem Gedanken, dass vorher etwas da war oder etwas hineingefüllt werden könnte. Leere ist ein Gegenbegriff zur Fülle. Wenn ein geliebter Mensch immer in einem Sessel gesessen hat und nicht mehr da ist, reden wir von einem leeren Platz und drücken damit einen Verlust aus. Wenn jedoch das Nichts ins Spiel kommt, dann ist da ein leerer Platz, doch uns wird schmerzlich bewusst, dass da vorher gar nichts war, was wir tatsächlich vermissen müssten. Psychologen sprechen in einem solchen Fall von pathologischer Trauer. Es ist schwieriger, über einen Verlust hinwegzukommen, der eigentlich gar kein Verlust war.

Foto: hinsehen.net

Das Nichts

Das Nichts hat keinen Gegensatz, es ist die Feststellung, dass kein Verlust zu beklagen ist. Wenn Gott tot ist, wie Friedrich Nietzsche die Menschen lehrte, dann wäre es möglich, konstruktive Trauerarbeit zu leisten, falls wir von einem Gott ausgehen, der sterben könnte. Wird der Tod Gottes allerdings als eine Erkenntnisleistung definiert, dann bedeutet dies auch, dass Gott nie existiert hat. Damit steht der Mensch dem Nichts gegenüber. Eine solche Tatsache verlangt vom Menschen eine ungeheuerliche Leistung. Der Mensch müsste eine Liebe für sich entwickeln, obwohl er selber nicht geliebt wurde. Der Mensch würde sich als Mensch neu erfinden. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, vor der die meisten Menschen Angst haben.

Das Phänomen Leere

Über die Leere lassen sich im Sinne einer negativen Beschreibung viele Aussagen machen. Das Nichts verweigert jedwede Aussage, es kann über etwas, was nicht existiert, keine Vorannahme getroffen und nichts in irgendeiner Weise konkret zu machendes ausgesagt werden. Die Sprache versagt. Leere kann dagegen als Ort benannt werden, der sich innerhalb eines bestimmten Umfeldes befindet. Das Nichts erfasst auch das es Umgebende. Das Nichts fordert dazu auf, etwas sehr Starkes dagegen zu setzen. Leere kann gefüllt werden, es lässt sich erzählen, die Wünsche, Ziele können benannt werden. Das Nichts bleibt ein Nichts, jede Beschreibung wäre eine Aberkennung des Nichts als Nichts. Ruft man in einen leeren Raum hinein, kommt ein Echo zurück oder der Ruf hallt nach. Das Nichts schluckt jeden Ruf. Und somit lassen sich noch nicht einmal Erfahrungen mit dem Nichts beschreiben. Das Nichts scheint die Menschen in Trostlosigkeit zurückzulassen.

Aber

Leere fordert die Menschen auf, tatsächlich Fülle zu schaffen oder Projektionen zu entwickeln, damit die Leere zumindest in der Fantasie verschwindet. Das Nichts aber verlangt eine Grundsatzentscheidung. Der Mensch spricht quasi sein Veto gegen das Nichts aus, indem er sich selbst zum Bezugspunkt macht. Die Identität ist dann dieses Aber. Der Mensch wäre in ständiger Aufruhr und Rebellion. Ein schöner Gedanke in einer Welt, wo alles geregelt ist und der Konsumterror mehr Menschen umbringt als die versprengten Terroristen. Es wäre an der Zeit, mit einem solchen Aber manche Vorurteile, Meinungen, Überzeugungen geradezurücken und wirklich objektiv auf die Dinge zu schauen.

Ein Gedanke zu “Leere oder Nichts?

  1. denkbar…
    n o c h bleibt das Nichts / die Leere dem Intellekt nur denkbar.Und der Technik nicht herstellbar.
    Das A l l e s dagegen schon, – irgendwie und irgendwann.Denkbar eben…
    Bliebe somit dem Intellekt nur die – unbegreifliche – Transzendenz, die beides, das Alles und das Nichts will und kennt….?

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