Silence – Romanvorlage von Shusaku Endo

Der Film Silence erzählt die Geschichte eines abtrünnigen Missionars in Japan. Vorlage ist der gleichnamige Roman von Shusaku Endo. Es geht aber nicht allein um die Christenverfolgung, die 1638 ihren Höhepunkt erreichte, sondern um die Möglichkeit beziehungsweise Unmöglichkeit der Inkulturation des christlichen Glaubens in die japanische Kultur, das eigentliche Thema von Shusako Endo

Es ist sein Lebensthema; wie auch andere Werke zeigen, wie zum Beispiel „Meer und Gift“. Endo verhandelt es in „Schweigen“, seinem bedeutendsten Roman, vor dem Hintergrund der zwangsweise auslaufenden Missionierung Japans. Nach Mitteilung von Pater Momose aus dem Jesuitenorden über seinen Taufpaten, eben den Autor, wurde Endo durch den Wechsel eines deutschen Jesuitenmissionars zur japanischen Religiosität in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zu dem Roman inspiriert. Die Handlung ist rasch erzählt: Zwei junge portugiesische Jesuiten reisen nach Japan, um dem Gerücht nachzugehen, dass Pater Ferreira, Leiter der japanischen Missionszentrale, vom christlichen Glauben abgefallen und Buddhist geworden ist. Unter großen Schwierigkeiten reisen Pater Rodrigo und Pater Garpe nach Japan, treffen dort auf Mitglieder einer christlichen Dorfgemeinschaft und erleben deren Verfolgung und Martyrium mit. Auf den Verrat von Christen ist eine Belohnung ausgesetzt, weshalb die Patres wie die japanischen Christen, die froh über den priesterlichen Beistand sind, im Verborgenen leben müssen. Die Patres trennen sich, nachdem sie den Foltertod einiger Christen aus dem Dorf miterlebt haben, damit auf dem Weg ins Landesinnere zu Pater Ferreira wenigstens einer überlebt, wenn der andere ums Leben kommt. Pater Rodrigo, dessen Erlebnisse der Roman hauptsächlich erzählt, wird verraten und muss sich den japanischen Behörden stellen und später auch dem Gouverneur Inoue, einem Christenhasser, der die christliche Religion in Japan ausrotten will.  Pater Rodrigo trifft im Gefolge Inoues dann auch auf Pater Ferreira… Diese Handlung ist von Shusako auf doppelte Weise vielschichtig angelegt. Zum einen durch die Vielfalt sich abwechselnder literarischer Mittel wie erzählende Passagen, Briefe, Tagebucheinträge, Bericht, zum anderen durch die vielfältigen thematischen Aspekte. Dargestellt werden die großen Schwierigkeiten der damals aktuellen Situation der Missionare, gespiegelt vor der besseren Situation für die Mission zu Zeiten Franz Xavers, eine bestimmende Rolle spielt der wankelmütige japanische Christ Kichijiro, der den Patres den Weg zu christlichen Gemeinden zeigt, sie aber auch verrät, das bereut, beichten will, die Absolution erhält und doch immer wieder rückfällig wird mit der Begründung, er sei ein schwacher Christ und kein starker, der doch den Tod für seinen Glauben auf sich nimmt. Thematisiert wird weiterhin die unbeugsame Haltung japanischer Christen, die ohne Glaubenszweifel schlimmste Martyrien erleiden, und das Leiden Pater Rodrigos wird immer wieder in sachlichem Ton und ohne jeden Anflug von Pathos mit entsprechenden Stationen aus dem Leben und Leiden Jesu verglichen, so dass hier ein persönlicher Kreuzweg nachgezeichnet wird. Als ausgesprochenes wie ebenfalls unausgesprochenes Ostinato durchzieht den Roman der Hinweis der Christenverfolger auf die Unmöglichkeit der christlichen Missionierung Japans.  „Jemandem etwas aufzudrängen, was dieser gar nicht verlangt hat, ist eine überflüssige Wohltat, die man uns aufgedrängt hat. Wir besitzen eine eigene Religion. Wir wollen nicht, dass eine ausländische Lehre hier eindringt“, wie es ein japanischer Beamter ausdrückt. Man will vielmehr, dass Pater Rodrigo dem Glauben abschwört, damit es auch die japanischen Christen tun. Und er tut es – genauso wie Pater Ferreira. Er macht die Tret-Zeremonie mit, wobei er auf  das Antlitz Jesu auf einem Kreuz am Boden tritt. Hier auch endet das Schweigen Gottes, das den ganzen Roman als Frage, Anklage, resignierte Feststellung durchzieht und immer wieder in den verschiedensten Konstellationen benannt wird. Pater Rodrigo, der sich immer wieder das Antlitz Jesu vorstellt, erkennt in dem von ihm getretenen Antlitz Jesu, dass dieser mit ihm leidet – und also eben nicht schweigt.

Helmut Zimmermann

Shusako Endo: Schweigen. Deutsch von Ruth Linhart. Septime Verlag, Wien 2016,    312 Seiten, 22,90 €  

Schweigen: Der Film

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