Durch den geistlichen Kampf zum inneren Frieden: Impuls zur Fastenzeit

Jesus verheißt im Johannesevangelium: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch“ (14,27). Doch wie genau wird dieser Frieden gegeben? Meist wird er nicht automatisch erlangt, sondern nach einem geistlichen Kampf.

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Foto: hinsehen.net

 

Was daran hindert, den inneren Frieden zu erlangen

Evagrius Ponticus, ein Wüstenvater des 4. Jahrhunderts, stellte gute Gedanken, die er von Engel eingegeben sah, schlechten gegenüber, für die er Dämonen verantwortlich machte. Dämonen, so Evagrius, führen Krieg gegen uns, und zwar hauptsächlich in Gestalt von 8 Lastern. Die ersten drei gelten als begehrliche Laster und sind Völlerei, Unzucht und Habsucht. Die nächsten drei gelten als erregbare oder emotionale Laster: Traurigkeit, Zorn und Lustlosigkeit (Akedia). Die letzten beiden Laster werden als geistig beschrieben und sind Ruhmsucht und Stolz.

Diese Laster nun sind die größten Hindernisse, um den inneren Frieden zu erreichen, denn diese Laster sind nach Evagrius Dämonen, die gegen uns kämpfen, um uns von Christus abzubringen. Jeder Dämon habe ein anderes vorgehen, um uns zu versklaven. So gehe der Dämon der Völlerei rationalistisch vor, da er so eher erfolgreich sei und weniger schwer zu durchschauen, als wenn er offen und plump zur Ausschweifung verleite.

Der Dämon der Unzucht hingegen zwinge regelrecht verschiedene Körper zu begehren und zwar so, dass er in den Leib fahre und diesen in Brand stecke.

Der Dämon der Traurigkeit habe seine wirkmächtige Ursache in einer falschen Anhänglichkeit an die Welt: „Wenn man zu hohe Wünsche an das Leben stellt, wird man leicht enttäuscht und verfällt in Traurigkeit.“

Wie man den inneren Frieden erlangen kann

Wichtig ist, die Wirklichkeit und Wirkmächtigkeit der Laster nicht zu leugnen, sondern sie wahrzunehmen, um sie besiegen zu können. Der erste Schritt zum Frieden besteht im Eingestehen dieser Wirklichkeit. Wenn man zum Beispiel von der Lustlosigkeit (Akedia) ganz befallen ist, geht es schlicht darum, durch diese Krise hindurchzugehen, auszuharren und standzuhalten: „wer standhält, der erfährt tiefen inneren Frieden und Freude. ‚Ein neuer Mensch in harmonischer Weise integriert, geht aus dieser Prüfung hervor.'“

Manchmal kann es auch darum gehen, sich von falschen Idealen zu lösen und sich stattdessen auf den wirklichen Gott einzulassen, sich ihm ganz zu ergeben. Damit ist aber keine Schwäche gemeint, im Gegenteil. Evagrius benutzt mehrmals Kriegsmetaphern, um den inneren Frieden zu erlangen:

„Daher ziemt es sich, dass wir, wenn wir diesen Feldzug unternehmen, die geistliche Waffenrüstung anlegen, und den Heiden zeigen, dass wir bis aufs Blut gegen die Sünde kämpfen werden […]. Aber nun ist es freilich Zeit, in der Kraft unseres Herrn Jesus Christus zu kämpfen – zuerst gegen die Gedanken des Dämons der Völlerei, danach aber gegen die anderen sieben Dämonen.“

Die Methode im Kampf gegen die Laster

Die Methode, die Evagrius anwendet, ist die der Widerrede (Antirrhetikos). Mit den Dämonen wird nicht diskutiert, sondern ihren Gedanken werden gute Gedanken in Form von Textstellen aus der Heiligen Schrift entgegenstellt:

Gegen Völlerei:

„11. Gegen den Gedanken, der mich erbittert wegen des Lebens in bitterer Armut:

Ps. 23,1: Der Herr ist mein Hirt, und nichts wird mir fehlen.“

Gegen Traurigkeit:

„4. Gegen Gedanken, die keine Hilfe von Gott erwarten und die wegen der Traurigkeit die Seele zugrunde richten:

Ex. 6,6f: Sage deshalb zu den Söhnen Israels: Ich bin der Herr euer Gott, der euch aus der Knechtschaft der Ägypter herausgeführt hat, und ich werde euch hineinführen in das Land, nach dem ich meine Hand ausgestreckt habe, um es dem Abraham, Isaak und Jakob zu geben, und ich werde es euch zum Lose geben; ich bin der Herr.“

Josef Jung

Verwendete Literatur:

Evagrius Ponticus, Die große Widerrede. Antirrhetikos, Münsterschwarzach 2014.

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