Papst Franziskus an junge Menschen aus New York

Papst Franziskus hat in der Enzyklika „Amoris Laetitia“ auf den säkularen Lebensstil vieler junger Menschen geantwortet. Er plädiert dafür die Freude an der Liebe neu lebendig werden zu lassen und sich nicht mit Mentalitäten abzufinden, die dem entgegenstehen. Damit trifft er genau den Zeitgeist New Yorks, der unter anderem in den Serien „Girls“ und „How I Met Your Mother“ auftaucht.

Foto: dpa / picture-alliance

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Westlicher Säkularismus am Beispiel der Serien „Girls“ und „How I Met Your Mother“

Die Serie „Girls“ erinnert ein wenig an die erfolgreiche Serie „Sex and the City“, es kommen ebenfalls vier Frauen vor, die auch in New York leben und es werden deren Sexual- und Lifestyleleben thematisiert. Neben den Ähnlichkeiten gibt es jedoch auch Unterschiede: Die Frauen in „Girls“ sind, wie das Wort bereits vermuten lässt, jünger, erst Mitte oder Anfang zwanzig und suchen mit dem Leben und der Liebe klarzukommen. Wie es sich für heutige New Yorkerinnen gehört, handelt es sich natürlich um postreligiöse Frauen, deren Leben sich im Immanenten zu erschöpfen scheint. WG-Leben, Promiskuität, On-Off-Beziehungen, ungewollte Schwangerschaften und Geldprobleme. Das und mehr ist der Plot für die Serie über die „Generation Y“ in NY. Nina Rehfeld schreibt in der FAZ über die Serie: „Die Generation Praktikum kennt keinen Glamour. […] ‚Girls‘ handelt nicht zuletzt von dem Versuch vier junger Frauen, sich in einer von Lebensentwürfen aus Modezeitschriften und dem Internet dominierten Welt zu emanzipieren und ihre eigene Identität zu finden.“

Ganz ähnlich ist die Serie „How I Met Your Mother“. In der Serie erzählt der Hauptdarsteller „Ted“, wie er seine Frau fand. Es ist eine moderne Sitcom der Generation Mitte zwanzig bis Anfang dreißig. Auch hier geht es postreligiös-säkular zu. Gefeiert werden Lust und Frust im Tanz um die Innerweltlichkeit. Liebe, Sex, Alkohol und One-Night-Stands, ohne dass auch nur der Gedanke an Transzendenz erscheint.

Wie antwortet der Papst darauf?

Papst Franziskus ist wohl der erste Papst seit Pius X., der aus der Pastoral kommt und keinen Doktortitel hat. Für eine zutreffende Beschreibung der Lebensrealitäten braucht es jedoch keine Bibliothek, sondern ein waches Auge und offene Ohren. Beides hat Franziskus, weshalb sein Schreiben auch die Wirklichkeit der jungen New Yorker trifft.

Der Papst sieht die Realitäten der heutigen Zeit als Resultat eines „anthropologisch-kulturellen Wandels“ (Nr. 32), der alle Aspekte des Lebens beeinflusse. Die Identitätssuche in der Serie greift er auf mit der Feststellung, dass „eine individuelle Gestaltung der Persönlichkeit geschätzt wird, die auf Authentizität setzt, anstatt vorgeformte Verhaltensweisen nachzuahmen“ (Nr. 33). Das Beziehungsleben der Protagonisten der Serien wird in dem nachsynodalen Schreiben ebenfalls zutreffend beschrieben als „die Praxis des Zusammenlebens der Paare vor der Ehe oder auch als das Zusammenleben ganz ohne die Absicht, eine institutionalisierte Bindung einzugehen“ (Nr. 53). Es herrsche ein „Muster der Autonomie des Willens“ (ebd.).

Insofern wird deutlich, dass der Papst die heutigen Lebensrealitäten sieht. Die Frage ist, inwieweit er diese gutheißt.

Heiligkeit ist das Ziel

Wenn es nun nicht nur um die Beschreibung der Wirklichkeit, sondern um Sinn und Ziel des Lebens geht, wird man jedoch kaum noch Gemeinsamkeiten zwischen dem Papst und den Serien finden. Die vier „Girls“ der Serie und die Figuren in „How I Met Your Mother“ bleiben im Säkularen stehen, während Franziskus von einer „Berufung zur Heiligkeit“ (Nr. 69) spricht. Spätestens bei dieser Aussage sind wir bei in der Verheutigung, dem aggiornamento von Johannes 6,60: „Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?“ Dennoch lässt der Papst diesen Anspruch nicht fallen, im Gegenteil, diese Berufung des Menschen zur Heiligkeit ist für ihn der Grund, Verhaltensmuster anzusprechen, die dazu im Widerspruch stehen:

„Denn wir können nicht darüber hinwegsehen, dass die Sexualität oft entpersönlicht und durch Pathologien belastet wird, so dass sie ‚immer mehr zu einer Gelegenheit und einem Werkzeug der Bestätigung des eigenen Ich und der egoistischen Befriedigung der eigenen Begierden und Instinkte‘ wird. In dieser Zeit wird es sehr gefährlich, dass die Sexualität auch von der giftigen Mentalität des „Gebrauchens und Wegwerfens“ beherrscht wird. Häufig wird der Körper des anderen gehandhabt wie ein Gegenstand, den man behält, solange er Befriedigung bietet, und verschmäht, wenn er seine Attraktivität verliert.“ (Nr. 153)

Eben weil es um eine hohe Berufung geht, verurteilt der Papst Verhaltensweisen, die unter der Berufung und Würde der menschlichen Person bleiben. Es geht dem Papst vielmehr darum „erfahrbar zu machen, dass das Evangelium der Familie Freude ist, die ‚das Herz und das gesamte Leben erfüllt‘“ (Nr. 200).

Ist eine Vermittlung der kirchlichen Vorstellungen noch möglich?

Man kann sich jedoch bei all den schönen Worten die Frage stellen, ob es überhaupt möglich ist, die christlichen Vorstellungen in eine säkulare Welt, wie sie die Serien „Girls“ und „How I Met Your Mother“ darstellen, überzeugend zu verkünden und zu vermitteln.

In einer säkularen Zeit, in der das Eheverständnis der Kirche fremd geworden ist, kann nur langsam zu dem hingeführt werden, was die Kirche unter Ehe versteht. Es nützt nichts, den Lebensstil der jungen Menschen einfach zu verurteilen. Er ist das Resultat gesellschaftlicher Entwicklungen, denen man sich kaum entziehen kann, ohne sozial isoliert zu werden. Auch wird eine Verurteilung wohl eher abschreckend als überzeugend wirken. Es geht darum aufzuzeigen, was das „Mehr“ und Gute an der christlichen Ehe ist und warum es sich lohnt, diesen Weg zu gehen. Die Herausforderung ist gewaltig, nicht minder ist der Anspruch. Die von Franziskus angesprochene „Freude“ scheint dabei das Kernelement zu sein, um den Wert der Ehe deutlich zu machen: „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche“ (Nr. 1)

Josef Jung

Links:

Das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetita“

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