„Juckt es mich?“ – Bestattungsregeln der Katholischen Kirche

Es dürfte bekannt sein, dass es in der Katholischen Kirche bestimmte Vorschriften gibt. Vorschriften oder Regeln in Bezug auf die Lebensführung, die Ehe, den Gottesdienst, aber eben auch über die Bestattung.

Grabkreuz

Foto: hinsehen.net

Neue Instruktion zur kirchlichen Bestattung

So hat vor wenigen Monaten der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, eine Instruktion mit dem Titel „Ad resurgendum cum Christo“ (dt.: „um mit Christus aufzuerstehen.“) publiziert. Bei dieser Instruktion handelt es sich um eine kirchliche Stellungnahme zum Thema „Bestattung“.

Einen großen Raum nimmt darin das Thema „Einäscherung bzw. Feuerbestattung“ ein. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Feuerbestattung in der  Katholischen Kirche nicht erlaubt. Erst in den 1960er Jahren hat man sich von Seiten der Kirche dem Thema genähert.

Was war oder ist eigentlich das Problem an der Feuerbestattung?

Aus katholischer Sicht ist die Erdbestattung die angemessenste Bestattungsform, da sie einerseits in enger Verbindung mit dem Sterben und Auferstehen Jesu steht. Jesus, so das Neue Testament, ist nach seinem Kreuzestod begraben worden – er wurde nicht verbrannt.  Andererseits soll sie den Glauben und die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung zum Ausdruck zu bringen. Aufgrund dieser Begründung soll auch einer gewollten Zerstörung des Leibes vorgebeugt werden.

Die Kirche heißt die Feuerbestattung nicht für gut, verbietet sie aber auch nicht generell. Es gibt nämlich Ausnahmen, in denen eine Verbrennung angebracht scheint. So kann es aufgrund bestimmter Umstände, die z.B. hygienischer, ökonomischer oder sozialer Natur sind, sinnvoll sein, eine Feuerbestattung zu wählen. Ein Beispiel hygienischer Natur könnte sein, dass ein Leichnam aufgrund einer ansteckenden Virenerkrankung beseitigt werden muss, um eine Übertragung der Viren zu vermeiden. Aus ökonomischer Sicht könnte eine Feuerbestattung da angebracht sein, wo das nötige Geld für eine Erdbestattung fehlt. Im Durchschnitt, so die Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH (GBV), kostet eine Erdbestattung zwischen 4.000 € und 12.000 €. Eine Feuerbestattung kostet im Vergleich etwa die Hälfte. Die Bestattungskosten liegen dort nämlich bei 2.000 € bis etwa 7.000 €.

Umdenken in der Pastoral

In der heutigen Zeit dürfte es viele Menschen – darunter auch gläubige Christen – geben, die sich für die Vorschriften solcher Instruktionen nicht mehr wirklich interessieren. In Deutschland sind heute über die Hälfte der Bestattungen Feuerbestattungen. So sind laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. 54,5% aller Bestattungen Feuerbestattungen – Erdbestattungen liegen bei 45,5%. Prozentual gesehen steigt die Zahl der Feuerbestattungen jährlich.

Wenn sich die  Menschen in einigen Teilen des Landes, besonders in den Städten, für eine Feuerbestattung entscheiden, hat das nicht zwingend zu bedeuten, dass diese dem christlichen Glauben fern stehen. Es geht meist einfach ums Geld. Häufig können  ältere Menschen aufgrund einer geringen Rente nicht viel für eine Bestattung zahlen. So sind eben einige dazu gezwungen die billigere Variante zu wählen.

Sollte dies nicht ohne eine Zurechtweisung durch die Kirchen möglich sein? Vielleicht sollte es genau an dieser Schnittstelle ein Umdenken geben. An der Schnittstelle „Trauer – Kirche“.

Die Zahl der katholischen Beerdigungen ist im Laufe der Jahre zurückgegangen – darüber informiert die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Statistik zum Jahr 2016. Daher erscheint es wenig sinnvoll, in Anbetracht der rückläufigen Zahlen, noch größere Gräben zwischen den Menschen und der Kirche zu schaffen. Die heutige Gesellschaft lässt sich wenig vorschreiben. Da liegt es nahe, dass sie sich auch nichts oder nur wenig bezüglich der eigenen Bestattung vorschreiben lässt. Befragt man selbst gläubige Katholiken zu der Instruktion aus dem Vatikan, heißt es: „Was juckt´s mich?“ oder „Das mach´ ich so, wie ich es möchte!“. Zudem kommt hinzu, dass die Instruktion fast von niemandem registriert bzw. gelesen wurde.

Da die Katholische Kirche schon im Jahr 1963 die Erklärung abgegeben hat, dass die Feuerbestattung die Seele nicht berührt und sie trotz der Einäscherung zur leiblichen Auferstehung gelangt, sollte es auch keine schwerwiegenden Hindernisse geben diese Form der Bestattung wählen zu können.

Es wäre vielleicht wichtiger sich mit einer anderen Problematik zu befassen. „Viele Menschen kommen oft nur noch bei Trauergesprächen oder Beerdigungen mit Kirche in Kontakt – wenn überhaupt.“, so die Auffassung eines Pfarrers aus dem Wetteraukreis (Bistum Mainz).

Wo noch vor wenigen Jahrzehnten die Taufe oder die Erstkommunion eine erste Kontaktaufnahme mit den Menschen war, so hat sich das im Laufe der letzten Jahrzehnte drastisch geändert. Früher sind die Menschen in der Kirche, mit christlichen Werten und Traditionen aufgewachsen, bzw. in sie hineingewachsen. Heute können nur noch wenige etwas mit diesen Werten und Traditionen anfangen. Da wäre es kontraproduktiv in pastoralen Gesprächen mit den Bestattungsregeln der Kirche einzusteigen. Es wäre ein unkluger Weg um Menschen von Gott und der Kirche begeistern zu wollen, bzw. sie zurück in die Gemeinschaft der Gläubigen holen zu wollen.

Simon J. Beranek

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