Marsimoto: „Der krasse Typ, der alles kann“

Erst Fußballspieler, dann Model und jetzt Sänger: Marsimoto besingt das post-religiöse Leben und unterlegt es mit Hedonismus als Ausweg aus der Langeweile.

Fratze

 Foto: hinsehen.net

Es begann mit Profifußball

„Mein Name ist Legion, denn wir sind viele“. – Diese Antwort aus dem Markusevangelium macht deutlich, dass manchmal auf die Frage, wer man sei nur im Plural geantwortet werden kann. Genauso verhält es sich mit Marsimoto/Materia. Dieser Künstler hat nicht nur zwei Namen, sondern auch mehrere Karrieren.

1982 in Rostock geboren, wurde Marten Laciny, so der bürgerliche Name Marsmiotos, Mitglied der U-17 Fußball-Nationalmannschaft. Aber eine Fußballkarriere ist für Marten nicht genug. Er wurde 1999 in New York von einem Scout als Model entdeckt und arbeitete für Diesel und Hugo Boss. 2003 machte er in Berlin eine Ausbildung zum Schauspieler und seit 2007 ist er musikalisch groß im Geschäft – „der krasse Typ, der alles kann“.

Die Musik von Marsimoto

2012 erschien das Album mit dem gleichnamigen Titel „Grüner Samt“. Es stieg nicht nur auf Platz 3 der Charts ein, sondern ist inhaltlich kontrovers, da es das Kiffen lobt: „Endlich wieder viel Gras, Spannung und Indianer“.  Im Jahr 2016 kann man solche Textzeilen aber nicht mehr als Provokation auffassen, da bei der jungen Generation das Kiffen längst gesellschaftlich akzeptiert ist, es handelt sich weniger um ein rebellisches als vielmehr um ein Mainstream Phänomen. Textlich ist das Lied kein großer Wurf: Was es interessant macht ist die verzerrte Stimme, mit der Marten als „Marsimoto“ auftritt. Die Stimme wird mittels Pitchbending, also Tonbeugen verstellt und dadurch erhält „Marsimoto“ erst seine Charakteristik als eine Art hallozinogene Kunstfigur. Weitere erfolgreiche Lieder „Marsimotos“ sind „Ring der Nebelungen“ oder „Alice im WLAN Land“.

Die Musik von Marteria

Unter dem Namen „Marteria“ macht Marten eher Popmusik bzw. Hip-Hop. Am bekanntesten ist wohl das Lied „Lila Wolken“, mit dem er 2012 auf Platz 1 der Charts stieg. Inhaltlich wird im Lied das Feiern gefeiert: „Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind“. Daneben hat Marteria noch einige Lieder mit Lokalkolorit veröffentlich wie „Mein Rostock“ oder über ein melancholisches Kneipendasein wie „Die Nacht ist in mir“.

Welche Weltanschauung wird deutlich?

Als Vorbild bezeichnet Marsimoto/Marteria u.a. Campino, der auch in einigen Liedern mitsingt. Im Allgemeinen finden sich in den Liedern keine explizit politischen Botschaften. Marsimoto/Marteria scheint im Ganzen ziemlichen Mainstream zu besingen und zu vertreten, das heißt: einen postreligiösen-säkularen Lifestyle. In einem Interview mit der TAZ sagte er über sich: „Auf jeden Fall bin ich links.“ Wenn man die Lieder inhaltlich aufgreift und die nicht vorhandenen religiösen Antworten berücksichtigt, handelt es sich bei dem Singen über Drogen und Langeweile (vgl. Lied „Kids“) um etwas, dass Camus als Ausweichen aus dem Absurden versteht, beschrieben im Mythos des Sisyphos. Es geht ums Klarkommen ohne metaphysische Antworten. Es gibt eine Art Pädagogik zum Hedonistischen, die daran glaubt, dass es besser ist, Spaß zu haben als sich Gedanken zu machen. Aber reicht das aus? Welchen Halt kann so eine Philosophie in Lebenskrisen und tragischen Situationen geben?

Josef Jung

Interview mit der taz vom 23.02.2014:  http://www.taz.de/!5047929/

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