„Und der Mensch wurde Maschine…“

Die Spielereihe Crysis, erschaffen von der Firma Crytek, steckt voller biblischer Vergleiche. Ein einzigartiges Thema sticht heraus: Der Mensch muss Maschine werden, damit er die Maschinen bekämpfen kann. Die daran sichtbar werdende Allegorie kennen wir aus der Bibel.

E3 Expo (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles

Foto: dpa /picture alliance

Der Kampf gegen eine fremde Spezies

Die USA intervenieren auf einer Insel in Thailand. Zu dem Einsatz werden Soldaten mit speziellen Anzügen, so genannten Nanosuits, entsendet. Sie verleihen dem Träger verbesserte Fähigkeiten: Sie können unsichtbar und unverwundbar machen, auch erhält der Träger gesteigerte körperliche Fähigkeiten. Das spezielle Einsatzteam soll auffällige Aktivitäten auf der Insel überprüfen. Es entdeckt Aliens, welche versuchen die Welt zu erobern. Die Aliens erobern schließlich die gesamte Welt und es entstehen erbitterte Kämpfe. Ein Überlebender der Nanosuitsträger überlebt die Kämpfe und stoppt die Alieninvasion vorerst, indem er seinen Anzug nutzt. Der Träger namens „Prophet“ verschmilzt mit dem Anzug durch Interaktionen mit den Aliens. Er wird halb Mensch halb Maschine.

Im letzten Teil der Serie wird aufgedeckt, dass die Firma „CELL-Coorporation“ Energie aus dem noch schlafenden Alienanführer – einer riesigen Maschine – saugt, um einen Schutzmantel um New York zu legen. Als der Alienanführer ungewollt entfesselt wird, tritt Prophet auf und zerstört den Alienanführer. Die letzte Frage, die er stellt, lautet: „Was bist du bereit zu Opfern, um die Welt zu retten?“. Er beantwortet sich die Frage mit: „mich selbst“.

Die Menschmaschine opfert sich

Es existieren viele Parallelen zwischen der Bibel und dem Videospiel Crysis. Der Name des Hauptprotagonisten ist sicher nicht zufällig gewählt. Der Charakter „Prophet“ ist deshalb so benannt, weil er ständig von Zukunftvisionen heimgesucht wird. Sie beziehen sich auf den Untergang der Aliens und die danach existierende Welt. Er kommuniziert die Bilder mit weiteren Protagonisten, geglaubt wird ihm aber nur von engsten Vertrauten.

Im Laufe der Geschichte wird klarer, dass der Hauptprotagonist nicht wusste, welches Risiko er mit dem Überstreifen des Anzugs auf sich nahm. Der Anzug erhält teilweise die Kontrolle über Prophet und er konnte den Nanosuit nicht mehr ausziehen. Nur unter physischen Einfluss konnte der Körper im Anzug herausgenommen werden. Zwar verlor Prophet einen Teil seiner Menschlichkeit, er wurde aber ein Stück weit Maschine und somit unsterblich. Dieser Schritt war notwendig, um die Aliens zu besiegen.

Prophet kam auf die Idee, sich in das Netz der Aliens zu „hacken“ damit er die Kontrolle über sie übernehmen konnte. Nachdem der erste Hack stattgefunden hatte, versuchte der Alienanführer „Alpha-Ceph“, wiederholt Prophet zu manipulieren. Es begann ein Kampf der Gedankenkontrolle, der Alpha-Ceph wollte in den Kopf von Prophet gelangen, dieser widerstand. Prophet behielt die Kontrolle über seine Gedanken und konnte sich in den Alpha-Ceph Hacken, durch die erlangte Kontrolle wurde der Hauptprotagonist nahezu unsterblich.

Parallelen zur Bibel

Die Geschichte von Prophet und den Aliens ähnelt stark der Menschwerdung und dem Tod Christi. Christus wird Mensch, damit er die Menschen erlöst. Er nimmt somit eine fleischliche Hülle an, genau wie Prophet einen Anzug.

Die Aliens und der Alpha-Ceph symbolisieren die Sünde. Sie versuchen die Menschheit zu töten, und hetzen zwei Parteien gegeneinander auf: Die CELL-Corporation, welche auf Profit aus ist und die US-Hauptstreitkräfte, die die Welt retten wollen. Letzten Endes verliert die Sünde, da der Prophet die Welt rettet, indem er die Aliens in einem heroischen Kampf tötet.

Ebenso versucht der Anführer der Aliens dauerhaft den Hauptprotagonisten zu verführen, um Macht über ihn zu erlangen. Das misslingt ihm und der Hauptprotagonist behält die Oberhand und erlöst die Welt vor der Belagerung der Aliens.

Warnung vor der digitalen Welt

Das Videospiel warnt ebenso vor der digitalen Welt. Die Sorge entsteht, dass Maschinen eines Tages die Welt übernehmen und somit die Menschen auslöschen könnten. Sie wären unberechenbar und hätten kein Erbarmen.

Der Hauptprotagonist stellt an letzter Stelle die Frage: „Der Mensch wird durch die Maschine unsterblich. Was jedoch passiert, wenn die Maschine, zu dem der Mensch wurde, versagt?“. Eine klare Anfrage an die Digitalisierung. Wenn der Mensch zur Maschine wird und somit seinem biologischen Verfall entgeht, ist der Mensch von einem maschinellen Verfall betroffen. Schließlich wird die Maschine versagen und darin zeigt sich – trotz Digitalisierung – die Menschlichkeit.

Ebenso wird im zweiten Teil der Serie ein junger Soldat aus seinem Nanosuit herausgenommen. Er verliert seine digitalisierte Form und wird zum Menschen. Der Sturz wirkt sich auf seine Psyche aus und er bemerkt, dass er wieder sterblich wird. Im weiteren Verlauf, will der Soldat dringend seine alte Form wiederhaben.
Hier entsteht ein Zwiespalt zwischen beiden Protagonisten. Prophet auf der einen Seite, der seinen Nanosuit für die Rettung der Welt behält und auf der anderen Seite Psycho, der aus seinem Anzug herausgenommen wurde und jetzt wieder Mensch ist. Während einer Szene wird Prophet von Psycho gerettet, weil er als Mensch gegen die Angriffe immun ist. Nach dem Verlust seiner Frau verzweifelt Psycho am Verlust seines Anzugs. Er hätte damit seine Frau retten können. Prophet sagt hingegen, dass Psycho weil er Mensch ist, ihn vor den Stromstößen retten konnte. Hierbei entpuppt sich die menschliche Form als ebenso notwendig für das Heilsgeschehen. Ohne die menschliche Form Psychos würde Prophet seine Aufgabe, die Welt zu retten, nicht erfüllen können.

Ende gut…

Die Endszene zeigt Prophet vor einem Spiegel. Man erkennt seine Haut und er steht ohne Anzug dar. Nur zwei Stellen zeigen, dass der Anzug noch vorhanden ist: Seine Haut wölbt sich wie die ehemalige Aktivierung des Schutzpanzers und als Prophet aus der Szene geht, wird er unsichtbar. Somit ist Prophet vollkommen Maschine und vollkommen Mensch.

Alexander Radej

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