2Pac: Mensch, Musik, Mythos und Ghetto Gospel

Zwar starb 2Pac bereits 1996, aber er ist nach wie vor eine lebendige Person für den American Rap oder die Ghetto-Kultur. Bei 2Pac geht es vor allem um den Lifestyle für den er steht und darum, welche Hoffnung er verkörpert.

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Bild: $amii / flickr.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0

„The words that I say are words that come from a pimp’s mouth or a prostitute“

2Pac wurde 1971 in East Harlem, New York City als Lesane Parish Crooks geboren und bereits 1972 in Tupac Amaru Shakur umbenannt. Shakur ist der Name seiner Mutter, Túpac Amaru bezieht auch auf den peruanischen Revoluzzer José Gabriel Tupaq Amaru, der 1780 einen Aufstand gegen die Spanier anführte. Dieser politische Namenspatron kommt daher, dass 2Pacs Eltern der Black Panther Bewegung angehörten. Die Identität 2Pacs wurde nicht durch die verwirrende Namensgebung beeinflusst, sondern, wie 2Pac selbst in Interviews immer betonte, durch den fehlenden Vater. Dazu sagte 2Pac selber: „I know for fact that had I had a father,  had I had some of these opportunities… I could have been a better son. It was the absense of my father…“ Statt eines Vaters wurden, wie er sagt, „pimps and prostitutes“ seine Vorbilder.

„where I got off track“ – wie ich auf die schiefe Bahn geriet

2Pac hatte nach eigener Aussage seine besten  Jahre zwischen 1986-1988. Nach vielen Umzügen wohnte er in diesem Zeitraum schließlich mit seiner Mutter in Baltimore, Maryland. Dort besuchte er die Baltimore School for the Arts und belgte u.a. Kurse in Literatur und Theater. Er entdeckte seine künsterlische und kreative Seite, laß Bücher und schätze Bildung. Aber die schöne Zeit sollte schnell wieder vorbei sein, als seine Mutter 1988 nach Main City in der San Francisco Bay Area zog. 2Pac musste wieder ganz neu anfangen und geriet auf die schiefe Bahn. Er lernte die Ghettos von Oakland kennen, kam in Kontakt mit Zuhältern, Drogendealern und allem was zum Untergrund gehört.

Kontakt zur Plattenindustrie und Durchbruch

Bereits 1987 begann 2Pac damit Platten aufzunehmen. 1989 besuchte er Dichterkurse bei Leila Steinberg, wodurch er mit der Rap-Szene in Kontakt bekam und schließlich eigene Alben veröffentlichen ließ. In den früheren 90ern nahm sein Erfolg, aber auch seine Konflikte zu. Es entwickelte sich eine Feindschaft zu anderen Rappern wie „The Notorious B.I.G.“, die auch in Gewalt eskalierten. 1994 wurde 2Pac angeschossen, 1995 wurde er wegen sexualler Belästigung verurteilt und verbrachte fast 12 Monate im Gefängnis. 2Pac selbst bestritt die Anschuldigungen.

1995 war für ihn aber auch ein beruflich erfolgreiches Jahr.  Es gelang ihm der große Durchbruch mit dem Album „Me Against the World“. Das Album stieg auf Platz 1 in den US-Charts und wurde über 3 Millionen Mal verkauft. Im gleichnamigen Lied singt er über die Ghettoerfahrung und beklagt die dortigen Lebensumstände: „Can’t raise the children cause they’re illin / Addicted to killin and the appeal from the cap peelin / Without feelin, but will they last or be blasted?“

Tod und Mythos

2Pac veröffentlichte zu Lebzeiten noch ein weiteres Album, dass die Chartspitze eroberte: „All Eyez on Me“, bevor er im September 1996 ein weiteres Mal angeschlossen wurde und an seinen Verletzungen starb. 2Pacs Hoffnung, die 1994 in einem Interview wiederholte, in 10 Jahren noch am Leben zu sein, wurde nicht erfüllt. Seit seinem Tod im Krankenhaus ranken sich Mythen über 2Pacs angebliches Weiterleben. Wer genau 2Pac erschossen hat ist ungeklärt und die Verschwörungstheorien darüber sind Legion. Immer wieder wird behauptet 2Pac sei nicht gestorben, sondern wollte nur keinen Ruhm mehr. Im Netz sammeln sich tausende Artikel und Bilder, die 2Pac nach dessen offiziellem Tod gesehen haben bzw. zeigen wollen. Was auch immer davon zu halten ist, die Mythen und Verschwörungstheorien helfen dabei die „Marke“ 2Pac bis heute lebendig zu halten.

2Pacs Musik und Philosophie

Kritiker haben immer bemängelt 2Pac spiele nach seinem Erfolg nur noch das „Thug life“, also das Gangstaleben, sei aber in Wirklichkeit nur ein Produkt der Plattenindustrie, schließlich lebe er nicht mehr im „Ghetto“. 2Pac selbst hat darauf seine Aufgabe beschrieben als „I’m doin‘ God’s work“. Gott habe ihm gezeigt, wie das Leben eigentlich sein sollte. Er sah sich auch als Helfer für die „Ghetto-Kids“: „These Ghetto-Kids ain’t God’s children? – And I ain’t see no missionaries comin‘ to there. […] When Reverent Jackson doin‘ his job in the middle class and he goes to the White House having dinner and pray over the president. I am up in the hood doing my work with my folks. Just because I don’t live there don’t mean I don’t go there. I got to go there because I can’t hang nowhere else.“  Wie konkret es nun auch ausgesehen haben mag, deutlich wird das verkündete Selbstverständnis 2Pacs: Rap um den Ghetto-Kids zu helfen.

Tatsächlich sind seine Lieder keine Glorifizierungen des Ghettos, sondern Klagen und mitunter Ermutigen es dort raus zu schaffen.Dabei scheint für 2Pac auch der Glaube eine Rolle zu spielen. Er sprach in Interviews und Liedern mehrmals über Gott ohne sich zu einer bestimmten Religion zu bekennen. Dennoch zeigen sich in vielen Liedern verkündende Züge mit heilsgeschichtlichen Hoffnungsszenarien, etwa im postum erschienen Lied „Ghetto Gospel“:

„Before we find world peace
We gotta find peace and end the war in the streets
My ghetto gospel […]

Lord can you hear me speak!
To pay the price of being hell bound…“

Das Lied „Ghetto Gospel“ ist also inhaltlich eine Art moderner Psalm, ein Gebet und Hoffnungsschrei zu Gott. Auch wenn 2Pac jung gestorben ist, die im Lied ersehnte Hoffnung bleibt bestehen.

Josef Jung

Siehe auch: Gottes Geist im Ghetto? – Der Rapper Eminem

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