Moskauer Impressionen

Moskau ist ein Abenteuer und vieles in dieser Stadt ist anders, als es stereotype Meinungen nahelegen. Impressionen aus der Hauptstadt Russlands, die näher am Westen ist als generell vermutet.

aeroflot-maschinie

Russische Flugerfahrung

Wer nach Moskau aufbricht, begibt sich in den Augen der Zeitgenossen in ein Abenteuer. Wer sich dann Aeroflot anvertraut, staunt erst einmal, wie verständlich eine Homepage aufgebaut sein kann. Er fliegt auch nicht alleine, sondern in einer vollbesetzten Maschine mit vielen jungen Leuten. Gefahr besteht wie bei anderen Fluglinien nur vom Vordermann, der einem ohne Ankündigung den Sitz in den Bildschirm des Notebooks oder ins Gesicht rammen kann. Dafür gibt es Getränke sowie eine warme Mahlzeit, auch in der Economyclass ohne Aufpreis.

Moskau hat drei Flughäfen. Landet man auf dem internationalen Sheremeteyevo, auch Hauptflughafen von Aeroflot, im Norden der Stadt, ist es zwar eine Wegstrecke zu Laufen, bis man den S-Bahnzug erreicht, der einen dann ohne Halt bis in die Stadt bringt. Man kann leicht in die Metro umsteigen. Mit 8 Hauptlinien berühren fast alle den Stadtkern und bieten viele Umsteigemöglichkeiten. Anders als in vielen Städten Deutschlands scheinen die Rolltreppen gut gewartet zu sein. Man findet die üblichen Reparatursperren nicht wie oft in Deutschland.

Moskau ist sauber und geräuscharm

Kölner u.a. Großstädter können von Moskau lernen, wie man eine Riesenstadt sauber hält. Auch am Sonntag sind Sprengwagen unterwegs, das Laub bleibt wegen der vielen fleißigen Hände nicht lange liegen. Anders als z.B. Frankfurt findet der Drogenhandel nicht unter den Augen der Passanten statt. Erstaunlich ist der niedrige Lärmpegel dieser Zwölf-Millionenstadt. Zudem sind viele Wohnhäuser in Hinterhöfen platziert, so dass eine Straße kaum zu hören ist. Stadteile sind von Wald umgeben.

Foto: hinsehen.net

Foto: hinsehen.net

Moskau ist westlich

Geht man durch die Stadt, dann erinnern nur die kyrillischen Buchstaben sowie die goldenen Kuppeln der Kirchen daran, dass man nicht durch eine westliche Einkaufsstraße flaniert. Auch das Kaufhaus GUM direkt am Roten Platz ist von den Auslagen westlicher Marken geprägt. Beobachter sagen, dass die Russen immer weniger inländische Produkte kaufen, weil sie deren Qualität misstrauen. Ebenso wenig sieht man den russischen Lada auf den Straßen, dafür viele europäische und japanischen Marken. Wer eine Serie des Audi A8 sehen will, findet dieser z.B. vor der Zentralverwaltung der Eisenbahnen. Audi ist es gelungen, auch die Regierung auf ihre größte Limousine einzuschwören.

Maßnahmen gegen Terrorakte
In Moskau kann man bereits erleben, was wahrscheinlich in unseren Städten auch kommen wird: Gepäck- bzw. Taschenkontrollen und das Durchgehen durch eine elektronische Schranke wie am Flughafen. Vor Banken, Behörden, in Kaufhäusern und auch einzelnen Kirchen wird kontrolliert, ohne dass Ausweispapiere verlangt werden.

Foto: hinsehen.net

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Das Zentrum eines Imperiums

Bereits Wien lässt den Glanz des Habsburgischen Imperiums ahnen. So wie das Zarenreich größer als das Österreichisch-Ungarische war, so viel größer ist der Rote Platz im Vergleich zu der Wiener Hofburg. Auch ein größeres Flugzeug als das von dem jungen Deutschen Mathias Rust 1987 gesteuerte könnte dort landen. Rust wich allerdings auf die benachbarte vierspurige Brücke aus, weil so viele Fußgänger auf dem Roten Platz waren und nicht verstanden, dass das über ihnen kreisende Flugzeug landen wollte.
Das Leninmausoleum liegt etwas verloren unterhalb der Kremlmauern. Der Kreml, übersetzt Festung, ist von einer hohen Mauer umgeben. Neben den Regierungsgebäuden gibt es einen eigenen Bezirk mit traditionsreichen Kirchen, die meisten sind wieder instand gesetzt. Die Kirche des Patriarchen, die Christus-Erlöser-Kathedrale, liegt etwas entfernt vom Kreml, auch an der Moskwa. Die Christuskathedrale wurde als Dank für den Sieg über Napoleon errichtet und 1835 fertig gestellt. Sie unter Lenin gesprengt und auf den Fundamenten ein Schwimmbad eingerichtet, nach dem Ende des Kommunismus entsprechend den alten Plänen neu errichtet und 2000 wieder eingeweiht.

Verkehr und intelligente Ampeln

Wer eine Straße überqueren will oder im Auto auf Grün wartet, kann oberhalb der Lichter die Sekunden ablesen, wann die Ampel auf Grün bzw. Rot springt. Das sei allen westeuropäischen Städten empfohlen.

Viele Hilfsdienste, kaum Arbeitslosigkeit

In Moskau sieht man viele fleißige Hände, das herabgefallene Laub war am gleichen Tag aufgekehrt. Das hängt auch mit einer kommunistischen Erbe zusammen: Keiner soll ohne Arbeit sein, das auch bei dem jetzigen Rückgang der Wirtschaft, ausgelöst durch den niedrigen Ölpreis und die Embargomaßnahmen. Es werden Löhne reduziert, später oder gar nicht ausgezahlt. Auch deshalb brauchen Familien in der Regel das Einkommen bieder Eltern.

Es geht ohne Spülmaschine

Für Studierende u.a. Haushalte ohne Spülmaschine sei ein Schränkchen über der Spüle empfohlen. Es hat eine Plastikschale unter einem Gestellt, in das man Teller, Tassen und Gläser zum Trocknen stellt.

My Home is  My Castle

Viele Wohnungen sind mit einer zusätzlichen Stahltür bewehrt. Einbrechern wird es schwer gemacht. Etwas ungewohnt sind die Zimmertemperaturen, wenn schon im Herbst die Heizung läuft. Da die Heizkörper meist an eine Fernheizung angeschlossen sind und sich nicht regulieren lassen, ist es entsprechend warm. Die Bewohner sind sommerlich bekleidet, wenn sie nicht zu einem Gang außer Haus aufbrechen.

 Restaurants

In Moskau findet man nicht nur italienische und amerikanische Ketten, sondern auch Restaurants der Kaukasus- und zentralasiatischen Länder. Empfohlen seien die Selbstbedienungsrestaurants russischer Küche, in denen man sich sein Menü selbst zusammenstellen kann.

Englischspoken und durchgehende Freundlichkeit

In den Schulen lernt man auf jeden Fall Englisch. Es ist leicht, jemanden zu finden, der einem in Englisch weiterhilft.

Ausländer, die länger in Russland leben, sehen die größte Stärke des Landes in der Herzlichkeit seiner Bewohner. Noch eines: Wer viele schwergewichtige Menschen vermutet, ist über das gute Aussehen und die selten wuchtige Figur der Passanten überrascht, sie ähneln mehr denen in Paris als den New Yorkern.

Eckhard Bieger S.J.

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