Kiew Sophienkathedrale

Turm der Kiewer Sophienkathedrale Foto: hinsehen.net

Turm der Kiewer Sophienkathedrale Foto: hinsehen.net

Durch dieses Tor unter dem großen Turm gelangt man auf das Gelände der Sophienkathedrale. Über dem Fluss Dnjepr auf einer Höhe liegt diese bedeutendste Kirche Kiews. Sie ist der Hagia Sophia in Konstantinopel nachgebaut. Es war nicht nur die Hauptkathedrale, es waren auch Griechen oder von Konstantinopel ernannte Erzbischöfe, Metropoliten, die über Jahrhunderte der Kirche der ostslawische Christenheit leiteten.  Der Fluss war die Verbindung zwischen Skandinavien und der Ostsee nach Byzanz. 2201 km lang ist der Dnjepr, er mündet westlich der Krim ins Schwarze Meer. Von Kiew aus wurden die Ostslawen missioniert. Die Stadt war im Mittelalter die größte europäische Ansiedlung, bis sie 1240 von den Mongolen zerstört wurde. Der Fluss als Handelsweg erklärt zu einem guten Teil, warum sich Kiew nicht nach Westen, sondern nach Süden wandte. Wegen seiner Lage, die es neben der Südachse zu einer Kreuzung des West-Ost-Handelsweges machte, war es die natürliche Hauptstadt. Bereits im frühen Mittelalter und dann zur Zeit der Hanse führte eine Fernstraße aus Mitteleuropa über Krakau und Lemberg nach Kiew. Bereits ab 882 hatte Kiew eine Hauptstadtfunktion für das Gebiet, 988 ließ sich der Großfürst Wladimir taufen. Er regierte von  978-1015. Mit der Christianisierung gründete sein Nachfolger Jaroslaw der Weise (1019-1054) Klöster, Schulen und eine erste Bibliothek. Wie Karl d. Gr. erkannten diese Fürsten, dass das Christentum mit seinen kulturellen Überlegenheit die Chance bot, ein Reich nicht nur militärisch aufzubauen, sondern auch auf Dauer durch Kultur und Recht zu festigen.

Von Byzanz kamen nicht nur die Bischöfe, es wurden die Schreibkunst, die Liturgie und die Theologie übernommen. Nach Konstantinopel, das schon vorher Byzanz hieß, hatte Kaiser Konstantin 330 die Hauptstadt des Römischen Reiches verlegtt. Er nannte sie Nova Roma. Wie in Trier, in Rom und Jerusalem ließ er große Kirchen bauen. In Konstantinopel baute er eine Basilika, die der Heiligen Weisheit geweiht ist. Diese und ein Nachfolgebau brannten nieder, die heutige, mit einer Kuppel aus Stein gedeckte Kirche wurde 537 fertig gestellt. In Kiew begann man mit dem Bau eines großen Gotteshauses 500 Jahre später und orientierte sich an dem für den ganzen Osten maßgebenden Bau in Byzanz. Die Heilige Weisheit, der auch die wichtigste Kirche Kiews geweiht ist, wurde durch die Mongolen und später durch die Krimtartaren zerstört und im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut.  Da es in der Ukraine vier orthodoxe Kirchen gibt, hat der Staat sie als Museum ausgewiesen. Aber wie in anderen Kirchen darf man nicht fotografieren, um den heiligen Ort nicht zu entweihen.

Eckhard Bieger S.J.
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Kiewer Höhenkloster
Die Religion ist zurückgekommen
Kirchen in der Ukraine

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