Hat unser Planet ein Ziel?

Wohin entwickeln sich eigentlich unser Weltall und wir in ihm? Früher haben die Menschen versucht, aus dem Sternenhimmel die Zukunft zu erkennen. Steuern die Sterne unser Leben? Hängt unser Lebensziel irgendwie mit dem Universum zusammen? Was sind die Triebkräfte unserer Zivilisation? Kommt sie an ihr Ziel, wenn jeder von Google&Co digital erfasst und damit steuerbar wird? Wir können erst einmal sagen, dass das ganze Universum und speziell die Biosphäre auf Entwicklung angelegt ist.

Foto: hinsehen.net

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Im Rückblick wissen wir, dass unser Weltall mit dem Urknall aus einem Punkt heraus entstanden ist und sich immer weiter ausdehnt. Wir selbst stammen aus einer langen Kette von Lebewesen, die sich von Einzellern herleiten, die im Meer entstanden sind. Wir leben also nicht in einem statischen Kosmos, wo alles seinen Platz hat, sondern in einem dynamischen Weltall, in dem neue Sternhaufen entstehen, Materie in Schwarzen Löchern verschwindet und das ganze Weltall sich von einem einzigen Punkt aus immer weiter ausdehnt. Der Mensch selbst ist Produkt einer langen Evolutionskette. in den letzten 100 Jahren hat er sich eine Zivilisation geschaffen, die alle Abläufe noch einmal beschleunigt. Es scheint alles auf ein Ziel hinzulaufen. Aber was ist dieses Ziel?

Lernen, Sich entwickeln

Gehen wir nur vom Menschen aus, dann kommt dieses Wesen ziemlich auf die Welt und muss sich selbst erst einmal entwickeln. Körperbeherrschung, Sprache, Wissen, Fertigkeiten, Gesundheitsmanagement, Leitungskompetenz, etwas Aufbauen – das muss der Mensch sich aneignen, nur um sein Leben bis zum Tod zu gestalten. Im Blick auf das Zusammenleben braucht es ein Rechtssystem, die Kanalisierung von Macht, soziale Sicherungssysteme, Bildungseinrichtungen, Verkehrswege, Technik, die von Menschen entwickelt und gesteuert werden müssen. Das ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil der Mensch überleben muss und seine Spezies wie andere Tiere Nachkommen braucht. Über lange Epochen gab es auch keine weiteren Entwicklungen. Es wurde das Bestehende bewahrt. Allerdings hat der Mensch wie Pflanzen und Tiere den Drang, die Grenzen seines Lebensraumes auszuweiten.

Lebewesen unterwerfen sich ihre Umwelt

Schon die einfachsten Pflanzenformen sind nicht nur in den Meeren bis in die größten Tiefen vorgedrungen, sondern auch in das Ewige Eis und in Wüstenregionen. Zugleich findet sich in den Lebewesen eine Dynamik der Entwicklung. Dafür müssen sich biologische Systeme von der Umwelt abgrenzen, um sich selbst organisieren zu können. Je höher der Organisationsgrad, desto mehr kann sich das Lebewesen die Umgebung zunutze machen, indem es diese gestaltet. Der Mensch hat sich durch die Technik alle Bereiche zunutze gemacht, selbst die Schneeflächen, den Luftraum und die Meere.
Entziffert man aus diesen Ergebnissen der Evolution wie aus den Erfolgen der menschlichen Intelligenz ein Ziel heraus, dann ist es die jeweils größere Inbesitznahme und Verwertung der Umwelt, ob Pflanzen bis in die Polarzone oder in Wüstengegenden vordringen oder der Mensch sogar andere Planeten in seine Zivilisation einbezieht. Dieses Ziel hat die Moderne zu einem großen Teil umgesetzt. Mit der Globalisierung hat der Mensch durch die Produktion von Gütern und die Herrschaftsmittel der Finanzindustrie ein Netz über den gesamten Globus gespannt, das durch das Internet auch bald jeden Handybesitzer unter seine Kontrolle gebracht haben wird. Die Globalisierung unterwirft alle Kulturen dem Prinzip des weltweiten Austausches von Gütern.

Technik, Rechtssystem, Universitäten

Für die immer weitere Indienststellung der umgebenden Welt braucht es nicht nur Technik und damit Natur- und Ingenieurwissenschaften, sondern auch die Organisation des Zusammenspiels, also Betriebs- und Volkswirtschaft. Was früher Politik genannt wurde, scheint zu einem Subsystem der Globalisierung geworden zu sein, das die noch bestehenden Schwachstellen der Ökonomie auffängt. Wenn die Wirtschaftsströme und die einzelnen Akteure durch die Digitalisierung krisenfest gemacht worden sind, braucht es keine Politik mehr.
In den Universitäten hat sich die Moderne eine Institution geschaffen, in der sich wie in einem Mikrokosmos die menschlichen Aktivitäten spiegeln. Nicht nur bildet diese Zielvorstellung der Moderne den Fächerkanon der Universitäten ab, die Universität ist selbst der Motor dieser Entwicklung und funktioniert aus dem Geiste der Inbesitznahme der Umwelt. Sie ist zugleich auch fähig, das technische System, mit dem der Mensch sich die Umwelt unterwirft und das damit die natürlichen Grundlagen seiner Existenz zerstört, infrage zu stellen.

Die Technik beantwortet die Zielfrage nur vorläufig

Es ist einsichtig, dass biologische Systeme, nämlich sich selbst steuernde Lebewesen auf Überleben und Ausweitung angelegt sind. Die Zellteilung und die Vermehrungsfähigkeit von Mehrzellern beinhalten eine Dynamik, die schon früh zur Besiedelung der Polarregionen, der Gletscherwelt wie der Wüsten geführt haben. Die Technik wurde zum Instrument der Menschenwesen, sich die Natur zu Diensten zu machen. Das setzte Sozialsysteme voraus, die nur durch entsprechende Organisationsstrukturen entwickelt werden konnten. Wissenschaft braucht Bibliotheken, Labore und Kooperation. Ein Auto braucht Straßen, Reparaturwerkstätten, Tankstellen, Abschleppdienste, also ein ganzes System. Eine Sonde in die Umlaufbahn eines Planeten zu steuern, ist nicht zuletzt eine Organisationsleistung. Das alles hat die Menschheit hinbekommen. Hat sie aber mit dem Betreten des Mondes ihr Ziel erreicht? Für die Techniker und Organisatoren ist das eine Lebensleistung.

Der Globalisierung liegt eine allgemeine Dynamik zugrunde

Wenn die Globalisierung einmal alle Weltgegenden in ihr Netz einbezogen und der digitalen Kontrolle unterworfen haben wird, hätte diese Entwicklung ihr Ziel erreicht. Wäre die Menschheit dann an ihr Ende gekommen, weil sie ihre Entwicklungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat? Sie könnte dann ihre Reproduktion einstellen und sich als Gattung von der Biosphäre dieses Planeten verabschieden. Man könnte dann erwarten, dass menschenähnliche Lebewesen von einem anderen Planeten die Erde neu besiedeln.
Aber wäre mit diesem selbstgewählten Abschied die Sinnfrage beantwortet, wenn die totale Durchdringung der Umwelt und dann noch die Vollerfassung jedes einzelnen Individuums, seiner Aktivitäten wie seiner Äußerungen erreicht ist? Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Sinnfrage zur Ruhe kommt, wenn alle Menschen Android-Handys nutzen, jede Bewegung und jeder Post auf einem Google-Server gespeichert sind, alle in Google-Autos fahren und Ärzte und medizinische Geräte alle vernetzt sind. Die Frage nach Sinn wird dann neu aufbrechen.

Es bleiben mehrere Fragen offen:
– Wie findet das einzelne Individuum Antwort auf seine Sinnfragen?
– Hat nicht nur der Mensch, sondern der Kosmos insgesamt ein Ziel?
– Was macht das Menschengeschlecht mit den großen Katastrophen, nämlich den vielen Kriegen und der Vernichtung ganzer Volksgruppen?

Eckhard Bieger S.J.

 

Ein Gedanke zu “Hat unser Planet ein Ziel?

  1. Kommentar zu Frage 1: (ähnlich bei Thomas von Aquin, wie ich es verstanden habe): Der einzelne Mensch braucht dazu drei Dinge:
    a. das Wissen, welcher Weltanschauung er annehmen soll, wenn er die Wahl hat
    b. das Wissen, was er erstreben soll; welche Ziele er sich setzen soll
    c. das Wissen, welche Handlungsziele er sich setzt.

    Nach meiner Überzeugung sind dies die schwierigsten Fragen, die jeder Mensch für sich beantworten muss, wenn er dazu die Wahl hat.
    Das trifft aber für alle Entscheidungsträger zu.
    Nach meiner Überzeugung gelingt das nur durch den Glauben an die Christliche Offenbarung.
    Ohne Information von „außen“ (nämlich von Gott) kann weder der einzelne Mensch noch die Menschheit als ganzes eine Sinnfrage eindeutig beantworten.

    Kommentar zu Frage 2:

    Kosmos und Menschheit konnten sich nur zum heutigen Stand entwickeln, weil dieser Entwicklung vom Beginn der Welt an eine Information zugrunde lag, die von Anfang an gegeben war. Diese Entwicklung setzt sich fort und Gott ist ihr Urheber. Ein Beginn einer Zufalls-Entwicklung ohne gegebene Information ist schon aus statistischen Gründen nicht möglich.

    Kommentar zu Frage 3:

    Die Menschheit besteht aus vielen einzelnen Individuen mit widerstrebenden Handlungszielen. Daher wird es immer wieder Kriege und auch Naturkatastrophen geben, die auf die missbräuchliche Nutzung der Natur zurück gehen.
    Dadurch kann der Bestand der Menschheit als ganzes gefährdet werden.
    Wenn sich ein großer Teil der Menschheit entschließen könnte, nach Christlichen Maßstäben zu leben, so könnten diese Gefahren abgemildert werden, wenn auch nicht völlig beseitigt werden.
    Die Frage ist nur, ob dies bei zunehmender Gefährdungslage eine individuelle Entscheidung jedes einzelnen
    sein darf.

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