Gottesbeweise 2: Gott kommt im Menschen vor

Gott erscheint auf keinem Bildschirm, er kann nicht gemessen werden und kein Kernspintomograph entdeckt ihn in einem Gehirn. Wenn denn Gott der Schöpfer dieser Welt ist, dann kann er weder räumlich noch zeitlich erfasst werden, denn Raum und Zeit gibt es erst mit unserem Universum. Deshalb gibt es keine Gottesbeweise im heutigen wissenschaftlichen Sinn. Aber Gott kommt auf dieser Welt vor, ihm werden ihm Kirchen gebaut. Menschen sagen, dass sie mit Gott Erfahrungen gemacht haben. Gott ist nicht in unserem Gehirn, aber in unseren Gedanken.

Der Mensch in einem Gotteshaus

Der Mensch in einem Gotteshaus

Gott kann nicht so sein wie der Mensch

Die Vorstellung von Gott tragen die Menschen als Vielgottglaube oder auch als Monotheismus durch die Geschichte. Die Entstehungen dieser Vorstellungen lassen sich zu einem guten Teil psychologisch erklären, also dass sie aus Bedingungen entstanden sind, die wir beschreiben können. Damit lassen sich die verschiedenen Vorstellungen von Göttern wie von Gott erklären. Aber nicht alles ist Psychologie. Denn die Psychologie kann nur solches erklären, was sich auch anders hätte entwickeln können. Die Philosophie arbeitet das heraus, was so sein muss.

Auch der Atheismus denkt Gott wie die Theisten, nämlich dass Gott, anders als wir, nicht von einem anderen herkommen kann. Wäre ein anderer oder ein größeres Universum Ursache für Gott, dann wäre nicht er Gott, sondern das bzw. der andere die letzte Ursache. Im Hinduismus sind die Götter nicht die letzte Ursache, sondern Emanationen des Universums. Da ist dann das umfassende Universum die letzte Ursache. Gott muss, um Gott zu sein, ursprungslos sein. Er muss auch aus sich notwendig sein, denn sonst würde ein anderes bzw. ein anderer entscheiden, ob er sein soll. Nur wenn Gott ganz aus sich selbst ist, ist er Gott.

Der Gottesgedanke und die aktuelle Astronomie

Die hier formulierten Gedanken sind nicht neu. Neu ist, – wie es die Beiträge von Philipp Müller gezeigt haben  (Links s.u.) – dass durch die Erkenntnisse der Physik die Fragen deutlicher gestellt werden können. Aristoteles u.a. gingen noch davon aus, dass unser Kosmos selbst keinen Anfang hatte. Das können wir  nicht mehr annehmen. Es gab eben vor dem Urknall keine Zeit, deshalb muss die Ursache unseres Kosmos zeitlos sein. Gleiches gilt für den Raum. Unser Weltall ist nicht in einen vorhandenen Raum hinein geschaffen worden, sondern Raum gibt es erst mit dem Urknall. Gott kann daher weder der Zeit noch dem Raum unterworfen sein. Aber wie kann der Gedanke eines anfangslosen Gottes in einer zeitlich geprägten Welt auftreten? Die Frage nach der Gottesidee verschärft sich noch durch die Evolution.

Notwendigkeit in einer zufälligen Intelligenz

Unser Gehirn ist ein Produkt des Zufalls. Die Evolutionstheorie besagt, dass zufällige Veränderungen, die sich als überlebensfähig erwiesen haben, zur Entwicklung unserer tierischen Vorfahren und dann zum Menschen geführt haben. Durch Ausgrabungen können die Entwicklungen zum Menschen immer genauer beschrieben werden. Wenn unsere Existenz von innen her durch den Zufall bestimmt ist, dann ist es doch umso erstaunlicher, dass wir die Idee von etwas bzw. jemandem entwickeln können, der aus sich heraus notwendig ist. Zudem muss dieses Wesen die Fähigkeit haben, ein ganzes Weltall ins Dasein zu rufen. Der Zufall trägt also etwas Absolutes mit sich. Zumindest kann der Mensch es denken.

Auch wenn Gott nicht ein Teil dieser Welt ist, durch kein Messverfahren dingfest gemacht werden kann, gibt es die Idee von Gott. Zumindest im Menschen muss es etwas geben, das diese Idee entwickeln und verstehen kann. Der Mensch ist auch Träger anderer Ideen, die nicht dem Zufallsprinzip entspringen können. So wird die Idee der Gerechtigkeit nie zu realisieren sein, aber jede Generation entdeckt sie neu. Oder die unantastbare Würde des Menschen. Sie wird jeden Tag durch Erfahrungen widerlegt, verliert aber dadurch nicht ihre Gültigkeit. Im Verlauf vor allem der jüdischen Religionsgeschichte, wurden diese Ideen mit Gott verbunden. Er will Gerechtigkeit und die Achtung der Würde der Menschen.

Platons Idee von den Ideen

In seinen Dialogen lässt Platon die Ideen durch Sokrates aus den Gesprächen herausfiltern. Der Mensch bringt sie mit in diese Welt. Die auf dem Zufallsprinzip aufbauende Evolutionslehre bestätigt Platon indirekt. Wir finden in dieser Welt weder Gerechtigkeit noch wird die Würde des Menschen durchgehend geachtet. Was eigentlich unbedingt gelten sollte, wird ständig durch die Erfahrungen widerlegt. Trotzdem sind diese Ideen unausrottbar. Es ist unwahrscheinlich, dass die Genomanalyse einmal die Gene benennen könnte, die diese Ideen ihren unabdingbaren Gültigkeitsanspruch verleihen und sie dann noch an die nächste Generation vererben. Deshalb können sie nicht angeboren sein und doch tragen wir sie in uns. Sie entspringen auch nicht aus dem Zufall.

Wir können festhalten: In dem Zufallswesen Mensch gibt es etwas Notwendiges, was seinen Ursprung deshalb nicht in der Erbfolge haben kann, weil es dann schon längst unter dem Zwang der Anpassung an die faktische Welt hätte aufgegeben werden müssen. Die Vorstellung von etwas Notwendigem ist die Voraussetzung dafür, dass wir Gott denken können. So ist der menschliche Geist der Ort, wo die Vorstellung von einem Wesen außerhalb von Raum und Zeit genau in der von Zeit und Raum konstituierten Welt vorkommt. Was wäre die Konsequenz, wenn die Vorstellung von Gott nicht aus der Evolution und damit  dem Zufall herstammen kann? Dazu folgen weitere Beiträge.

Eckhard Bieger S.J.

Links:

Big Bang, Anfrage an den Atheismus
Gott ist nicht in Raum und Zeit
Die Relativitätstheorie holt den Kosmos aus der Unendlichkeit

Ein Gedanke zu “Gottesbeweise 2: Gott kommt im Menschen vor

  1. Pingback: Gott – ein Jemand oder eine Kraft? | hinsehen.net

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