Feine Sahne Fischfilet: „Warten auf das Meer“. Vom postreligiösen Umgang mit Leid und Tod

Die Band „Feine Sahne Fisch Filet“ ist umstritten. Neben Artikeln in DIE WELT und DIE ZEIT sowie Auftritten bei „Rock am Ring“ und „Hurricane“, hat der Verfasungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern ein Auge auf die Band geworfen. Ihr wird eine Nähe zur autonomen Szene und zur Antifa vorgeworfen. Die Band passt mit vielen Liedern jedoch genau in den postreligiösen Zeitgeist und das ist die Dimension, die hier entscheidend ist. So beschreibt das Lied „Warten auf das Meer“ das Sterben eines jungen Menschen und eine religiöse Dimension scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Was aber sind die Werte, um die es stattdessen geht? 

Viel zu jung an Krebs erkankt

Das Video zum Lied „Warten auf das Meer“ beginnt mit einer melancholischen Melodie, die bis zum Ende anhält. Das Video beginnt im Krankenhaus und endet auf hoher See. Eine kurze Einblendung einer Röntgen oder CT-Aufnahme lässt vermuten, dass der junge Erwachsenene an einem Hirnturmor erkrankt ist. Die Stimmung und das Ende des Videos machen deutlich, dass es keine Heilung geben wird. Dazu passt die Textzeile: „Das ist doch alles nicht gerecht, wieso es immer die Besten trifft.“ Wie geht man damit um, wenn junge Menschen unheilbar erkrankt sind, viel zu früh sterben müssen und keine Auferstehungshoffnung besteht?

Erinnerung an gute Zeiten

„Ich vergesse nie die Tage, da draußen auf dem Meer“, so heißt es im Lied, um an die guten Tage zu erinnern. Dieses Gemeinschaftserlebnis wird zum ausschlaggebenden Grund, um dem jungen Mann beim Sterben beizustehen. Die daraus entstandende Freundschaft ist der Wert, der auch in der Todesstunde besteht: „Du warst so für mich da, jetzt bin ich für dich hier“.

„Warten auf das Meer“

Das Meer ist in dem Lied der metaphysische Ort. Es ist Ausgangspunkt für eine Glücks- und Gemeinschafterfahrung und der Ort, an dem am Ende die Asche des verstorbenen jungen Mannes ausgetreut wird – „Warten auf das Meer“. Freiheit und letzte Ruhe sollen im Meer gefunden werden. Meer, gib ihm die ewige Ruhe. Was bleibt, so zeigt das Lied, sind die Erinnerungen. Das scheint alles zu sein. Kein Requiem, keine Auferstehungshoffnung. Am Ende des Videos ist der Freund des Toten einsam auf hoher See, die Wellen sind klein und das Boot wankt leicht. Jetzt gilt es ohne den Kumpel klarzukommen.

Josef Jung

 

 

 

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