Anno 2070: Es gibt keine Religion und keine Kirche mehr

„Anno“ ist der Titel einer Computerspielreihe. Die einzelnen Teile der Reihe behandeln punktuelle Epochen in der Menschheitsgeschichte. Sie spielen in chronologischer Reihenfolge in den Jahren 1404, 1503, 1602, 1701, 2070 und 2205. Interessanterweise gibt es ab dem Teil 2070, der in der Zukunft spielt keine Religion mehr. Sehen die Spieleentwickler damit das Ende der Religion in der Zukunft voraus?

E3 Expo (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles

Foto: dpa /picture alliance

Religion in der frühen Neuzeit, dem Mittelalter und in der Zukunft

„Es war im Jahre 1602, als wir die uns vertrauten Gefilde verließen, um in der Ferne unser Glück zu suchen, wohlwissend um das schier unberechenbare Risiko, welch solch gewagter Aufbruch in sich barg…“ Mit diesem Satz ist jeder betraut, der Anno 1602, den ersten Teil der Reihe gespielt hat. Der erste Teil in der frühen Neuzeit und handelt davon, dass man mit einem Schiff eine Insel bebaut und dort ein Dorf und schließlich eine Stadt errichtet.

Die Bewohner der neu gegründeten Stadt haben jedoch Bedürfnisse. Je mehr man diese bedient, je mehr entwickelt sich die Stadt. So kann man von einem Dorf, das aus Pionieren besteht zu einer Stadt voller Aristokratenhäuser aufsteigen. Neben den materiellen Bedürfnissen wie Nahrung und Kleidung gibt es immaterielle wie Religion. Das heißt konkret, dass die Bewohner in Anno den Bau einer Kapelle und später den einer Kirche verlangen. Dieser Bau ist notwendig, damit das Dorf sich entwickelt. Alle historischen Anno-Teile setzen den Bau einer Kirche für die Entwicklung voraus. Das religiöse Bedürfnis wird als selbstverständlich angenommen.

Werden Kirche und Religion in der Zukunft der Vergangenheit angehören?

Anders ist es bei den futuristischen Titeln Anno 2070 und 2205. Da gibt es keine Kirche mehr. Die Welt, die man bebaut, ist eine rein technisch-mechanische geworden. Die Gebäude sind materialtisch-utilitaristischer Natur. Capitalism at its best. So kann man ein Stadtzentrum, eine Konzerthalle, Bildungscluster, Forschungslabore und ähnliches bauen aber keine Kirche. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist elementar in Anno 2070, das nach Religion existiert nicht mehr. Aufklärung und Modernisierung hat die Religion ersetzt und überflüssig gemacht? So scheint die These der Entwickler zu sein.

In Anno 2205 baut man Unterwassergebäude, welche mit nerdigen Namen und allerlei Zukunfts-Hightech daherkommen, aber wiederrum gibt es keine Religion mehr, keine Kirche und keinen Gott. Man kann eine Kolonie auf dem Mond errichten, aber nicht mehr zum Transzendenten vordringen, das jenseits aller Welteroberung liegt. Ist das wirklich ein Fortschritt?

Es scheint als gebe man schließlich Nietzsches proklamierten Gottestod, den er bereits im 19. Jahrhundert ausrief recht. Die Zukünftigen scheinen Gott nicht mal mehr zu vermissen. Als sei er ein Verstorbener, über den man vor Generationen trauerte, der nun jedoch nicht mal mehr einen Grabstein hat.

Doch die Anno-Teile der Zukunft beruhen lediglich auf Spekulationen. Niemand weiß, wie es wirklich sein wird im Jahre 2070.

Josef Jung

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