Der Sommer-Gott

Im Juni strebt die Sonne auf ihren Höhepunkt zu, den sie am Johannistag erreicht. Es ist die Zeit der Feste, der 1. Mai, Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam geben nicht nur mit Ihren Überbrückungstagen dem Tourismus Auftrieb, sondern auch den Wallfahrern. Das Himmlische wird anders erlebt als beim Gegenpol, der Wintersonnenwende, wenn das Dunkel die Sonne zu verschlucken scheint und der Retter in der Gestalt eines Kindes die Wende herbeiführt. Auch wenn die Kälte noch zunimmt, nach Weihnachten werden die Tage länger, die Sonne hat schon gesiegt. Je länger und kälter die Winter, desto wichtiger das Weihnachtsfest. Ganz anders der Sommer, hier gibt es allenfalls den Kampf gegen Hochwasser. Der Urgrund des Lebens zeigt sich anders, jedes Jahr neu.

Vergissmeinnicht 2

Die Fülle

Wenn der Frühsommer verregnet ist, dann wird das Blätterwerk dichter, die Gräser wachsen höher, Pfingstrosen und die anderen Blüten zeigen sich voller und prächtiger. Die Gärtner und Gärtnerinnen bringen mehr aus dem, was sie gesät haben, mit und sind vom Gießen entlastet. Je mehr wir in die Natur eintauchen, desto mehr spüren wir die Kraft in allem was wächst.

Das Paradies wird spürbar

Der Juni, der für uns noch  zum Frühsommer gehört, beschert uns die langen Abende. Wir können draußen sitzen, Grillen, Einladungen aussprechen, weil die meisten noch nicht als Urlauber unterwegs sind. Die Sonne verabschiedet uns erst spät, die Nacht streckt erst spät ihre kühlen Hände aus. Wir können den Mauerseglern zusehen, die uns noch in der Dämmerung ihre Flugkünste vorführen. Der Garten Eden scheint intakt. Erst morgen früh müssen wir die Klassenarbeit schreiben, uns den Staus aussetzen oder die üblichen Verspätungen ertragen. Abends, wenn wir alles hinter uns haben, auf dem Balkon, im Biergarten oder im eigenen Garten sitzen, wächst, blüht, summt und zwitschert das Paradies um uns herum, als sei das alles für uns so kunstvoll arrangiert.

Das Böse scheint überwunden

Mai und Juni, es gibt nur Gelungenes. Während der Fastenzeit im Frühjahr kämpfen noch Gut und Böse miteinander. Ist Ostern erreicht, spätester Termin ist der 25. April, gilt es nur noch, die Erlösung zu feiern. Was wir erst einmal nur als bloßes Versprechen und nicht als Realität einschätzen, nämlich dass zumindest abends die Pforten des Paradieses nicht geschlossen sind, wird durch die kirchlichen Feste in ihrer Wirklichkeit bestätigt, auf jeden Fall dann, wenn die Eisheiligen vorbei sind, also nach dem 25. Mai. Pfingsten und dann Fronleichnam feiern die Wiedereröffnung der Paradiesespforten. Der Engel hat tatsächlich das Schwert in die Scheide gesteckt.

Foto: hinsehen.net E.B.

Foto: hinsehen.net E.B.

Die Wallfahrt als Gottesbeweises

Wenn das Paradies schon hinter der Wohnungstür beginnt, warum machen sich Katholiken noch zu Wallfahrten auf den Weg. Viele Orte versprechen eine größere Nähe zu Gott. Wundersames ist dort geschehen. In Vierzehnheiligen sah ein Hirte das Jesuskind mit anderen Kindern spielen, in Walldürn hat der Wein aus einem umgestürzter Kelch den Gekreuzigten mit 11 Gefährten auf dem Corporale, dem Tuch, das unter dem Messkelch ausgebreitet ist, gezeichnet. An vielen Orten wird ein Splitter des Kreuzes Jesu aufbewahrt. Hier sind die Wallfahrten um das Fest Kreuzerhöhung im September organsiert. Dagegen werden die Orte mit Marienerscheinungen im Frühsommer von den Pilgern aufgesucht. Maria ist nicht nur in Lourdes und Fatima jungen Menschen erschienen, sondern auch in Altötting, Kevelaer, Telgte und nicht nur in einem Marienthal.

Wer das Ziel, erreicht und einen Gottesdienst mitgefeiert hat, der weiß, dass Gott den Menschen nicht endgültig aus dem Paradies vertrieben hat.

Eckhard Bieger

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