Atheisten als Inspiration: Womit sich der Katholikentag befassen sollte

Parallel zum Katholikentag in Leipzig veranstaltet die Giordano-Bruno-Stiftung die Gegenveranstaltung „Säkulare Tage“. Die „Säkularen Tage“ bieten – wie die Selbstdarstellung zeigt – alles, was der Katholikentag braucht. Es geht um die Fragen nach Gott, Glaube, Lebenswirklichkeit und Ethik. Warum dies nicht aufgreifen und positiv wenden?

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Foto: yoshinari. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Atheisten nehmen Religion ernst

Man kann sich darüber Sorgen machen, ob man „klimaneutral“ reisen kann. Man kann sich aber auch mit Religion befassen, wie es die Atheisten tun. Die Kernpunkte des Glaubens werden auf den „Säkularen Tagen“ in einer Rede von Michael Schmidt-Salomon gut zusammengefasst, wie die Autorin Daniela Wakonigg (Link zum Artikel) deutlich macht:

„Rund hundert Gäste haben dem seligen Schwelgen im Glauben auf dem Katholikentag Schmidt-Salomons radikale Desillusionierung vorgezogen: Unser Leben ist ungerecht, absurd und wir werden alle sterben. Aber das alles ist kein Grund, den fadenscheinigen Antworten der Religionen auf die Absurdität und die Ungerechtigkeit unserer Existenz aufzusitzen, findet Schmidt-Salomon. Vielmehr sei es notwendig, etwas gegen die Ungerechtigkeit zu unternehmen. Wer im Leben mehr Gerechtigkeit erfahre, müsse nicht auf einen Ausgleich der Gerechtigkeitsbilanz im Jenseits oder durch die Wiedergeburt glauben“

Bääääm – das ist Religionskritik in Reinform, die gleichzeitig die religiösen Inhalte ernst nimmt und – wenn auch in polemischer Rhetorik – ablehnt.

Die wirklich wichtigen Fragen

Aber sind das nicht die Fragen, um die es eigentlich bei Katholikentagen gehen sollte: Mache ich im Leben die Erfahrung von Gerechtigkeit oder scheint alles absurd zu sein? Wie gehe ich mit Tod und Sterben um? Gibt mir der Glaube einen tragenden Halt und eine Antwort auf die Fragen nach Sinn und Gerechtigkeit, trotz aller Erfahrung von Leid und scheinbarer Sinnlosigkeit? Wirkt mein Glaube auf andere positiv und verantwortbar? Ist der Glaube an die Auferstehung mehr als nur eine Vertröstung, nämlich die tiefste Hoffnung jedes Menschen?

Sind das nicht die Fragen, die wirklich jeden Menschen angehen und das Christentum ausmachen? Die „Säkularen Tage“ scheinen schon allein deshalb ein Segen zu sein, weil sie zeigen: Seht, das sind die Fragen.

Josef Jung

Link: Daniela Wakonigg: Tagebuch einer Ungläubigen – „Katholikentag Leipzig 2016“ – Tag 1

 

 

2 Gedanken zu “Atheisten als Inspiration: Womit sich der Katholikentag befassen sollte

  1. Pingback: Katholikentag 2016 · der andere Blick « Omnium Gatherum

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