Pfingsten 2016 – in welcher Kirche nimmt der Geist Gottes Wohnung

Der Geist überschattet Maria bei der Verkündigung des Engels. Er ist auch in den Kirchen gegenwärtig. So auch die Hagia Sophia, der großen Basilika Konstantinopels, heute ein großer, leerer Raum. Sie ist der Heiligen Weisheit, einer Gabe des Heiligen Geistes, geweiht. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 wurde die Kathedrale zu einer Moschee. 1934 wurde sie auf Anregung Atatürks in einem Museum umgewidmet. Die orthodoxe Christenheit bewegt das Ereignis immer noch. Der Islam wie das Moskauer Patriarchat könnten mit dieser Kirche ihre Wurzeln neu entdecken.

Foto: hinsehen.net E.B.

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Der Heilige Geist verlässt die Kathedrale

Eine Legende berichtet, dass der damalige Patriarch Gottesdienst feierte, als die Truppen eindrangen. Er verließ das Gotteshaus durch die Wand. Gleiches wird von zwei Mönchen erzählt, die wiederkommen werden, wenn wieder christlicher Gottesdienst in der Hagia Sophia gefeiert werde. Nach einer anderen Legende hat der Heilige Geist vor dem Eindringen der Türken die Kathedrale verlassen. Die Russen spinnen diese Legende so weiter, dass er nach Moskau weitergezogen sei und da auch bis zum Ende der Welt bleibe. So politisch die Legende klingt, der Geist ist gegenwärtig, wenn Menschen sich im Namen Jesu versammeln und besonders, wenn über Brot und Wein die Wandlungsworte gesprochen werden. Es ist heute an der Zeit, die Legenden weiter zu entfalten.

Der Islam macht eine christliche Kirche zum Modell für Moscheebauten

Auf die Architektur des Sakralbaus im Islam hat die große Kirche, damals die größte der Christenheit, eingewirkt. Deshalb mussten die Muslime auch eine Legende erfinden, um die Inbesitznahme der Kirche zu rechtfertigen. So erzählen sie, dass die Kathedrale an dem Ort gebaut worden sei, den der jüdische König Salomo bereits vorausgesagt habe. Und weiter sei die erstaunliche Kuppel nicht ohne Mohammeds Eingreifen möglich gewesen. Von ihm gesegneter Sand sowie Erde aus Mekka hätten die Kuppel erst tragfähig gemacht.
Die Kirche wird also von den Muslimen als authentisch auch für ihren Glauben anerkannt. Damit könnte ein Weg der Verständigung gefunden werden. Wenn schon große christliche Kirchen vom Islam als „Gottesdienst-fähig“ angesehen werden, dann könnte man das auf die Glaubensüberzeugungen von Juden und Christen ausweiten. Die Islamisten bekämpfen ihre eignen jüdischen und christlichen Wurzeln. Sollen wir nicht für die Rückkehr des Hl. Geistes in die Hagia Sophia beten, Menschen vieler Sprachen besuchen sie ja bereits.

Das Moskauer Patriarchat

Mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches ist das Patriarchat nicht untergegangen. Zwar ist der Patriarch auch vom neuen türkischen Staat auf wenige Quadratmeter des Phanar mit einer Kathedrale eingeschnürt, aber er bleibt Nachfolger der nach Rom wichtigsten Kirche der Christenheit. Die Hagia Sophia bleibt Ausgangspunkt für alle Kirchen, die die Chrysostomos-Liturgie von Konstantinopel übernommen oder wie die Griechische behalten haben. Da Konstantinopel kaum noch seine Funktion für die östliche Christenheit ausüben konnte, kam es 1589 bei der Neuwahl des Moskauer Metropoliten zu der Aufwertung des neuen Bischofs zum Patriarchen. Das wurde 1590 durch eine Synode in Konstantinopel bestätigt. In der Rangliste der Patriarchate folgt Moskau als sechstes auf das Patriarchat von Jerusalem. Wenn Moskau den Vorrang in der Orthodoxie anstrebt, dann bleibt es doch von Konstantinopel herkünftig. Auch hier die Frage, ob wir nicht dafür beten sollten, dass der Heilige Geist die Hagia Sophia weiter überschattet.

Sophienkirche in Kiew

In Kiew wurde eine der Hagia-Spophia nachgebaute Kathedrale ebenso zum Museum. Sie ist oben abgebildet. Weil die Orthodoxie in der Ukraine in mehrere Kirchen zerfällt, wäre die Rückerinnerung auf die große Kirche Konstantinopels hifreich, wieder ins Gespräch zurückzufinden. Denn auch jeder dieser Kirchen sind von Konstantinopel herkünftig.

Eckhard Bieger S.J.

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