Physik gegen Atheismus

Atheismus beruft sich auf die Naturwissenschaften. Die Physik muss also den Atheismus möglich machen. Das war im späten 19. Jahrhundert möglich. Doch mit Beginn des 20. Jahrhunderts ereignete sich der Super Gau, die theoretische Grundlage des Atheismus in der Physik brach weg. Ist diese Entwicklung wirklich bemerkt worden?

Stufe der Evolution Foto: hinsehen.net

Stufe der Evolution, Foto: hinsehen.net

Der Atheismus braucht eine anfangslose Materie mit unendlich vielen Möglichkeiten. Das Newtonsche Weltbild ermöglichte das. Denn dieses physikalische Weltbild ging von einer unbegrenzten Zeit, einem unbegrenzten Raum, von unbegrenzter Energie und Materie aus. Damit einher geht auch die Unbegrenztheit der Möglichkeiten. Wenn es unendlich viele Kombinationen und Versuche gibt, wird jeder mögliche Sachverhalt irgendwann real. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Sachverhalts  kann beliebig gering sein, solange diese nicht null ist.
Dies war das Hauptargument der Atheisten. Nur unter diesen Voraussetzungen konnten sie erklären, wie solch unwahrscheinliche Zustände, wie ein Leben erlaubendes Universum, die Bedingungen auf der Erde und das Entstehen des Lebens eingetreten sind.

Hier die Schlussfolgerungen:

  1. Alle realen Sachverhalte sind mögliche Sachverhalt
    – Da sie eingetreten sind, müssen sie möglich sein.
  2. Die von uns beobachteten Sachverhalte sind reale Sachverhalte
  3. Alle möglichen Sachverhalte müssen bei unendlich vielen Versuchen eintreten
  4. In der unendlich großen Welt gibt es unendlich viele Versuche

Daraus folgt:

  • Die von uns beobachteten Sachverhalte mussten irgendwann eintreten
  • Da die beobachtbaren Sachverhalte eintreten müssen, bedürfen sie keiner Erklärung mehr. Ein Schöpfer-Gott ist für die Erklärung der Welt, in der wir leben, überflüssig geworden. Man brauchte ihn auch nicht, um die Entstehung des Universums zu erklären, denn das bestand schon immer.

Die Physik beschreibt heute eine andere Welt

Die Newtonsche  Konzeption der physischen Welt ist seit der Entwicklung der Relativitätstheorie und der Big Bang Theorie in der Physik nicht mehr akzeptiert. Die Standard Theorie beschreibt den Big Bang als Singularität, als Punkt an dem Zeit und Raum beginnen. Damit gibt es vor dem Big Bang keine Zeit, keinen Raum und keine Materie. Die Vergangenheit ist nicht unendlich, sondern endlich mit einem klaren Beginn. Auch Raum und Materie bzw. Energie liegen in diesem Model nur in einem begrenzten Maß vor. Im von uns beobachtbaren Weltall, das sich auf 13,7 Milliarden Lichtjahre erstreckt, gibt  es 1080 Baryonen (Protonen und Neutronen). Das ist viel, aber keine unendlich große Menge. Damit fällt die letzte Prämisse des Atheismus, der sich eine andere Begründung suchen muss.

Die Leitwissenschaft ändert sich und keiner macht mit.

Der oben beschriebene Paradigmenwechsel hin zu einer endlichen Welt mit nur noch endlichen Möglichkeiten hat sich in den letzten Jahrzenten in der Physik durchgesetzt. In andere Wissenschaften ist er jedoch noch nicht voll durchgedrungen. So geht Niklas Luhman 1984 immer noch von einer unbegrenzten physischen Welt aus.

„Angesichts des Vordringens der Forschung in Subatomare und subsubatomare Bereiche muss die Theorie sich auf die Möglichkeit einstellen, daß die Welt nach unten offen, daß sie im Kleinen ebenso unendlich ist wie im Großen.“ (Die Wirtschaft der Gesellschaft als autopoietisches System Niklas Luhman in Zeitschrift für Soziologie, Jg. 13, Heft 4, Oktober 1984, S. 310)

Doch irrt er sich nicht nur in Bezug auf die Unbegrenztheit im „Großen“. Eine Welt ohne kleinste mögliche Einheiten ist nicht möglich. Gut zeigt sich dies im Raum. Die Lichtgeschwindigkeit als maximale Größe definiert zugleich minimale Größe des Raums.  Über diese kleinsten relevanten Einheiten hinaus muss es aber auch kleinste, nicht unendlich kleine Einheiten geben. Die von Luhman vorgeschlagenen Einheiten wären Infinitesimale, Punkte ohne Ausdehnung. Aber solche Punkte ohne Ausdehnung können keinen Raum mit Ausdehnung konstituieren. Auch unendlich mal null Ausdehnung ergibt null Ausdehnung.

New Atheists mit alten Vorstellungen

Eine ähnliche Sicht schien auch der berühmte Atheist Christopher Hitchens zu hegen. In seiner Debatte mit  William Lane Craig geht er nicht auf die Argumente für das Kalam Argument ein. Craig argumentiert  mit physikalischen Hinweisen auf einen absoluten Beginn der materiellen Welt. Diese Argumente sind für Hitchins offensichtlich uninteressant.

Der mögliche Beginn des Universums stellt Atheisten und Materialisten vor große Probleme. Wie kann das Materielle entstehen, wenn es vorher keine materiellen Dinge gab und es nur Materielles geben kann.? Aus nichts kommt ja nichts. Oder wäre eine Entität, die ausreichend Macht hat materielle Dinge aus dem materiellen Nichts zu erschaffen, eine Art Gott?
Um einem Beginn des Universums auszuweichen, wurden viele Modelle und Theorien entwickelt. Etwa die Multiverstheorie sowie verschieden Quanten- und String-Theorien. Sie dienen darüber hinaus auch für die Wiedereinführung der unendlichen Möglichkeiten, etwa durch unendlich viele Tochteruniversen oder unendliche viele Wiederholungen der Ausdehnung und Kontraktion des Kosmos. Diese Theorien verbindet eine deutlich höhere Komplexität und mehr Voraussetzungen gegenüber andern Erklärungsmöglichkeiten, wie die Unmöglichkeit der (empirischen) Falsifikation und eine rein theoretische Natur. Dies wird in der Multiverstheorie deutlich. Dabei ist es ausgeschlossen, zwischen den einzelnen Universen zu springen. Ebenso ist jegliche kognitive Wahrnehmung anderer Universen unmöglich. Nur die Möglichkeit und interne Kohärenz dieser Theorien kann falsifiziert werden, aber ihre faktische Existenz ist der Falsifikation entzogen. Einfach weil unsere naturwissenschaftlichen Methoden nicht über die Grenzen des Universums hinausreichen. Die Physik und die anderen Naturwissenschaften können nur innerhalb unserer Raumzeit zum Einsatz kommen.  Die Multiverstheorie, die besagt, dass es beliebig viele Welten gibt, ist also im klassischen Sinne Meta-Physik, sie beschreibt etwas, das über die Physik hinausreicht.

Warum die Relativitätstheorie und Big Bang diese Rückkehr in die Metaphysik erzwingen, erklären die nächsten beiden Artikel der Serie

Philipp Müller

Links
die Relativitätstheorie holt den Kosmos aus der Unendlichkeit
Big Ban, Anfrage an den Atheismus

Atheisten sind auch Metaphysiker

6 Gedanken zu “Physik gegen Atheismus

  1. Da schon der erste Satz nicht stimmt und auf ihm der Rest der Argumentation basiert, sollte der Verfasser die eventuell noch mal überdenken, bevor er noch weitere Schlüsse darauf aufzubauen versucht.

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