Fuller House: Neuauflage der Kult-Sitcom

Seit Februar 2016 gibt es beim Streamingdienst Netflix die erste Staffel der Neuauflage von „Full House“. Die Sitcom heißt nun „,Fuller House“ und spielt 29 Jahre nach Beginn der Erstausstrahlung 1987. Wie hat sich die Sitcom entwickelt? Welche Gesellschaft zeigt sie? Ist die Neuauflage gelungen?

2795799872_16f7f271a5_o

Foto: Erik Södertröm Lizenz: CC 2.0

1995-2016: 21 Jahre Intervall

1995 endete die erfolgreiche Sitcom um die Männer, Frauen und Kinder der Familie „Tanner“. Das berühmteste Reihenhaus von San Francisco blieb 21 Jahre stumm. Nun ist die Serie wieder da und fast alle ursprünglichen Schauspieler sind dabei, auch der Stammvater der „Full House“ Serie, Danny Tanner (gespielt von Bob Saget). Lediglich die berühmtesten Zwillinge der USA, die „Olsen twins“, fehlen. In der Serie wird mehrmals mit ironischen Anmerkungen auf deren „Modekarriere“ in New York, die von einer Pausen-Pointe begleitet wird, angespielt. Warum die beiden Zwillinge nicht wieder dabei sind, ist unklar. Von Seiten der Produktionsfirma heißt es, dass die beiden Zwillinge nicht mehr vor der Kamera stehen wollten. Was verständlich ist, waren sie doch schon als Babys Serienstars. 1986 geboren, wurden sie 1987 die weltweit berühmtesten Zwillingsbabys und später auch die Vorzeigezwillinge Amerikas. Was macht das mit einem? Aus ihrer Biographie sprechen jedenfalls mehr Dramen und Tragödien als aus gewöhnlichen Geschichten vom Erwachsenwerden.

Kinderstars fällt es oft schwer nach dem Ende des Erfolges mit dem Leben klarzukommen. Umso erstaunlicher ist es, dass bis auf die Zwillinge alle wieder dabei sind. Dabei hatten nicht nur die Olsen twins Probleme, jenseits des Ruhmes wieder zurechtzukommen. Auch Jodie Sweetin, die die Rolle der Stephanie Tanner spielt und ein Kinderstar der Serie von 1987-1995 war, hatte Drogenprobleme.

2016: Wiedervereinigung mit alten und neuen Schauspielern

Nun ist die Serie ist wieder da, im gleichen Haus, mit alten und auch neuen Schauspielern. Erstaunlicherweise haben sich viele ursprüngliche Schauspieler äußerlich – es liegen immer 21 Jahre dazwischen – kaum verändert. Die erstaunlichste Veränderung geht von der Rolle des Danny Tanner aus. Deren Schauspieler Bob Saget hat an Gewicht zugelegt und wirkt deutlich gezeichnet vom Leben, eher melancholisch als amazing. Das Alter macht auch vor dem American Dream nicht halt.

2016 scheinen nun die Rollen vertauscht zu sein: Nicht mehr drei Männer mit Gelegenheitsfrauen, sondern drei Single-Frauen ziehen Kinder groß. Die Väter sind entweder tot oder die Eltern haben sich getrennt. Der Grund ist eigentlich egal, was zählt ist, dass die Väter nicht da sind. Das Fuller House ist also ein Full Frauen House, lediglich unter den Kindern sind männliche Bewohner. Es gibt immer wieder Rückblenden zu den ehemaligen Staffeln der 80er und 90er, im Grunde aber dreht es sich nun um das Single-Leben der drei alleinerziehenden Frauen, die gleichsam aus der Not eine Tugend machten und eine WG alleinerziehender Frauen aufgemacht haben. Danny Tanner zieht nach LA und überlasst seinen Kindern und seinen Enkeln das Haus. Viele ehemalige Hauptrollen tun Ähnliches und sind somit nur noch Nebencharaktere.

Gelungenes oder langweiliges Remake?

Nadja Schlüter schreibt in ihrer Kritik auf SZ online (Link hier), die Serie sei zu brav und nicht mutig genug. Aber ist dies tatsächlich so? Man mache sich zunächst mal bewusst, was die Serie laut Netflix sein will: „kindgerecht“. Als solche geht es nicht darum, besonders mutig zu sein und die Grenzen des Möglichen auszutesten. Serien wie „Fuller House“ sollen unterhalten und da da sie sich als „kindgerecht“ präsentieren, auch irgendwie pädagogisch sein. Besonders wegen des pädagogischen Kriteriums kann man fragen, ob Fuller House noch „kindgerecht“ ist. Es gibt doch besonders viele zweideutige Dialoge, in denen Erwachsene über ihre Sexualität sprechen. Dies verstehen Kinder meist nicht und es hat auch nichts mit „kindgerecht“ zu tun, sondern erinnert eher an eine halbgare Version von „Two and a Half Men“. Insofern kann man die Serie im Vergleich zu Charlie Sheens Klamauk „brav“ nennen, im Vergleich zu anderem Familienserien ist sie es nicht.

Gesellschaftskritische Anspielungen, wie die von der Kinderrolle Ramona, die als Halbargentinierin zunächst nicht in „Fuller House“, einziehen will, da dies „die weißeste Familie Amerikas“ sei, sind eher die Ausnahme und spielen keine große Rolle. Trend „Gesellschaftskritik“ abgehakt. Fuller House orientiert sich stark am „Lifestyle“ der oberen Mittelschicht in den USA, die mit anscheinend wenig Arbeit einen ganz adäquaten Lebensstil pflegen kann und immer nach dem nächsten hedonistischen „Kick“ zu suchen scheint. Lediglich die Kinder sorgen dafür, dass sowas wie Familienatomsphäre aufkommt, sowas wie Fürsorge, Geborgenheit und Zusammenhalt. Das Menschliche wird durch die familiären Strukturen hineingeholt.

Ob die Serie gelungen ist, mag jeder selbst beurteilen. Letztlich werden die Quotenentscheiden, ob die Neuauflage ein Erfolg wird.

Josef Jung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s