Treffen Patriarch-Papst, mehr als ein taktischer Schachzug Putins

Die allgemeine Überzeugung, auch wenn sie nicht offen geäußert wird, besteht darin, dass Präsident Putin selbst dazu beigetragen habe, dass der Patriarch zu einem solchen Treffen endlich bereit war. Noch vor einigen Tagen war zu hören, dass zwischen beiden Kirchen noch zu viele ungelöste Fragen stehen, als dass ein Treffen möglich wäre. In der Orthodoxen Kirche gibt es einflußreiche Kreise, die der alten Tradition folgend glauben, dass die katholische Glauben schlimmer sei als der Atheismus. Zudem hat der Patriarch in der Orthodoxen Kirche viel weniger Autorität als der Papst in der Katholischen. Er kann nicht alleine eine solch wichtige Entscheidung treffen. In diesen Fragen muss er die Meinung der Bischöfe berücksichtigen.

Kirche zur Stabilisierung der Werte

In Bezug auf die Orthodoxe Kirche hat der Staat seit einigen Jahren eine wichtige Rolle übernommen. Da die Gesellschaft ohne Werte vom Zerfall bedroht ist, braucht es die Rückbesinnung auf die Grundlagen. Denn Russland hat in den neunziger Jahren erlebt, als plötzlich überhaupt keine Ideale mehr da waren, weder kommunistische noch christliche, sondern nur ungehemmter Selbstsucht und Bereicherung auf Kosten von anderen, dass die Gesellschaft auseinanderzubrechen drohte. Jetzt bemüht sich die Regierung, die traditionellen Werte, die auch im Kontext Russlands christliche Werte sind, wieder zu beleben. Die traditionelle Familie mit vielen Kindern wird angesichts der Krise der Familie und niedrigen Geburtenrate hochgepriesen. Die russische Regierung sieht in diesen Bemühungen in der Kirche einen wichtigen Verbündeten.

Die katholische Kirche wird mit Respekt behandelt

Ebenso sieht Russische Regierung in der katholischen Kirche einen wichtigen und einflussreichen Partner. Besonders in den Fragen der Bewahrung der traditionellen christlichen Werte, so die der Familie und in der Sorge um das Schicksal der Christen im Nahen Osten ist man sich einig. In den Mainstream-Medien Russlands behandelt man die katholische Kirche mit grossem Respekt.

Überwindung der Spannungen

In der letzten Zeit, angesichts der Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten und den Spannungen mit dem Westen, ist Russland klar geworden, dass man dringend etwas unternehmen muss, um die Lage zu entspannen und die Krisen zu lösen. Der politische Dialog ist in eine Sackgasse geraten. In Russland fühlt man sich nicht nur von Western isoliert, sondern auch missverstanden. Die Politiker scheinen aneinander vorbeizureden. Da sollten die Kirche ein Zeichen dafür setzten, dass man miteinander nicht nur reden kann, sondern dass man sich einigen kann, dass man viel mehr gemeinsam hat, als das was trennt.
Die Vorsitzende des Oberhauses des russischen Parlaments, Valentin Matvienko, eng mit Putin verbunden, hat im Zusammenhang mit dem Treffen von Patriarch und Papst gesagt, dass es nicht nur darum gehe, die heutige Krisen irgendwie zu lösen. Es gehe vielmehr darum, wieder zu entdecken, dass wir zu einer Gemeinsamen Zivilisation gehören, die christliche Werte als Grundlage und Wurzeln hat.

Zugehörigkeit zum Westen

Die russische Elite ist im Geiste der Zugehörigkeit zur europäischen Zivilisation erzogen. Nach dem Zerfall von der Sowjetunion hat sie entdeckt, dass diese Zivilisation christliche Wurzeln und Grundlagen hat. Sie ist sich auch dessen bewusst, dass Russland auf lange Sicht nur dann Hoffnung hat, wenn es zu diesen europäisch-christlichen Wurzeln zurückfindet. Deswegen ist die Annäherung an die katholische Kirche, die als Trägerin und Garantin der christliche Werte gesehen wird,in den Augen politische Elite Russlands nicht nur ein PR-Ereignis, sondern eine strategische Entscheidung.

Vladimir Pachkov, Moskau

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