Wikipedia am Scheideweg

In den letzten fünf Jahren haben sich die Beiträge auf Wikipedia mehr als verdoppelt. Allgemein gilt Wikipedia als erfolgreiche Enzyklopädie. Doch es gibt auch Probleme und Herausforderungen. Wie steht Wikipedia zurzeit da? Welche Zukunftsaussichten gibt es? 

Wikipedia

Foto: dpa/picture-alliance

Die Online-Enzyklopädie wird 15 Jahre alt – ein Blick zurück und in die Zukunft

Am 15. Januar 2001 wurde Wikipedia ins Leben gerufen und dürfte heute – 15 Jahre später – eigentlich Grund zur Freude haben. In den letzten fünf Jahren hat sich laut der Computerzeitschrift „c’t“ die Zahl der Einträge in der Online-Enzyklopädie von 14 auf 33 Millionen erhöht. Zudem hat das Projekt Wikidata, maschinenlesbare Einträge, die sprachunabhängig als freie Datenbank z. B. für Bibliotheken genutzt werden können, innerhalb von drei Jahren bereits 15,5 Millionen Einträge erhalten. Nicht nur an Schulen und Universitäten hat sich Wikipedia als zentrale erste Recherchewebsite entwickelt. Dank der ehrenamtlichen Autoren-Community überall auf der Welt ist Wikipedia in der Lage, auch bei aktuellen Ereignissen fast zeitgleich mit den traditionellen Medien aktuelle Informationen und Hintergründe zu liefern.

Der größer werdende Schatten bei Wikipedia

Doch ein immer größer werdender Schatten liegt über dem Geburtstagskind: Die Zahl der Autoren, 30.000 weltweit, 6.000 in Deutschland, und erstmals auch die Zahl der Leser. die seit 2013 um 100 Millionen pro Monat auf nun 400 Millionen, zurückgegangen ist, sinken. Zudem hat die Online-Enzyklopädie mit neuen Herausforderungen zu kämpfen: Den Blockaden in China und Russland. Und die größte Herausforderung steht Wikipedia erst wohl noch bevor: Die Konkurrenz durch Google. Die Online- Suchmaschine kann mittlerweile viele Wissensfragen selber beantworten, auch wenn die Quelle oftmals noch Wikipedia selber ist. Wikipedia steht also am Scheideweg.

Was sich nicht geändert hat

An den Grundstrukturen von Wikipedia hat sich eigentlich seit der Gründung von 15 Jahren nichts geändert: Autoren erstellen kostenlos Beiträge und diese werden durch andere Autoren kontrolliert und redigiert. Das kollektive Wissen und die strengen Regeln der Enzyklopädie sorgen für die  Neutralität, die Aktualität und die Qualität der Beiträge. Aber allein darauf will sich die Wikipedia Foundation nicht verlassen und setzt aktuell zunehmend auf eine automatisierte Kontrolle der Einträge, was wiederum bei einigen Autoren auf Ablehnung stößt. Durch diese Automatisierung und dem „Objektive Revision Evaluation Service“ – Algorithmus sollen einerseits auch SPAM- und Pornographie-Einträgen und andererseits einer immer größer werdenden Armada von PR-Beratern, die bezahlte Inhalte auf Wikipedia platzieren wollen, begegnet werden. Zudem versucht Wikipedia durch neue Projekte wie „Wiki loves Monuments“, bei dem im letzten Jahr 230.000 Fotos von Bau- und Naturdenkmälern gesammelt und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wurden, neue Datenquellen und Verwendungszwecke zu finden. Damit tritt Wikipedia direkt in Konkurrenz mit Google, das zuletzt mit der Digitalisierung von Buchbeständen und der Sammlung von menschlichen Gendaten in den USA von sich reden machte.

Was wird aus Wikipedia?

Die Frage wird sein, ob sich eine rein spendenbasierte Online-Enzyklopädie gegen ein reiches Medien-Imperium langfristig durchsetzen kann. Im Sinne der Daten- und Meinungsfreiheit wäre es  Wikipedia zu wünschen, dass es seine Volljährigkeit in drei Jahren weiterhin frei von wirtschaftlichen und politischen Vorgaben oder Einflussnahmen erleben kann. Denn die Online-Enzyklopädie ist auch ein Garant für den Aufstieg des World Wide Web als Wissens(weiter)träger.

Christian Schnaubelt (CS), Ressortleiter Digitale Medienwelt

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